Tennis: Nadal holt fünften French-Open-Titel
zuletzt aktualisiert: 06.06.2010 - 17:45Paris (RPO). Sandplatzkönig Rafael Nadal eroberte mit seinem fünften Titel in Paris den Tennis-Thron, Francesca Schiavone mit ihrem historischen Sensationssieg die Herzen der Fans: Bei den French Open hat ein ungleiches Paar mit spanischer Präzision und italienischer Leidenschaft für großes Gefühlskino gesorgt.
Nadal weinte hemmlungslos, nachdem er im Eiltempo zu seinem fünften Roland-Garros-Titel und zurück auf den Tennis-Thron gestürmt war. Vor den Augen von Spaniens Monarchin Sofia besiegte der Linkshänder im Finale Robin Söderling (Schweden/Nr. 5) in 2:18 Stunden mit 6:4, 6:2, 6:4 und konnte die Tränen nach seinem siebten Grand-Slam-Erfolg nicht mehr zurückhalten. Sofia "tröstete" den 24-Jährigen mit einem Kuss auf die Wange. "Ich danke der Königin für ihre Unterstützung", sagte "Rafa": "Ich fühle mich hier wie zu Hause und werde nächstes Jahr wiederkommen."
Zunächst ließ sich Nadal nach seiner 138-minütigen Gala rücklings auf die heilige Asche von Roland Garros fallen, dann konnte er die Tränen nicht mehr zurückhalten und nahm sichtlich bewegt den Coupe des Mousquetaires entgegen. Durch seinen 22. Matcherfolg in Serie löst Nadal, der in Paris ohne Satzverlust blieb, den bereits im Viertelfinale gescheiterten Roger Federer am Montag an der Spitze der Weltrangliste ab.
Wie Nadal kassierte auch Schiavone ein Preisgeld in Höhe von 1, 12 Millionen Euro. Die Spätzünderin hatte sich am Vortag durch ein 6:4, 7:6 (7:3) gegen die favorisierte Samantha Stosur (Australien) zur ersten italienischen Grand-Slam-Siegerin der Geschichte gekrönt und küsste wie Nadal als Dank die rote Asche. "Ich habe mich gefühlt wie ein Champion, das waren große Emotionen. Davon habe ich immer geträumt", sagte die 29-jährige Schiavone, die in ihrer Heimat mittlerweile "Francesca Nazionale" genannt wird.
Drei Tage nach seinem 24. Geburtstag war Nadal von Beginn an der dominantere Spieler. Nach 55 Minuten und einem Break nutzte der Favorit vor 15.166 Zuschauern gleich seinen ersten Satzball. Auch in der Folge konnte Aufschlagriese Söderling seine stärkste Waffe nur selten einsetzen und musste sein Service im zweiten Durchgang gleich zweimal abgeben.
Selbst von einer mehrminütigen Unterbrechungspause, in der ein auf der Tribüne zusammengebrochener Mann behandelt werden musste, ließ sich Nadal nicht mehr vom Erfolgsweg abbringen. Publikumsliebling zeigte zeitweise Sandplatz-Tennis in Perfektion.
Nach ihrem Triumph kletterte Schiavone in ihre mit Italien-Flaggen geschmückte Box und versank in der Traube der jubelnden Freunde. Der unerwartete Erfolg im Spätherbst ihrer Karriere war für sie eine Genugtuung der besonderen Art - und lässt sie als Weltranglisten-Sechste erstmals in die Top Ten vordringen.
"Ich habe gezeigt, dass man alles erreichen kann, wenn man es aus vollem Herzen und mit Leidenschaft angeht. Dann können Dinge wahr werden, die unrealistisch erscheinen", sagte Schiavone, die erst bei ihrer 39. Grand-Slam-Turnier-Teilnahme und nach 732 Profimatches den großen Durchbruch schaffte. Auch Stosur erkannte die besondere Leistung an: "Es zeigt, dass man kein Wunderkind gewesen sein muss, um so etwas zu schaffen."
Vor dem Finale hatte die in Paris an Nummer 17 gesetzte Schiavone in 13 Profijahren gerade mal drei Turniere der mittleren Kategorie gewonnen. Doch nie hörte die Kämpfernatur mit dem variablen Spiel auf, an sich und das Unmögliche zu glauben. Gemäß dem Motto, das ihre kurzfristig mit dem Auto angereisten Freunde auf T-Shirts zur Schau trugen: "Schiavo, nothing is impossible."
Ganz fassen konnte Schiavone das Ausmaß ihres Coups noch nicht. Feiern wollte sie trotzdem. Die Nationalhymne bei der Siegerehrung sang das Energiebündel lauthals mit, küsste ihren Coup Suzanne Lenglen und schickte via TV einen Gruß nach Hause: "Ich liebe Euch, Mami und Papi."
Der italienische Staatspräsident Georgio Napolitano hatte Schiavone noch auf dem Court per Handy gratuliert. Später folgte Regierungschef Silvio Berlusconi. In der Heimat überschlugen sich die Medien: "Francesca I., Königin von Frankreich. Danke", titelte die Gazzetta dello Sport, während Tuttosport schrieb: "Paris liegt Schiavone zu Füßen. Das italienische Tennis hat eine neue Heldin und kann wieder träumen."
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