Deutsche Tennis-Hoffnung: Petkovic genießt Mix aus Träumen und Zielen
zuletzt aktualisiert: 02.02.2011 - 16:00Maribor/Frankfurt (RPO). Mit ihrem Viertelfinal-Einzug bei den Australian Open hat sich Andrea Petkovic in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gespielt. Die eloquente Einser-Abiturientin möchte nun auch das Fed-Cup-Team zurück in die Weltspitze führen.
Weil im Leben von Andrea Petkovic ein großer Traum wahr geworden ist, hat sich für Deutschlands beste Tennisspielerin auch außerhalb des Courts einiges verändert. "Die Leute erkennen mich häufiger. Die Anfragen sind drastisch in die Höhe geschnellt, meinem PR-Mann glühen die Finger. Ich kann mich aber noch ganz normal bewegen", sagte Petkovic vor ihrem Einsatz im Fed Cup am Wochenende in Maribor gegen Slowenien dem Sport-Informations-Dienst (SID).
In Melbourne war das nach ihrem überraschenden Viertelfinal-Einzug bei den Australian Open nicht mehr der Fall. "Dort konnte ich kaum auf die Straße gehen, ohne angehalten zu werden", berichtete die 23-Jährige, die nach der Rückkehr aus Down Under Ende der vergangenen Woche zuhause in Darmstadt die Seele baumeln ließ. Petkovic: "Ich habe mich vor allem ausgeruht, gegen den Jetlag gekämpft und das selbstgekochte Essen meiner Mutter genossen."
Nach dem Empfang am Flughafen wartete zuhause als Belohnung schon die hausgemachte "Petko"-Suppe auf die extrovertierte Politik-Studentin, die mittlerweile die Nummer 24 der Weltrangliste ist. Den Appetit auf Tennis stillte sie dabei gemütlich vor dem Fernseher: "Die Halbfinals und Finals von Melbourne konnte ich nicht ignorieren. Tennis ist einfach ein sehr großer Teil meines Lebens", meinte Petkovic, die Turniersiegerin Kim Clijsters (Belgien) gleich nach dem Finale ihre Glückwunsche twitterte.
Die großen Bühnen eines Grand-Slam-Turniers waren für sie bis vor kurzem immer nur Träume. "Seit neuestem", sagt die eloquente Hessin, "verschwimmen Träume und Ziele ineinander." Trotzdem kam für Petkovic, die zur Entspannung im Internet nach hippen Bands sucht, der Erfolg von Melbourne nicht so überraschend wie für viele andere. "Ich habe auf diesen Punkt schließlich jahrelang hingearbeitet. Es war für mich eine schöne Bestätigung und hat mir gezeigt, dass sich das harte Training auszahlt."
Sechs Wochen lang und bis zu sieben Stunden täglich hatte sie vor ihrem Abflug ans andere Ende der Welt in der Academy der früheren Davis-Cup-Spieler Alexander Waske und Rainer Schüttler in Offenbach geschuftet.
Am Samstag und Sonntag wird die Anspannung bei Gelegenheits-Kolumnistin Petkovic im Erstrundenspiel der Weltgruppe II in Maribor gegen Slowenien wieder ähnlich groß sein wie in Melbourne. "Ich glaube, dass der Druck im Fed Cup nur noch mit dem in den Endphasen eines Grand-Slam-Tunriers zu vergleichen ist." Petkovic weiß davon ein (Klage-)Lied zu singen. Bei ihrem Debüt vor genau einem Jahr in Tschechien verlor sie beide Einzel. "Ich hatte total versagt und war eine Woche lang in einer Depression."
Doch Petkovic macht dieselben Fehler selten zweimal und lernt schnell. "Sie ist nach bitteren Niederlagen immer stark zurückgekommen. Das zeichnet sie aus", sagt Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner über ihre Topspielerin, die neben Julia Görges (Bad Oldesloe/WTA-Rang 34) die Einzel bestreitet. Zudem gehören Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) und Tatjana Malek (Bad Saulgau) dem Team an.
Deutschland war 2010 durch eine Play-off-Niederlage gegen Frankreich (2:3) aus der ersten Liga abgestiegen. Im Fall eines Sieges gegen Slowenien würde die Rittner-Equipe im April um die Rückkehr in die Weltgruppe I spielen. Petkovic jedenfalls hat mit der DTB-Mannschaft noch große Ziele. "Langfristig gesehen bin ich überzeugt, dass wir die Chance haben, den gesamten Wettbewerb zu gewinnen", meinte die Hessin. Noch ist es ein Traum, der vielleicht bald wahr wird.
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