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Daviscup-Halbfinale: Russland vertagt die Entscheidung

zuletzt aktualisiert: 23.09.2007 - 14:17

Moskau (RPO). Weil Deutschlands Tennis-Star Tommy Haas erkrankte, musste im Daviscup-Team Newcomer Philipp Petzschner ran. Der 23 Jahre Bayreuther unterlag Michael Juschni aber mit 4:6, 4:6, 6:3, 3:6. Russland glich im Halbfinale zum 2:2 aus. Damit wird die Entscheidung im abschließenden Einzel zwischen Philipp Kohlschreiber und Igor Andrejew fallen.

Der 23 Jahre alte Newcomer Petzschner musste vor nur 4000 Zuschauern in der gigantischen Olympiahalle vor allem der größeren Erfahrung des Weltranglisten-17. Juschni Tribut zollen.

"Ich habe alles probiert, aber es war spielerisch nicht gut. Ich habe leider nicht das gezeigt, was ich kann", sagte Petzschner: "Nach dem Doppel war irgendwie der Druck bei mir raus." Erst am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr hatte Petzschner von Kapitän Patrik Kühnen erfahren, dass er anstelle des an einem Magen-Darm-Virus erkrankten Tommy Haas im Einzel antreten musste.

Haas feuerte seinen jungen Kollegen von der Box aus an: "Es ist natürlich für mich persönlich sehr bitter, dass ich nicht spielen kann, aber ein angeschlagener und schwacher Tommy Haas hat auf dem Platz nichts zu suchen", sagte die deutsche Nummer eins.

Petzschner war von der Nachricht zunächst geschockt. "Ich habe gedacht 'scheiße'. Ich hatte volles Vertrauen in Tommy und Philipp", meinte der 23-Jährige, der einen "Riesenfehler" einräumte: "Am Samstag dachte ich, es ist geil, für Deutschland zu spielen. Heute habe ich nachgedacht, was passiert, wenn ich verliere oder gewinne. Ich muss lernen, mit diesen Drucksituationen umzugehen."

Das deutsche Team strebte in der russischen Hauptstadt die erste Teilnahme an einem Davis-Cup-Finale seit dem Triumph gegen Australien 1993 an. Außerdem wäre ein Auswärtssieg in der Olympiahalle eine späte Revanche für die traumatische 2: 3-Niederlage im Halbfinale 1995 an gleicher Stelle, als Michael Stich neun Matchbälle vergab.

Juschni entfacht Begeisterung im Publikum

Am Samstag hatte Petzschner noch an der Seite von Alexander Waske im Doppel eine grandiose Leistung geboten und durch den 6:3, 3:6, 7:6 (7:5), 7:6 (7:5)-Erfolg gegen Juschni/Dimitri Tursunow in einem dramatischen Match Deutschland überraschend mit 2:1 in Führung gebracht. "Er ist ein Siegertyp, ein Spieler für die großen Matches", meinte Kühnen über seine Neuentdeckung aus Bayreuth.

Während ihm am Samstag noch fast alles gelang, unterliefen Petzschner im Einzel zunächst zahlreiche unerzwungene Fehler. Er versuchte häufig, mit seiner starken Vorhand direkte Punkte zu erzielen, und "schoss" dabei ein ums andere Mal ins Aus oder ins Netz. Auch sein starker erster Aufschlag kam zu selten.

Juschni, der im Davis Cup vorher bereits fünf von sieben Einzeln auf Sandplatz gewonnen hatte, griff zudem immer wieder über die schwächere Rückhand des Deutschen an.

Der Russe brachte mit seinen Gesten im Gegensatz zum eher lethargisch wirkenden Dawydenko von Anfang an das Publikum auf seine Seite. Mit geballter Faust, kleinen Freudensprüngen und Aufforderungen an die Fans sorgte er erstmals für die von den Deutschen zuvor gefürchtete Hexenkessel-Atmosphäre.

Petzschner bleibt nur der "Ehrensatz"

Auch damit hatte Petzschner zu kämpfen, seine Aufschlagfehler wurden beklatscht, teilweise wurde er durch verfrühten Jubel auch während der Ballwechsel in seiner Konzentration auf den nächsten Schlag gestört.

Erst im dritten Satz fand Petzschner besser in sein Spiel, während Juschni nun nicht mehr ganz so zwingend wie in den ersten beiden Durchgängen agierte. Nach einem Break zum 3:1 gelang Petzschner wenigstens der verdiente "Ehrensatz".

Kapitän Kühnen und das gesamte Team in der Box feuerten den Neuling pausenlos an, am Ende aber konnte er trotz einer couragierten Leistung und großem Kampfgeist den deutschen Traum vom vorzeitigen Finaleinzug gegen die USA oder Schweden nicht erfüllen.

Quelle: sid

 
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