US Open: Starker Greul chancenlos gegen Federer
zuletzt aktualisiert: 03.09.2009 - 09:56New York (RPO). Während Simon Greul im US-Open-Duell mit Überflieger Roger Federer vergeblich nach den Sternen griff, träumte der angehende Tennis-Rentner Marat Safin bereits von der Besteigung des Mount Everest. Der frühere Weltranglistenerste aus Russland nahm nach seinem Erstrunden-Aus in New York Abschied von der großen Tennis-Bühne. "Es ist das Ende, ich habe genug. Jetzt freue ich mich auf eine neue Phase", sagte der 29-jährige Safin.
Greul verpasste beim 3:6, 5:7, 5:7 im Zweitrunden-Match gegen Titelverteidiger Federer (Schweiz) eine Überraschung. Der Weltranglisten-65. aus Stuttgart verkaufte sich vor 22.000 Zuschauern immerhin teuer. Im dritten Durchgang lag Greul bereits mit 4:1 und 5:4 in Führung, nachdem er im zweiten zwei Satzbälle vergeben hatte. "Am Anfang war ich nervös. Aber mit etwas Glück hätte ich einen Satz gewinnen können", sagte der 28-Jährige: "Natürlich ist Federer sehr gut, aber auch er macht Fehler. Das macht ihn menschlich."
Zuvor hatte Philipp Petzschner durch ein 7:6 (7:3), 6:7 (6:8), 6:4, 4:6, 6:3 gegen Sergei Stachowski (Ukraine) die zweite Runde erreicht. Dort trifft der Weltranglisten-39. aus Bayreuth am Freitag auf den einstigen French-Open-Gewinner Juan Carlos Ferrero (Spanien). "Ich bin gut drauf und habe nichts zu verlieren", sagte "Petzsche". Qualifikantin Angelique Kerber (Kiel) ist dagegen bereits an ihrer zweiten Turnierhürde gescheitert. Die 21-jährige Linkshänderin verlor 5:7, 3:6 gegen Maria Jose Martinez Sanchez (Spanien).
Safin wirkte nach seiner Abschiedsvorstellung auf großer Bühne eher befreit als enttäuscht. "Niederlagen spielen für mich keine Rolle mehr", sagte der Wahl-Monegasse nach dem 6:1, 4:6, 3:6, 4:6 gegen Jürgen Melzer (Österreich). Noch fünf Turniere will Safin spielen, dann ist endgültig Schluss - der Profizirkus verliert einen weiteren charismatischen Spieler.
Noch ein letztes Mal hatte sich Safin im Louis-Armstrong-Stadium feiern lassen, gedanklich war er nach zwölf Jahren auf der Tour aber bereits in einem neuen Leben. "Ich werde Dinge tun, die absolut nichts mit Schlägern und Bällen zu tun haben. Ich werde auch auf keinen Fall als Experte im Fernsehen über Tennis quatschen", sagte Safin.
Dabei scheint es für den US-Open-Sieger von 2000 keine Grenzen nach oben zu geben. "Auf dem Mount Everest muss die Aussicht unglaublich sein", hatte Safin unlängst geschwärmt. Im September 2007 hatte er bereits Teile des Cho Oyu im Himalaya bestiegen.
Seine geschätzte Spontanität will sich Safin aber auch im Tennis-Ruhestand bewahren. Wie einst in Melbourne: Vor seinem Finale bei den Australian Open 2002 tauchten in Safins Box plötzlich zwei Blondinen im Minirock auf. Safin hatte sie kurz vorher in der Stadt aufgegabelt. "Ich bereue nichts und würde alles wieder so machen", sagte er über sein Flegel-Image, zeigte aber auch Gefühle: "Ich bin stolz auf mich. Ich habe meinen Weg gemacht, auch ohne reiche Eltern."
Fünf Jahre nach Flushing Meadows hatte Safin 2005 die Australian Open gewonnen, insgesamt holte er 15 ATP-Titel. Neben dem Rechtshänder, dessen Schwester Dinara derzeit die WTA-Weltrangliste anführt, verabschiedete sich in New York auch Fabrice Santoro von der Grand-Slam-Bühne. Der 36-jährige Franzose verlor gegen Juan Carlos Ferrero (Spanien).
Bei den Frauen gab sich Titelverteidigerin Serena Williams (USA) beim 6:1, 6:1 gegen Melinda Czink (Ungarn) keine Blöße und zog in die dritte Runde ein. Auch Kim Clijsters blieb bei ihrem Comeback nach zweieinhalbjähriger Grand-Slam-Abstinenz in der Erfolgsspur. Die Belgierin gewann 5:7, 6:1, 6:2 gegen die an 14 gesetzte Marion Bartoli (Frankreich).
US Open in New York (21,6 Millionen Dollar), 3. Spieltag:
Herren-Einzel, 1. Runde: Philipp Petzschner (Bayreuth) - Sergej Stachowski (Ukraine) 7:6 (7:3), 6:7 (6:8), 6:4, 4:6, 6:3, Rafael Nadal (Spanien/Nr. 3) - Richard Gasquet (Frankreich) 6:2, 6: 2, 6:3, Juan Martin Del Potro (Argentinien/Nr. 6) - Juan Monaco (Argentinien) 6:3, 6:3, 6:1, Gilles Simon (Frankreich/Nr. 9) - Daniel Gimeno (Spanien) 6:4, 7:6 (7:3), 6:3, David Ferrer (Spanien/Nr. 18) - Alberto Martin (Spanien) 7:5, 5:7, 6:3, 6:3, Nicolas Almagro (Spanien/Nr. 32) - Stece Darcis (Belgien) 6:2, 6:4, 2:6, 7:6 (10:8), Robby Ginepri (USA) - Andrei Pavel (Rumänien) 5:7, 6:2, 6:4, 6:0, Daniel Köllerer (Österreich) - Rui Machado (Portugal) 6:2, 6:4, 2:6, 6:2, Jose Acasuso (Argentinien) - Marcos Daniel (Brasilien) 6:2, 6:4, 6:3, Thomaz Bellucci (Brasilien) - Lu Yen-Hsun (Taiwan) 6:4, 6:2, 6:3, Pablo Cuevas (Uruguay) - Chris Guccione (Australien) 6:4, 7:6 (7:4), 6:0
2. Runde: Roger Federer (Schweiz/Nr. 1) - Simon Greul (Stuttgart) 6:3, 7:5, 7:5, Lleyton Hewitt (Australien/Nr. 31) - Juan Ignacio Chela (Argentinien) 6:3, 6:3, 6:4
Damen-Einzel, 2. Runde: Maria Jose Martinez Sanchez (Spanien) - Angelique Kerber (Kiel) 7:5, 6:3, Serena Williams (USA/Nr. 2) - Melinda Czink (Ungarn) 6:1, 6:1, Kim Clijsters (Belgien) - Marion Bartoli (Frankreich/Nr. 14) 5:7, 6:1, 6:2, Vania King (USA) - Samantha Stosur (Australien/Nr. 15) 7:5, 6:4, Daniele Hantuchova (Slowakei/Nr. 22) - Timea Bacsinszky (Schweiz) 5:7, 6:2, 6:1
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