Letzte Deutsche bei den US Open: Petkovic tanzt ins Rampenlicht
zuletzt aktualisiert: 06.09.2010 - 13:49New York (RPO). Ob letztlich ihr kultiger Indie-Punk-Tanz oder der überraschende Achtelfinaleinzug bei den US Open der Auslöser war: Andrea Petkovic weiß es nicht - und es ist ihr auch egal. Die deutsche Hoffnungsträgerin staunte aber nicht schlecht, als Superstar Venus Williams in der Umkleidekabine auf sie zusteuerte und ein paar nette Worte mit der Darmstädterin wechselte.
"Venus hatte vorher noch nie mit mir geredet", sagt Petkovic über die Begegnung der ersten Art mit der charismatischen US-Amerikanerin, die ihr einen "great job" bescheinigte.
Nach ihrem Coup von Flushing Meadows scheint Petkovic angekommen zu sein im Konzert der Großen. Kein Wunder, dass die Fed-Cup-Spielerin erste Maßnahmen ergreift, um nach ihrem kampflosen Sieg gegen die verletzte Chinesin Peng Shuai und vor ihrem nächsten Spiel gegen Wera Swonarewa (Russland) dem möglichen Rummel zu entfliehen.
"Ich werde auf dem Boden bleiben"
Die ersten Schulterklopfer jedenfalls hat es schon gegeben. "Ich mache die meiste Zeit das Handy aus und checke nur einmal am Tag meine E-Mails", sagt die Weltranglisten-38. Petkovic, die bei sich aber keine Gefahr für mögliche Allüren sieht: "Ich werde auf dem Boden bleiben und nicht mit dem Kopf in den Wolken schweben."
Dazu hat die deutsche Meisterin trotz ihrer 22 Jahre auch schon zu viel erlebt. Vor zwei Jahren verpasste "Petko" wegen eines Kreuzbandrisses fast die gesamte Saison 2008 und fiel bis auf Platz 380 zurück. Inzwischen genießt sie die bislang erfolgreichste Phase ihrer Karriere. Und erarbeitet sich auch im Kreise der anderen Profis immer größeren Respekt.
Beeindruckende Tanzeinlage
Der emotionalen Petkovic fällt es nicht schwer, auf und abseits des Platzes für Farbtupfer im oft eindimensionalen Profi-Zirkus zu sorgen. "Wir sind ja auch in erster Linie Entertainer. Die Leute bezahlen, um uns zu sehen und unterhalten zu werden."
Der Horizont der Einser-Abiturientin, die die elfte Klasse übersprang, endet eben nicht an der Grundlinie. In den Tagen von New York liest sie "Der lange Weg zur Freiheit" von Nelson Mandela und Fontanes "Effi Briest". "Ich versuche mich nicht nur als Tennisspielerin weiterzuentwickeln, sondern auch als Persönlichkeit Andrea Petkovic mit vielen Facetten", sagt die Politikstudentin, die auch mal mit mutigen Ansagen für Aufsehen sorgt.
"Das war eine Provokation"
Vor ein paar Jahren kündigte sie an, Angela Merkel ablösen zu wollen. "Das mit der Kanzlerin", meint Petkovic und schmunzelt, "das war eine Provokation." Trotzdem plant sie bereits die Zeit nach der Karriere. "Ich möchte mein Studium irgendwann beenden. Danach ist alles möglich: Master-Abschluss oder Journalistenschule."
Kraft holt sich Musik-Freak Petkovic im Kreise ihrer Freunde, die nichts mit dem Tennis zu tun haben. Vor ein paar Jahren war sie nach einer 0:6, 0:6-Niederlage verspätet zum Grillfest gekommen. "Da hat mich einer meiner besten Freunde gefragt, wie ich gespielt habe. Ich meinte Null-Null. Da sagte er, 'ich denke im Tennis gibt es keine Unentschieden'", erzählt die US-Open-Achtelfinalistin - und kann sich kaum halten vor Lachen.
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