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French Open: Michelle Brito stöhnt wie Monica Seles

zuletzt aktualisiert: 28.05.2009 - 13:23

Paris (RPO). Die Zukunft des Tennis ist laut. Sie stöhnt und kreischt wie einst Monica Seles und heute Maria Scharapowa. Sie hat einen langen blonden Zopf, und natürlich wurde sie wie die beiden früheren Weltranglistenersten in Florida bei Trainer-Guru Nick Bollettieri ausgebildet.
Michelle Brito jubelt bei den French Open.  Foto: AFP, AFP
Michelle Brito jubelt bei den French Open. Foto: AFP, AFP

Die Zukunft des Frauen-Tennis heißt Michelle Larcher de Brito und kommt ausnahmsweise nicht aus Osteuropa, sondern aus Portugal. Mit 16 Jahren spielt sie bei den French Open gerade ihr erstes Grand-Slam-Turnier, steht bereits in der dritten Runde und gilt spätestens jetzt als das nächste heiße Versprechen auf der Tour. Bollettieri sieht in ihr mindestens eine kommende Top-Ten-Spielerin und eine großartige Kämpferin: "Schreibt sie niemals ab."

Erstaunlich und irgendwie beängstigend erwachsen und gelassen nimmt Michelle Larcher de Brito den Rummel in Paris hin. Mit neun ist sie mit ihren Eltern in die USA gegangen, um ihre Karriere voranzutreiben. Seit sie drei Jahre alt ist, spielt sie Tennis.

"Mein Vater war ein großer Tennisfan. Ich glaube, als er dann Kinder hatte, wollte er eben Tenniskinder", erzählt Michelle in perfektem Englisch. Manchmal frage sie sich, wie es wäre, wie ein normales Mädechen in ihrem Alter zu sein. "Aber die Leute sagen, ich sei talentiert und habe eine gute Chance es zu schaffen, und das möchte ich nicht wegwerfen."

Sie möchte sich nicht eines Tages fragen müssen, ob sie nun die Nummer eins hätte werden können oder nicht. Sie will es ganz genau wissen, und dehalb mache sie all die "harte Arbeit". Ihre Vorbilder sind Monica Seles und Martina Hingis. Zwei "Tenniskinder" von damals, die es geschafft haben, die einst die Nummer eins der Welt waren.

Seles war gar erst 15, als sie 1989 in Paris ihren ersten Grand Slam spielte. Der Siegeszug endete erst im Halbfinale gegen Steffi Graf. Nur ein Jahr später kürte sich die Serbin im Alter von 16 Jahren und 6 Monaten zur bis heute jüngsten Siegerin in Roland Garros. Seles hat gerade ihre Biographie veröffentlicht, darin steht, ihr mittlerweile verstorbener Vater habe ihr damals vor dem ersten Auftritt auf dem Centre Court etwas mit auf Weg gegeben, was sie auch später immer begleitete: "Hab niemals Angst vor diesem Platz. Er ist für dich."

Auch Michelle Larcher de Brito spielt in Paris, als seien die Courts für sie gemacht, ohne Respekt vor Namen oder dem Rummel. Dabei ist sie mit nur 1,65 m und 57 Kilo noch sehr zierlich für das heutige Powertennis. Seit Februar 2007 ist sie offiziell Profi. Wenig später gewann sie in Miami mit 14 Jahren, einem Monat und drei Tagen als siebtjüngste Spielerin der Geschichte ein Match auf der Tour.

Junge Frauen oder besser Mädchen mit Potenzial und einer großen Karriere vor Augen hat es schon immer gegeben. Manchmal geht es gut, aus den Tenniskindern werden erfolgreiche und selbsbewusste Sportlerinnen und Frauen. Manchmal geht auch etwas fürchterlich schief. US-Wunderkind Jennifer Capriati schlug mit 13 das erste Mal auf der WTA Tour auf, sie wurde Olympisiegerin und holte drei Grand-Slam-Titel. Zwischendurch gab es aber auch Schlagzeilen über Ladendiebstahl und Drogen.

Am Tag vor Michelle Larcher de Britos Zweitrundensieg gewann Jelena Dokic erstmals nach fünf Jahren wieder ein Match in Paris. Anfang des neuen Jahrtausends galt sie als Wunderkind, mit 16 stand sie im Viertelfinale von Wimbledon. Heute mag sie über ihr Privatleben und ihren tyrannischen und gewalttätigen Vater nicht mehr sprechen, sie hatte Depressionen und arbeitet sich gerade zurück ins zweite Tennisleben.

Das Tennisleben der Michelle Larcher de Brito hat dagegen gerade erst so richtig begonnen.

Quelle: SID

 
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