Tennis-Davis-Cup: Ungewisse Zukunft nach 1:4-Debakel
zuletzt aktualisiert: 13.04.2008 - 19:44Bremen (RPO). Am Ende stand eine große Ernüchterung, denn das spanische Weltklasseteam war für die deutsche Davis-Cup-Mannschaft eine Nummer zu groß. Einsatz, Teamgeist und Moral stimmten in der Auswahl von Kapitän Patrik Kühnen im Viertelfinale von Bremen, sportlich aber waren Philipp Kohlschreiber, Nicolas Kiefer, Philipp Petzschner und Michael Berrer gegen den Topfavoriten um Rafael Nadal und David Ferrer chancenlos und mussten eine 1:4-Niederlage akzeptieren.
"Wir wussten, dass es sehr schwer wird", sagte Kühnen, nachdem am Samstag nach der Niederlage im Doppel bereits das Aus feststand: "Mit dieser Besetzung hat Spanien die Chance, den Davis Cup zu gewinnen."
0:3 schon nach zwei Tagen las sich ernüchternd, den Zuschauern in der Hansestadt und am Fernsehen aber präsentierte sich eine deutsche Mannschaft, die sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach Kräften wehrte. Doch ohne Tommy Haas, der, um seine dreimal operierte Schulter zu schonen, auf seinen Einsatz verzichtete, waren die Aussichten ohnehin schon äußerst gering.
Im letzten Match am Sonntag holte Kiefer wenigstens noch den verdinten Ehrenpunkt für das deutsche Team. Der 30-Jährige bezwang Feliciano Lopez 6:4, 7:6 (7:2). Zuvor verlor Michael Berrer in einem Duell der Ersatzleute 6:2, 6:7 (5:7), 4:6 gegen Fernando Verdasco. Der Linkshänder aus Stuttgart wurde für den Kohlschreiber aufgeboten, der nicht mehr voll bei Kräften war. Auch die Spanier schonten ihren Topspieler Rafael Nadal. Lopez ersetzte gegen Kiefer den Weltranglisten-Fünften David Ferrer.
Das Rekorddoppel vom Samstag hatte alles geboten, was den Davis Cup ausmacht: Ein Auf und Ab der Emotionen, vergebene Chancen, Spannung zum Nägelbeißen und aus deutscher Sicht ein unglückliches Ende. Mit 7:6 (7:3), 6:7 (1:7), 4:6, 6:2, 10:12 zogen Kohlschreiber und Petzschner gegen Fernando Verdasco und Feliciano Lopez schließlich den Kürzeren und standen dabei 4:45 Stunden auf dem Platz - so lange, wie noch nie ein deutsche Doppel vor ihnen.
Nach der Halbfinalteilnahme 2007 erscheint das Aus im Viertelfinale nun wie ein Rückschlag, im Vorjahr aber war das Losglück mit den Deutschen als in der Runde der letzten Acht Belgien zu bezwingen war. Diesmal gab es den schwerstmöglichen Gegner. Nadal als Weltranglisten-Zweiter und die Nummer fünf Ferrer bilden auch von der Papierform her die eindeutig stärkste Mannschaft im Welttennis. "Sie waren für uns zu stark, das müssen wir anerkennen", sagte Kühnen.
Erst Anfang März 2009 steht mit der ersten Runde im kommenden Jahr wieder ein Davis Cup für Deutschland an. Bis dahin sind viele Fragezeichen um das deutsche Team zu klären. Dass der Vertrag von Kühnen Ende 2008 ausläuft, ist noch das geringste Problem, für den Münchner gibt es keine Alternative. Personell jedoch könnte sich ein Umbruch fortsetzen, der in der ersten Runde in Braunschweig und nun in Bremen bereits begonnen hat.
So erscheint es äußerst zweifelhaft, ob Haas, der fast zehn Jahre lang als zuverlässiger Punktelieferant dem Team zur Verfügung stand, überhaupt noch einmal wiederkommt. Höchstens ein Halbfinal- oder Finaleinsatz auf Hartplatz scheint im kommenden Jahr denkbar. Die Rolle als Nummer eins der Mannschaft hat in diesem Jahr bereits Philipp Kohlschreiber ausgefüllt.
Die Zeit der drei Jahre lang propagierten "Vier-Freunde-Mentalität" ist damit vorbei. Ein Opfer könnte insbesondere Alexander Waske werden, der wegen seiner im Halbfinale in Moskau erlittenen Armverletzung immer noch pausieren muss. Zwischen dem Frankfurter und Kohlschreiber ist ein Konflikt ausgebrochen, der am Samstag unter anderem dazu führte, dass Waske nicht mehr in der deutschen Box sitzen durfte.
Kohlschreiber hält Waske für einen "Maulwurf", der Interna aus dem Team wie die neue Prämienregelung und seinen Krankenhaus-Besuch Freitagnacht an die Öffentlichkeit brachte. Auf Kühnen kommt da einiges an Gesprächen zu, um die Wogen wieder zu glätten.
"Jetzt stehen die deutschen Turniere im Mai an, im Sommer dann Olympia in Peking", sagt Kühnen, der Philipp Petzschner für den Arag World Team Cup in Düsseldorf (18. bis 24. Mai) neben Kohlschreiber und Kiefer nominierte: "Die Pause bis zum nächsten Davis Cup ist zwar lang, aber wir kommen damit zurecht."
USA, Russland und Argentinien im Halbfinale
Titelverteidiger USA, Vorjahresfinalist Russland und Argentinien haben das Halbfinale des Davis Cup erreicht. Die US-Mannschaft setzte sich dank Andy Roddicks zweitem Einzelsieg mit 3:1 gegen Frankreich durch und trifft im September auf Deutschland-Bezwinger Spanien. Das russische Team profitierte gegen Tschechien von der Aufgabe Tomas Berdychs im dritten Einzel gegen Nikolaj Dawydenko, so dass die Gastgeber uneinholbar 3:1 in Führung gingen.
Beim Stand von 2:2-Sätzen knickte der Tscheche mit dem rechten Fuß um und konnte das Spiel nicht mehr fortsetzen. Den zweiten Punkt für die geschlagenen Gäste holte Lukas Dlouhy durch das 6:3, 6:3 gegen Marat Safin. Im September wartet nun Argentinien.
Der Weltranglisten-Sechste Roddick, der auch im Mai beim Arag World Team Cup in Düsseldorf aufschlagen wird, sorgte in Winston-Salem durch das 6:2, 6:3, 6:2 gegen Paul-Henry Mathieu für die Entscheidung. Nach zwei US-Siegen in den Auftakt-Einzeln hatte das Weltklassedoppel Bob und Mike Bryan am Samstag überraschend 7:6 (9:7), 5:7, 3:6, 4:6 gegen Arnaud Clement/Michael Llodra verloren.
David Nalbandian holte den entscheidenden Punkt für Argentinien gegen Schweden, als er sich in einem Marathonmatch über 4:09 Stunden mit 6:4, 1:6, 4:6, 6:4, 9:7 gegen Robin Söderling durchsetzte. Den 2:1-Vorsprung hatte das Doppel Guillermo Canas/Nalbandian beim 7:5, 6:4, 6:4 gegen Jonas Björkman/Robert Lindstedt herausgearbeitet. Die Südamerikaner standen bereits zweimal im Finale, verloren jedoch 1981 gegen die USA und vor zwei Jahren gegen Russland.
Ergebnisse:
Davis Cup, Weltgruppe, Viertelfinale:
In Bremen: Deutschland - Spanien 1:4. - Nicolas Kiefer (Hannover) - Rafael Nadal 6:7 (5:7), 0:6, 3:6, Philipp Kohlschreiber (Augsburg) - David Ferrer 7:6 (7:3), 3:6, 4:6, 2:6, Kohlschreiber/Philipp Petzschner (Bayreuth) - Fernando Verdasco/Feliciano Lopez 7:6 (7:3), 6:7 (1:7), 4:6, 6:2, 10:12
Am Sonntag: Michael Berrer (Stuttgart) - Fernando Verdasco 6: 2, 6:7 (5:7), 4:6, Kiefer - Lopez 6:4, 7:6 (7:2)
damit Spanien im Halbfinale gegen USA oder Frankreich
In Buenos Aires: Argentinien - Schweden 2:1. - David Nalbandian - Thomas Johansson 6:2, 5:7, 6:4, 6:2, Jose Acasuso - Robin Söderling 0:6, 4:6, 1:6, Guillermo Canas/David Nalbandian - Jonas Björkman/Robert Lindstedt 7:5, 6:4, 6:4
In Moskau: Russland - Tschechien 3:2. - Marat Safin - Tomas Berdych 6:7 (5:7), 4:6, 6:3, 6:2, 6:4, Igor Andrejew - Radek Stepanek 3:6, 2:6, 4:6, Andrejew/Nikolaj Dawydenko - Stepanek/Pavel Vizner 3:6, 6:3, 7:5, 6:4
Am Sonntag: Dawydenko - Berdych 6:3, 2:6, 6:7 (5:7), 6:3, 1: 2-Aufgabe Berdych, Safin - Lukas Dlouhy 3:6, 3:6
damit Russland im Halbfinale gegen Argentinien oder Schweden
In Winston Salem/North Carolina: USA (TV) - Frankreich 3:1. - Andy Roddick - Michael Llodra 6:4, 7:6 (7:3), 7:6 (7:5), James Blake - Paul-Henri Mathieu 7:6 (7:5), 6:7 (3:7), 6:3, 3:6, 7:5, Bob Bryan/Mike Bryan - Arnaud Clement/Llodra 7:6 (9:7), 5:7, 3:6, 4:6
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