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andrea petkovic panorama afp 2011
  Foto: AFP, AFP
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Deutschlands Tennis-Hoffnung: Petkovic: "Das Ziel sind die Top 10"

VON GIANNI COSTA FÜHRTE DAS GESPRÄCH - zuletzt aktualisiert: 04.02.2011 - 10:03

Maribor/Düsseldorf (RP). Sie hat sich bei den Australian Open in Melbourne ins Rampenlicht gespielt. Ihr Einzug ins Viertelfinale des Grand-Slam-Turniers war hierzulande der größte Erfolg einer Tennisspielerin seit Steffi Graf 1999. Seitdem steht Andrea Petkovic aus Darmstadt im Blickpunkt.

An diesem Wochenende soll die 23-Jährige das Fed-Cup-Team bei der Erstrundenpartie in Maribor gegen Slowenien aus der Zweitklassigkeit zurück in die Spitzengruppe führen.

Frau Petkovic, wie fühlt es sich an, in Deutschland zur neuen Hoffnungsträgerin aufgestiegen zu sein?

Petkovic Ehrlich gesagt sehe ich das eher entspannt. Für mich war der Einzug ins Viertelfinale in Melbourne eine Bestätigung dafür, dass sich das intensive Training auszahlt. Ich gehe konsequent meinen Weg. Sicherlich ändert sich nach einem solchen Erfolg die Erwartungshaltung an einen, das kann man vermutlich nicht verhindern. Ich versuche, das als Ansporn zu nehmen.

Rückschläge sind also einkalkuliert?

Petkovic Natürlich. Die Saison für uns Profis geht von Januar bis November, der Kalender ist voll mit Turnieren. Es ist fast unmöglich, die ganze Zeit über auf höchstem Niveau zu spielen. Bei den Männern können das vielleicht Rafael Nadal und Roger Federer – auf solch eine Konstanz arbeite ich hin.

Als Sie sich entschieden haben, Profi zu werden, wollten Sie unter die besten 25 der Welt kommen. Sie sind aktuell 24. Was haben Sie sich als neue Herausforderung vorgenommen?

Petkovic Mein langfristiges Ziel ist der Sprung unter die Top 10. Soweit bin ich aber noch nicht. Du musst einfach unheimlich konstant spielen, darfst dir kaum Schwächen erlauben, musst noch einen Tick härter trainieren. Vor allem darfst du dich nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn es mal nicht so gut läuft. Ich arbeite ständig an mir.

Vor drei Jahren in Australien standen Sie nach einem Kreuzbandriss vor dem Ende Ihrer Karriere. Was hat sich seitdem geändert?

Petkovic Eigentlich alles. Das war der Wendepunkt in meiner Karriere. Als ich am Boden lag, habe ich mich zu dem bekannt, was ich einfach liebe. Vorher waren meine Gedanken noch nicht so fokussiert. In dieser Phase habe ich erkannt, nur wenn man sich 100 Prozent mit dem Sport identifiziert, hat die ganze Quälerei einen Sinn. Mir ist da auch die Endlichkeit von allem klargeworden. Deshalb studiere ich per Fernstudium Politikwissenschaften. Ich weiß, es kann immer etwas passieren. Ich will auf diesen Fall vorbereitet sein.

Immerhin sollen Sie ziemlich konkrete Pläne für die Zeit nach Ihrer Laufbahn als Spitzensportlerin haben. Sie haben einmal gesagt, Sie könnten sich gut vorstellen, in die Politik zu gehen und Bundeskanzlerin zu werden.

Petkovic (lacht) Das war nur als eine kleine Provokation gedacht. Ich habe auf jeden Fall noch nicht in Berlin vor dem Gitter des Regierungssitzes gestanden und gebrüllt, dass ich da rein will. Ich wollte damit eigentlich nur verdeutlichen, was mir im Leben wichtig ist. Dazu gehört eben auch, sich für gesellschaftspolitische Themen einzusetzen. Politik ist ein Hobby von mir, vielleicht engagiere ich mich in ein paar Jahren noch etwas intensiver. Für Gedanken zu konkreten politischen Plänen bleibt während einer Tennis-Karriere keine Zeit.

In Ihrem Internetblog "Petkorazzi" holen Sie für ein Video-Tagebuch viele Ihrer Kollegen vor die Kamera. Haben Sie auch schon mal eine Absage für einen Dreh kassiert?

Petkovic Bislang lief es immer sehr ungezwungen ab und alle haben mitgemacht. An Nadal und Federer habe ich mich noch nicht herangewagt. Da war der Respekt bislang zu groß. Aber ich arbeite hinter den Kulissen schon eifrig daran.

Was erfährt die Welt in dem Blog nicht von Andrea Petkovic?

Petkovic Vieles. Es gibt auch Momente, in denen ich nicht so lustig drauf bin, da ziehe ich mich dann zurück und halte nicht mit der Kamera drauf. Oder meine Familie. Die schotte ich komplett ab. Aber ansonsten versuche ich den Leuten schon einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Tennis bedeutet auch Unterhaltung, dazu gehört eben, dass die Leute etwas über dich wissen wollen. Je erfolgreicher ich werde, desto größer wird auch das Verlangen nach mehr Informationen über einen. Ich versuche das alles in einem gesunden Maß zu halten. Ich bin ja zum Glück noch nicht so populär.

Das liegt auch daran, dass es für Sie mit dem Turnier in Stuttgart nur eine Möglichkeit gibt, sich vor deutschem Publikum zu präsentieren. Schade?

Petkovic Ja, wirklich schade. Dazu läuft nicht so viel Tennis im Fernsehen. Nach den großen Erfolgen von Graf und Becker ist alles eben etwas zurückgefahren worden. Aber jetzt gibt es eine neue Generation. Die Jule, also Julia Görges steht auf Platz 34, ich auf 24. Wir spielen beide mit den großen Namen der Szene und versuchen etwas zu bewegen. Natürlich wäre es toll, wenn es auch wieder mehr Damenturniere in Deutschland geben würde. Es muss sich da etwas tun. Ich versuche meinen Teil beizutragen, spiele auch Fed Cup, um den Leuten zu zeigen, dass es uns gibt.

Was erwarten Sie sich für die Partie in Slowenien?

Petkovic Ich denke, wir gehen leicht favorisiert in die Begegnung. Das wird aber ganz bestimmt kein Selbstläufer. Für die Öffentlichkeit sind die Sloweninnen vielleicht nicht so interessant, weil die großen Namen fehlen. Wenn wir als Team auftreten, dann bin ich sehr optimistisch für das Wochenende.

Quelle: RP

 
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