Tennis: USA gewinnen den Davis Cup
zuletzt aktualisiert: 02.12.2007 - 09:26Portland/Oregon (RPO). Die USA haben zum 32. Mal den Davis Cup gewonnnen. Im Finale gegen Russland in Portland/Oregon holten die Zwillinge Bob und Mike Bryan mit dem 7:6 (7:4), 6:4, 6:2 gegen Igor Andrejew und Nikolai Dawydenko im Doppel den entscheidenden Punkt zum 3:0 für die Gastgeber.
"Diese Nummer ist größer als alles, was ich bisher erlebt habe", sagte der 25-jährige Roddick, der mit einem 6:4, 6:4, 6:2 gegen Dimitri Tursunow am Freitag den Grundstein zum Erfolg gelegt hatte. James Blake erhöhte mit dem 6:3, 7:6 (7:4), 6:7 (3:7), 7:6 (7:3) gegen Michail Juschni in einem von Kampf und großer Leidenschaft geprägten Match auf 2:0 und widmete den Sieg mit Tränen in den Augen seinem im Juli 2004 verstorbenen Vater Thomas.
Derweil kämpfte Bob Bryan auf der Toilette mit seinem vor Aufregung rebellierenden Magen. "Ich glaube, er tut alles raus, was er in den letzten sieben Tagen gegessen hat", erzählte Zwillingsbruder Mike mit einem breiten Grinsen.
Die Bryans, die zum dritten Mal in Folge das Tennisjahr als Nummer eins der Doppel-Weltrangliste abschließen, hatten gegen Nikolaj Dawydenko und Igor Andrejew den entscheidenden dritten Punkt geholt. "Seit unserer Geburtsstunde wollten wir den Davis Cup gewinnen", sagte Mike mit viel Pathos in der Stimme: "Heute, fast 30 Jahre später, ist unser Traum in Erfüllung gegangen. "
Vater des Erfolges ist Teamkapitän Patrick McEnroe, dessen älterer und wesentlich bekannterer Bruder John zuvor an der Aufgabe gescheitert war. 2001 übernahm "PatMac" den Job und legte sich auf die Stammbesetzung mit Roddick und Blake fest. Zwei Jahre später holte er die Bryan-Brüder dazu. Die "Young Guns" dankten es mit einer wahren Nibelungentreue.
Roddick verpasste von den 19 Davis-Cup-Begegnungen seit McEnroes Amtsantritt nur eine wegen einer Verletzung. Blake musste 2004 wegen Verletzungen und einer schweren Erkrankung komplett aussetzen, war aber immer bei der Mannschaft, und die Bryans verloren von ihren bisher 14 Davis-Cup-Matches nur eines: Bei der überraschenden Auftakt-Niederlage der USA 2005 gegen Kroatien in Los Angeles unterlagen sie Mario Ancic und Ivan Ljubicic.
Hingabe, Leidenschaft und Kameradschaft sind laut McEnroe das Erfolgsgeheimnis seiner verschworenen Mannschaft: "Jeder von ihnen hat sich sieben Jahre lang mit unglaublicher Konsequenz für den Davis Cup eingesetzt." Andy Roddick gewann 2003 die US Open und kämpfte nur zwei Wochen später im Play-off gegen die Slowakei in Bratislava auf Sand wie um sein Leben. "Es hat sich nie jemand von den Jungs über die Qualität der Plätze beschwert oder verzichtet, weil er auf Sand, auf Rasen oder auf Eis nicht gerne spielt", sagte McEnroe: "Sie waren immer mit der gleichen Leidenschaft bei der Sache."
Es war das erste Mal seit 1992, dass die USA ein Finale vor eigenem Publikum spielten. Damals in Forth Worth/Texas gewann die vielleicht größte Davis-Cup-Mannschaft aller Zeiten mit Andre Agassi, Pete Sampras, Jim Courier und John McEnroe 3:1 gegen die Schweiz.
Im Publikum saß unter anderem ein zehnjähriger Junge namens Andy Roddick, der noch heute die unglaubliche Faszination spürt, die ihn damals erfasste: "Dieses Wochenende hat mein ganzes Leben verändert." Das erste Dezember-Wochenende 15 Jahre später ebenfalls: "Es beruhigt mich, den Davis Cup gewonnen zu haben. Es wird mir helfen, ein noch besserer Tennisspieler zu werden."
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