Tennis in Hamburg: Reister sorgt für nächsten Coup
zuletzt aktualisiert: 21.07.2010 - 17:46Hamburg (RPO). Julian Reister hat seinen Worten tatsächlich Taten folgen lassen, die Ankündigungen von Philipp Petzschner dagegen entpuppten sich als leere Versprechungen: Während der Hamburger Lokalmatador seinen überraschenden Erfolgsweg bei den German Open in der Hansestadt durch einen 7:6 (7:4), 6:4-Erfolg gegen Victor Hanescu (Rumänien) zunächst bis ins Achtelfinale fortsetzte, scheiterte Hoffnungsträger Petzschner einen Tag nach seinem Aus im Doppel auch in der Einzelkonkurrenz und überschattete damit Reisters Erfolg.
Bei der 3:6, 3:6-Niederlage gegen den Franzosen Jeremy Chardy hatte der 26-Jährige nie eine Chance. Michael Berrer unterlag bereits am Mittag ebenfalls in der zweiten Runde dem Italiener Andreas Seppi mit 2:6, 6:7 (4:7) und musste damit seine siebte Auftaktniederlage hintereinander hinnehmen. Von elf gestarteten Deutschen hatten bis zu dahin also nur zwei die zweite Runde überstanden. Am Abend konnte allerdings Philipp Kohlschreiber noch Reister und Florian Mayer folgen.
Petzschner gab gleich erstes Aufschlagspiel zum 0:2 ab und damit praktisch den ersten Satz, im zweiten Durchgang gab es das entscheidende Break zum 3:4 und dann noch eines zum 3:6. Chardy spielte absolut solide, Petzschner dagegen konnte nie seine spielerische Klasse zeigen, mit der er in Wimbledon noch Doppelsieger wurde und Rafael Nadal am Rande einer Niederlage hatte.
"Ich möchte hier natürlich ins Viertel- oder Halbfinale kommen", hatte der Weltranglisten-37. angekündigt, wusste aber auch: "Ich habe eine schwere Auslosung." Unglücklicherweise für den Bayreuther hatte der unberechenbare Chardy einen seiner besseren Tage. "Wenn er so aufschlägt, hat man keine Chance, ins Spiel zu finden. Ich bin ja kaum an den Ball gekommen", sagte Petzschner, "ich hatte Lust und war voll motiviert, aber wenn einer einen guten Tag hat und einer einen schlechten, gewinnt der, der den guten Tag hat."
Einen glänzenden Tag hatte dagegen Julian Reister. "Ich glaube, dass ich auch gegen Victor Hanescu eine gute Chance habe", kündigte der 121. der Weltrangliste am Dienstag an. Am Mittwoch zog er dann durch einen ganz starken Auftritt tatsächlich ins Achtelfinale der der mit 1,115 Millionen Euro dotierten Veranstaltung ein, in der er auf den Rumänen Denis Istomin trifft. "Ich bin überglücklich. Einen Top-50-Spieler geschlagen zu haben, gibt immer Selbstvertrauen", strahlte der Blondschopf.
Mit einem Vorhand-Passierball nach 98 Minuten Spielzeit nutzte Reister seinen zweiten Matchball gegen den 43. der Weltrangliste und riss anschließend jubelnd beide Arme hoch. Die etwa 5000 Zuschauer auf dem Centre Court feierten "ihren" Spieler euphorisch. "Ich bin zur Zeit richtig gut drauf und habe mir zugetraut, ihn zu schlagen", sagte Reister, "ich habe seit den French Open ungemein an Erfahrung gewonnen und mich an das Spielen auf großen Plätzen gewöhnt."
In Paris hatte sich der Norddeutsche aus der Qualifikation bis in die dritte Runde vorgespielt, wo er erst an dem übermächtigen Roger Federer scheiterte. Das war der Durchbruch für den 24-Jährigen, der insbesondere mit einem starken Aufschlag und seiner Rückhand überzeugt. "Vom Kopf her weiß ich jetzt, dass ich die Besten schlagen kann", meinte er.
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