Aus bei den French Open: Nadal: "Das ist keine Tragödie"
zuletzt aktualisiert: 01.06.2009 - 13:05Paris (RPO). Rafael Nadal war geschockt. Nach dem sensationellen Aus des besten Sandplatzspielers der Welt bei den French Open brachte der Spanier nur noch ein kurzes Winken zustande und verließ das Spielfeld. Sein Bezwinger, der Schwede Robin Söderling, war mit dem tosenden Publikum allein.
Vier Jahre und 31 Matches nach seinem Turnier-Debüt hat die Nummer eins der Weltrangliste zum ersten Mal ein Match bei den French Open verloren. Und nach einer der größten Sensationen im weißen Sport und der größten in Paris seit dem legendären Achtelfinalsieg von Michael Chang über Ivan Lendl vor genau 20 Jahren wird der Sieger in Paris zum ersten Mal seit 2005 nicht Nadal heißen.
Ohne jede Vorwarnung kam Robin Söderling an einem denkwürdigen Sonntag in Roland Garros über den viermaligen Turniersieger. Nach dreieinhalb Stunden setzte Nadal um 17.53 Uhr auch den letzten Vorhand-Volley ins Aus, das Achtelfinale war mit 2:6, 7:6 (7:2), 4:6, 6:7 (2:7) verloren.
Ohne ein Wort zuviel erklärte "Rafa" wenig später das eigentlich doch Unerklärliche. "Ich habe nicht mein bestes Tennis gespielt, ich habe es ihm leicht gemacht. Wenn ein Spieler so schlecht spielt, muss er verlieren, und das ist heute passiert", sagte Nadal enttäuscht, aber äußerlich immer gefasst.
Die schlimmste Niederlage in seiner Karriere sei es jedenfalls nicht, es sei auch keine Tragödie, hier in Paris zu verlieren: "Und niemand erinnert sich lange an Niederlagen. Die Menschen erinnern sich an Siege."
Der 24 Jahre alte Söderling wird "den größten Moment meiner Karriere" jedenfalls immer in Erinnerung haben. Minuten nach dem Match saß er schon im Studio des französischen Fernsehens, und noch ganz unter dem Eindruck des Jubels von knapp 15.000 Zuschauern legte er fast selbstvergessen erst einen Fuß auf den Tisch und verdrückte dann ein paar Tränen.
Tränen bei Söderling
"Ich habe mir einfach immer wieder gesagt: Dies ist ein ganz normales Match. Es ist ein Spiel wie jedes andere und nicht die größte Herausforderung überhaupt gegen den besten Sandplatzspieler aller Zeiten. Das hat mir geholfen", sagte Söderling. Vor Paris war er die Nummer 25 der Welt - und auf der Tour nicht gerade der Beliebteste. In Wimbledon hatte er sich mal über Nadals Gesten vor dem Aufschlag lustig gemacht.
Eine gute Woche nachdem er Rainer Schüttler beim Arag World Team Cup in Düsseldorf mit 6:0, 6:0 auseinandergenommen hatte, wartete er nun auf eine SMS von Schwedens Idol Björn Borg. Schließlich verhinderte Söderling, dass Nadal Borg in Roland Garros überholte und als erster Spieler überhaupt zum fünften Mal nacheinander den Coupe de Mousquetaire in die Höhe stemmen durfte.
Nicht einen einzigen Satz hatte Nadal seit dem Finale 2007 gegen Roger Federer in Paris verloren. Dreimal hintereinander hatten sich Nadal und der Schweizer im French-Open-Finale zuletzt gegenübergestanden, jedes Mal war der Spanier der Bessere.
Nun wünschte Nadal seinem großen Rivalen den Sieg: "Er versucht seit so vielen Jahren hier zu gewinnen. Wenn es einer verdient hat, dann er." 13 Mal hat Federer bei Grand Slams gewonnen, nur der Sieg in Paris fehlt noch in seiner Sammlung.
Doch das Feld bei den French Open scheint nach dem "Königsmord" so offen wie lange nicht.
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