Nach Wimbledon-Sieg: Petzschner hat das Zeug zum Star
zuletzt aktualisiert: 21.07.2010 - 14:57Hamburg (RPO). Nach dem Training noch ein Autogramm. Und ein Foto. Geduldig warten ein paar Fans auf der Anlage am Hamburger Rothenbaum, bis Philipp Petzschner und Jürgen Melzer ihre Arbeit getan haben. Dann muss Petzschner lächeln. Er erfüllt geduldig alle Fotowünsche. Doch so ein Wimbledonsieg bringt nicht nur Fans: Sogar eine Einladung ins ZDF-Sportstudio kann folgen. Wie vergangenen Samstag.
Bei den German Open in Hamburg traten beide am Dienstag in der ersten Runde des Doppels gegen Simon Aspelin/Paul Hanley (Schweden/Australien) auf dem eigentlich viel zu kleinen und überfüllten Nebenplatz drei an und unterlagen den Titelverteidigern nach einem dramatischen Match mit 7:5, 4:6, 6:10 im Champions Tiebreak.
Am Mittwoch greift Petzschner gegen den Franzosen Jeremy Chardy auch im Einzel in das mit einer Million Euro Preisgeld dotierte Traditionsturnier ein. Der Hoffnungsträger für Turnierdirektor Michael Stich und in seiner aktuellen Form wohl der beste deutsche Tennisprofi.
"Ich bin nah dran an den Top-20-Leuten", sagt Petzschner: "Ich habe noch nie so viele Matches wie in diesem Jahr gewonnen. Das Problem ist, dass der Ausreißer nach oben fehlt." Diesen einen Sieg halt, den Paukenschlag, den braucht s noch. Wie in Wimbledon, als er in der dritten Runde den späteren Champion Rafael Nadal am Haken hatte, aber doch in fünf Sätzen unterlag. "Irgendwann ist so einer mal fällig", sagt "Petzsche". Platz 37 in der Weltrangliste muss noch lange nicht das Ende sein.
Sein Aufschlag, sein Ballgefühl, Spielverständnis und seine Leichtfüßigkeit bieten beste Voraussetzungen für einen Durchbruch nach ganz oben. Sein Kumpel Jürgen Melzer ist da das beste Vorbild. Der French-Open-Halbfinalist hat im reifen Tennisalter von 29 Jahren Platz 15 der Weltrangliste erreicht: "Ich habe mir seit zwei Jahren ein Super-Umfeld geschaffen und arbeite jetzt absolut professionell."
Petzschner scheint auf einem ähnlichen Weg, den Fitnesstrainer teilen sich beide schon. "Ich habe Tennis früher oft in die zweite, dritte Reihe gestellt", sagt Petzschner. Das ist nun vorbei. "Er spielt das beste Jahr seiner Karriere, ich traue ihm mehr zu, als seine derzeitige Ranking-Position", sagt Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen: "Wenn er gut drauf ist, kann er auch in Hamburg weit kommen. "
Kühnen selbst allerdings muss beim Davis-Cup-Relegationsspiel vom 17. bis 19. September in Stuttgart gegen Südafrika auf Petzschner verzichten. Auch in der Erstrundenpartie gegen Frankreich war er nicht dabei. Davis Cup passte nicht in die Turnierplanung, das hatte "Petzsche" dem Deutschen Tennis Bund schon frühzeitig mitgeteilt und deshalb auch die Vereinbarung mit der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) nicht unterschrieben, die für Einsätze in einer "Nationalmannschaft" zwingend vorgeschrieben ist.
"Ich unterliege den Doping-Kontrollen der ITF und ATP weltweit, du wirst kontinuierlich auf Turnieren getestet", sagte Petzschner im ZDF. Bei der NADA-Vereinbarung dagegen muss ein Athlet auch noch angeben, wann er wo täglich erreichbar ist. Das nervt viele Sportler, die aber nicht die Möglichkeit haben, diese Auflage zu umgehen. Petzschner aber ist auch da konsequent: "In Deutschland versuchen sie, noch so ein paar kleine Hindernisse in den Weg zu legen", meinte Petzschner: "Und denen gehe ich aus dem Weg."
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