French Open in Paris: Kuerten tritt unter Tränen zurück
zuletzt aktualisiert: 26.05.2008 - 10:48Paris (RPO). Immer wieder hallen "Guga, Guga"-Sprechchöre über den Centre Court in Paris. Auch wenn Gustavo Kuerten in seinem Erstundenmatch bei den French Open gegen den Franzosen Paul-Henri Mathieu aussichtslos zurückliegt, die Fans feiern ihren Liebling. Dreimal triumphierte der Brasilianer in der Stadt der Liebe und hat sich einen Platz in den Herzen der Fans erobert. Schon am ersten Tag erlebte das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres einen unvergesslichen Höhepunkt.
Die Szene ist unvergessen und wurde, als alles endgültig vorbei war, auch noch einmal auf der Anzeigetafel eingespielt: Als Kuerten 2001 seinen Matchball zum dritten Triumph bei den French Open verwandelt hatte, malte er ein großes Herz in den roten Sand vom Court Philippe Chatrier und legte sich hinein.
Der Südamerikaner war einer der populärsten Tennisspieler der vergangenen zehn Jahre, ein Fanfavorit überall auf der Welt, aber eben ganz besonders in Roland Garros, wo er auch seine größten Erfolge feierte.
Am Sonntag durfte er noch einmal auf seinem Lieblingsplatz antreten, sich verabschieden vom Pariser Publikum, noch einmal die große Tennisbühne betreten. In einer großen Geste haben die Organisatoren der French Open den inzwischen 31-Jährigen mit einer Wild Card ausgestattet und für das Match gegen Mathieu auf dem Court Central angesetzt. "Dieses Turnier ist meine Leidenschaft und meine Liebe", sagte Kuerten nach seinem letzten Spiel.
In den Pausen lief die Laola-Welle durch die Arena, zahlreiche Fans kamen in gelben Brasilien-Trikots. Dass ihr Held mit 3:6, 4:6, 2:6 verlor, war nebensächlich. Aber wenn er ab und an mit seiner einhändigen Rückhand punktete, seinen Gegner passierte und gefühlvolle Stopps spielte, dann jubelten die Zuschauer. Nach 1:49 Stunden war das letzte Match gespielt. Minutenlang verbarg er danach seinen Kopf unter einem Handtuch, von Tränen überwältigt.
Vom Schmerz geplagt
Seit 2001 plagten ihn Probleme an der rechten Hüfte und gegen Ende des Spiels humpelte er sichtbar. Erstmals ließ er sich im Februar 2002 operieren, richtig fit wurde Kuerten trotz zahlreicher Versuche nie mehr. Kuerten hat Schmerzen in der Hüfte beim Liegen und beim Sitzen. In den vergangenen drei Jahren konnte er praktisch nicht mehr spielen. Der Entschluss, in diesem Jahr Schluss zu machen, fiel schwer, war aber unvermeidlich.
Seit Jahresbeginn ist er also auf einer Art Abschiedstournee. Er spielte nochmal die Turniere, die ihm besonders am Herzen liegen. Seine Heimatstadt Florianoplis, Miami, Monte Carlo und zum Abschluss eben die French Open. Nur einen Sieg in fünf Spielen konnte er dabei erzielen, und natürlich ging er auch praktisch chancenlos in das Spiel gegen den an 18 gesetzten Mathieu. "Ich habe fantastische Erinnerungen an dieses Turnier", sagte Kuerten: "Ich hatte hier großartige Erfolge, ich fühle mich sehr, sehr gut und bin mit allem zufrieden."
Als 20-Jähriger konnte Kuerten erstmals die French Open gewinnen, ein Erfolg den er 2000 und 2001 wiederholte. In den Farben der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft war er gekleidet, das wilde, lockige Haar durch ein Stirnband gebändigt. Der freundliche Junge nahm die Herzen der Fans im Sturm. Die deutschstämmige Oma Olga war meist dabei und wurde auch immer wieder im deutschen Fernsehen vorgeführt. Ende 2000 war Kuerten die Nummer eins der Tenniswelt.
Gleichzeitig aber war er stets karitativ tätig. Der frühe Tod seines Vaters und sein behinderter Bruder Guillermo brachten ihm eine Lebensperspektive, die über das Spiel mit den gelben Filzbällen deutlich hinausging. 2001 bekam er einen Preis der UNESCO für seine soziale Arbeit verliehen.
Das Institut Guga Kuerten wurde 2000 gegründet und soll Menschen mit Behinderung bei sportlichen Aktivitäten unterstützen. Mehr als 1,5 Millionen Dollar hat er bereits zusammengetragen. "Durch meinen Bruder habe ich eine sehr genaue Vorstellung davon bekommen, wie ich mit meinem Leben zufrieden sein kann", sagte Kuerten: "Ich bin ein glücklicher Mensch."
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