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Nun geht es gegen Gonzalez: Tommy Haas zieht ins Halbfinale ein

zuletzt aktualisiert: 24.01.2007 - 13:15

Melbourne (RPO). Tommy Haas ist bei den Australian Open nach hartem Kampf ins Halbfinale eingezogen. Der Deutsche bezwang in fünf Sätzen den Russen Nikolai Dawydenko und wehrte sogar einen Matchball gegen sich ab. Mit 6:3, 2:6, 1:6, 6:1 und 7:5 setzte sich Haas durch und trifft nun auf den Chilenen Fernando Gonzalez.

Zwischen Genie und Wahnsinn ist Tommy Haas zum dritten Mal in das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers eingezogen. Beim 6:3, 2:6, 1:6, 6:1, 7:5 über den Russen Nikolaj Dawydenko wandelte der gebürtige Hamburger mehrmals am Abgrund, wehrte gar einen Matchball ab, spielte großartige Bälle und brachte sich schließlich selbst mit einer nie gehörten Schimpftirade wieder auf die Siegerstraße.

Nach insgesamt 3:19 Stunden eines spannenden Matches konnte er einen der größten Erfolge seiner langen Karriere feiern. "Das ist einer meiner schönsten Momente", sagte Haas: "Als beim Matchball der Ball von Nikolaj ins Aus ging, da habe ich nur gedacht: Geil."

Am Freitag hat der 28-Jährige acht Jahre nach seiner ersten Halbfinalteilnahme bei den Australian Open 1999 und dem Scheitern im Semifinale 2002 ebenfalls in Melbourne nun erneut die Chance, sich seinen Traum vom Grand-Slam-Finale doch noch zu erfüllen. "Das war einer meiner größten Siege, ohne Zweifel, ein super, super Gefühl", meinte der Wahl-Amerikaner: "Hier nach acht Jahren wieder im Halbfinale zu stehen, ist einfach großartig."

Dabei ist Fernando Gonzalez (Chile) sein Gegner, der nach den vorherigen Leistungen nicht überraschend den Weltranglisten-Zweiten Rafael Nadal 6:2, 6:4, 6:3 bezwang. Gegen den Weltranglisten-Neunten hat Haas erst einmal 2004 auf Sand gespielt und verloren. "Fernando spielt großartig, er hat einen fiesen Aufschlag, bewegt sich gut und schlägt eine knallharte Vorhand", meint Haas: "Aber wenn ich abrufe, was ich kann, wird es für jeden Gegner schwer, mich zu schlagen."

So wie für Dawydenko im ersten Satz, als Haas voller Selbstvertrauen und Sicherheit loslegte und ungefährdet in Führung ging. Doch Dawydenko wurde schließlich sicherer und Haas verlor unverständlicherweise völlig den Faden. "Ich habe mich nicht wohlgefühlt, habe mein Spiel nicht mehr gefunden, und Dawydenko hat auf alles eine Antwort gefunden", sagte Haas, der auch leichte Probleme mit den Augen und einer Oberschenkel-Verhärtung hatte: "Ich habe etwas den Kopf verloren, gegen Topspieler darf man sich eigentlich solche Aussetzer nicht erlauben."

Doch die Geschichte von Dr. Haas und Mister Hyde ging da gerade erst los. Der Böse sollte nicht die Oberhand gewinnen, und so ließ Haas im vierten Satz nach einem Rebreak von Dawydenko zum 2: 1 in der Wechselpause eine Selbstbeschimpfung los, wie sie wohl noch nie von Mikrofonen bei einem Turnier eingefangen wurde: "Ich kann es nicht, so kann ich nicht gewinnen, ich habe keinen Bock mehr, wofür mache ich das eigentlich, nur damit ich mich aufrege. Ich bezahle Leute für nichts." Dawydenko meinte nur: "Ich dachte, er ist verrückt geworden."

Aber dann stand Haas auf, sagte zu sich: "Fighten, kämpfen, du gewinnst es jetzt." Danach war er wieder der Alte aus dem ersten Satz: "Ich habe keine Ahnung, was ich gesagt habe, ich kann meine Emotionen nicht immer so gut kontrollieren." Aber es hat geholfen. Keinesfalls wollte er aufgeben, hatte ja auch noch die alte Rechnung mit Dawydenko aus dem Viertelfinale bei den US Open offen, als er in fünf Sätzen verlor: "Diese Niederlage habe ich einige Wochen mit mir getragen. Ich bin froh, dass ich diese Rechnung begleichen konnte."

Haas ist inzwischen bewusst, dass er im Herbst seiner Karriere ist. Die großen Chancen kommen nicht mehr so oft. "Ich nehme solche Matches jetzt viel wichtiger als vor ein paar Jahren." So hat er es geschafft, auch bei den stets bedrohlichen Situationen im letzten Satz die innere Ruhe zu bewahren. Ein Break zum 1:3 lag er hinten, schaffte prompt das Rebreak. Bei 4:5 schlug er zwei Doppelfehler, und Dawydenko hatte Matchball. Aber ausgerechnet da verlor die 25 Jahre alte "Ballmaschine" die Geduld und hämmerte einen Return voller Wucht ins Netz. "Das war unglaublich dumm von mir", sagte Dawydenko geknickt.

US-Open-Siegerin Maria Scharapowa (Russland) und die Belgierin Kim Clijsters stehen sich am Donnerstag im Halbfinale der Damen gegenüber. Die topgesetzte Scharapowa bezwang im Viertelfinale Anna Tschakwetadse (Russland) 7:6 (7:5), 7:5. Anschließend setzte sich Clijsters gegen die Schweizerin Martina Hingis 3:6, 6:4, 6:3 durch. Das erste Semifinale am Donnerstag betreiten ab 3.30 Uhr deutscher Zeit Serena Williams (USA) und die Tschechin Nicole Vaidisova.

Auch die Russin Maria Scharapowa ist im Halbfinale. Die topgesetzte Scharapowa bezwang im Viertelfinale Anna Tschakwetadse (Russland) in einem schwachen Spiel 7:6 (7:5), 7:5. Anschließend setzte sich Clijsters (Nr. 3) gegen die Schweizerin Martina Hingis 3:6, 6:4, 6:3 durch. Im direkten Vergleich führt Clijsters gegen Scharapowa mit 4:2 Siegen.

Das erste Halbfinale am Donnerstag bestreiten ab 3.30 Uhr deutscher Zeit Serena Williams (USA) und die Tschechin Nicole Vaidisova. Beide waren bereits am Dienstag ins Semifinale eingezogen.

Beide Viertelfinalspiele boten nur ein schwaches Niveau. Scharapowa schlug allein 41 unerzwungene Fehler und kam nur deshalb weiter, weil ihre 19 Jahre alte Gegnerin zahlreiche Chancen nicht nutzen konnte.

Der Tiefpunkt der Partie war der Tiebreak, als nur einer von 12 Punkten bei eigenen Aufschlag gewonnen werden konnte. Auch dabei profitierte Scharapowa von einem Fehler, als Tschakwetadse einen einfachen Vorhand-Volley verschlug.

Nicht viel besser war das mit Spannung erwartete Match zwischen der dreimaligen Australian-Open-Siegerin Martina Hingis und Kim Clijsters, die am Ende der Saison ihre Laufbahn beenden will. Clijsters unterliefen dabei 62 Fehler, dennoch konnte sie die Partie dank 47 Winnern nach 2:03 Stunden für sich entscheiden.

Die 23-Jährige steht zum elften Mal in ihrer Karriere im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. Hingis verpasste auch bei ihrem fünften Major-Turnier seit dem Comeback vor einem Jahr den Einzug in die Runde der letzten Vier.


95. Australian Open in Melbourne (14,9 Millionen US-Dollar), 9. Spieltag:

Herreneinzel, Viertelfinale:
Tommy Haas (Sarasota/Nr. 12) - Nikolaj Dawydenko (Russland/Nr. 3) 6:3, 2:6, 1:6, 6:1, 7:5, Fernando Gonzalez (Chile/Nr. 10) - Rafael Nadal (Spanien/Nr. 2) 6: 2, 6:4, 6:3

Damit im Halbfinale:
Roger Federer - Andy Roddick
Tommy Haas - Fernando Gonzaelz

Dameneinzel, Viertelfinale:

Maria Scharapowa (Russland/Nr. 1) - Anna Tschakwetadse (Russland/Nr. 12) 7:6 (7:5), Kim Clijsters (Belgien/Nr. 4) - Martina Hingis (Schweiz/Nr. 6) 3:6, 6:4, 6:3

Damit im Halbfinale:
Maria Scharapowa - Kim Clijsters, Serena Williams - Nicole Vaidisova

Herrendoppel, Viertelfinale:
Jonas Björkman/Max Mirnij (Schweden/Weißrussland/Nr. 2) - Mahesh Bhupathi/Radek Stepanek (Indien/Tschechien) 6:3,6:2, Paul Hanley/Kevin Ullyett (Simbabwe/Nr. 4) - Julien Benneteau/Nicolas Mahut (Frankreich) 7:6 (7:4), 6:2

Damit im Halbfinale:
Bob und Mike Bryan - Mark Knowles/Daniel Nestor, Paul Hanley/Kevin Ullyett - Jonas Björkman/Max Mirnij

Damendoppel, Viertelfinale:
Zi Jan/Jie Zheng (China/TV/Nr. 2) - Shengnan Sun/Tiantian Sun (China) 6:3, 7:6 (7:5), Yung-Jan Chan/Chia-Jung Chuang (Taiwan) - Ashley Harkleroard/Galina Woskobojewa (USA/Russland) 6:0, 6:0

Halbfinale:
Cara Black/Liezel Huber (Südafrika/Nr. 3) - Lisa Raymond/Samantha Stosur (USA/Australien/Nr. 1) 6:4, 4:6, 6:2

Damit im Finale:
Cara Black/Liezel Huber - Siegerinnen aus Zi Jan/Jie Zheng und Yung-Jan Chan/Chia-Jung Chuang

Quelle: sid

 
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