Andrea Petkovic ist verletzt: Ruhe und Reha statt Moonwalk und Matchball
zuletzt aktualisiert: 11.01.2012 - 13:09Düsseldorf (RPO). Rückschlag für Andrea Petkovic und das deutsche Fed-Cup-Team: Wegen eines Ermüdungsbruches im unteren Rückenbereich muss die Weltranglistenzehnte auf die Teilnahme an den Australian Open verzichten. Die Ärzte raten zu sechs bis acht Wochen Pause.
Andrea Petkovic hat vorläufig ausgetanzt. Absage bei den Australian Open, mindestens sechs bis acht Wochen Pause, kein Fed Cup, voraussichtlich auch keine US-Frühjahrstour – ein Ermüdungsbruch im Iliosakralgelenk (ISG) im unteren Rückenbereich zieht Deutschlands beste Tennisspielerin auf unabsehbare Zeit aus dem Verkehr.
"Ich bin sehr, sehr traurig"
"Ich bin sehr, sehr traurig", sagte Petkovic am Mittwoch: "Alles, was ich im Moment tun kann, ist Ruhe bewahren und hoffen, dass der Knochen so schnell wie möglich heilt."
Das Unheil hatte sich bei der Zweisatz-Niederlage gegen die Polin Agnieszka Radwanska am Dienstag in Sydney angedeutet. Flach auf dem Bauch liegend, ließ sich Petkovic immer wieder von einer Physiotherapeutin am Rücken behandeln, sie spielte deutlich unter ihren Möglichkeiten, bewegte sich schwerfällig, verzog immer wieder das Gesicht. "Ich habe diese Probleme schon seit drei, vier Monaten", sagte die 24-jährige Darmstädterin: "In den letzten beiden Wochen ist es aber so schlimm geworden, dass ich immer nur 30 bis maximal 45 Minuten schmerzfrei Tennis spielen konnte."
Ein MRT in Sydney ergab schließlich die niederschmetternde Diagnose, die Andrea Petkovic auf ihrem Weg nach oben empfindlich zurückwerfen wird. Viele Punkte hat die Weltranglistenzehnte in den nächsten Wochen zu verteidigen, in Melbourne war sie 2011 im Viertelfinale, beim US-Hartplatzklassiker im März in Miami sogar im Halbfinale. Dazwischen lagen ein Viertelfinale beim Hallenturnier in Paris, die zweite Runde in Dubai und die dritte Runde in Indian Wells.
Stressfraktur:
Stressfrakturen, auch Ermüdungsbrüche genannt, kommen vor allem bei Leistungssportlern vor. Aktuell Betroffene sind Tennisspielerin Andrea Petkovic und Bob-Pilot Thomas Florschütz.
Die Stressfrakturen werden häufig recht spät erkannt, obwohl sich Vorstadien mit modernen Methoden gut erkennen lassen, da die Betroffenen oft nur unter Belastung Schmerzen verspüren.
Stressfrakturen entstehen vor allem bei sich ständig wiederholender sehr starker Belastung. Die anhaltende Überlastung verursacht im Knochengewebe feine Risse und Brüche, sogenannte Mikrofrakturen. Der Körper gleicht diese mit vermehrter Bildung von Knochensubstanz aus. Hält die Überlastung an, lässt dieser Prozess ständigen Knochengewebsauf- und abbaus den Knochen schließlich brechen. Fehlstellungen - etwa des Fußes - begünstigen Stressfrakturen.
Meist haben Stressfrakturen eine längere Trainingspause des Sportlers zur Folge. Nicht immer ist ein operativer Eingriff nötig, oft genügt es, den betroffenen Knochen ruhig zu stellen - etwa mit einem Stützverband. Es kann bis zu einem halben Jahr dauern, bis die volle Leistungsfähigkeit wieder erreicht ist.
Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner hatte die Hiobsbotschaft bereits am Dienstag aus erster Hand erfahren. "Andrea hat mir geschrieben, weil sie wollte, dass ich es von ihr höre", sagte Rittner dem SID. Sie fürchtet, dass Petkovic in der Tat wenigstens sechs bis acht Wochen pausieren muss: "Und wenn man dann wieder anfängt, braucht man normalerweise nochmal vier Wochen, um das alte Leistungsniveau wieder zu erreichen."
Petkovic braucht Geduld
In diesem Fall würde Petkovic frühestens zur europäischen Sandplatzsaison im April auf die Tour zurückkehren, um auf dem Weg nach Wimbledon die dann dringend erforderliche Matchpraxis zu sammeln. Sie selbst sagt aber auch: "Mit dieser Art Verletzung macht man lieber eine Woche mehr Pause als einen Tag früher wieder anzufangen. Ich muss mich wirklich zwingen, Geduld zu bewahren."
Die gehört allerdings nicht gerade zu ihren Stärken, schon bei ihren Knieproblemen im Oktober 2011 weigerte sie sich beharrlich, die von allen Seiten empfohlene Pause einzulegen und reiste auch noch als Ersatzspielerin zum WTA-Masters nach Istanbul. In der Vorbereitung auf die Saison 2012 trainierte Petkovic dann knüppelhart in der Offenbacher Tennis-University von Alexander Waske und Rainer Schüttler, um topfit in das Jahr zu starten.
Görges ist schlapp und müde
Ihre Verletzung ist denn auch eine Folge dauerhaft hoher Belastung. "Gerade bei einem Tennisspieler sitzt der ganze Druck auf dieser Stelle", sagt Barbara Rittner, die es einfach "unfair" findet, dass "Andrea jetzt für ihren Fleiß und ihre Arbeit so hart bestraft wird". Sie muss auf unabsehbare Zeit auf ihre Nummer eins verzichten und weiß außerdem auch nicht so genau, ob Julia Görges rechtzeitig für Melbourne und den Fed Cup wieder fit wird: "Sie fühlt sich halt immer noch schlapp und müde."
Und so könnte das nominell beste Fed-Cup-Team der Welt beim Auftakt im Februar gegen Titelverteidiger Tschechien plötzlich nur noch mit halber Kraft dastehen. Sabine Lisicki, Angelique Kerber, Mona Barthel und für das Doppel Anna-Lena Grönefeld wären bei einem Ausfall von Petkovic und Görges aller Voraussicht nach die Protagonistinnen in Stuttgart. "Auch nicht ganz schlecht, oder?", fragt Rittner. Gewiss nicht, und für eine junge Spielerin wie Mona Barthel außerdem eine ganz große Chance.
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