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Abgetaucht: Was macht eigentlich Peter Graf?

VON DIETER KODITEK - zuletzt aktualisiert: 15.01.2007 - 22:19

Brühl (RP). Ungefähr ein Dutzend Telefongespräche waren nötig, bis die Zusammenkunft endlich zustandekommen konnte. Peter Graf, einst viel beachteter und gefragter Manager seiner Tochter Steffi, hat sich teils ins Privatleben, teils auf andere, verschwiegenere Geschäftsfelder zurückgezogen. Im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen - das war einmal.

Bei Steffi Grafs Triumphen war Vater Peter immer mit dabei.  Foto: RPO
Bei Steffi Grafs Triumphen war Vater Peter immer mit dabei. Foto: RPO

Ein Rest von dem Misstrauen, das ihm einst zueigen war, ist geblieben. Doch er ist gelassener geworden. Ruhe und Ausgeglichenheit führt Graf in erster Linie darauf zurück, dass er seit sieben Jahren wieder glücklich verheiratet ist. Seine zweite Frau, Britta, ist 20 Jahre jünger als er. Sie ist zuständig für das seelische Gleichgewicht. Das Ehepaar treibt viel Sport miteinander - nunmehr auch auf dem Golfplatz. Den neu gewonnenen inneren Frieden will er nicht mehr aufs Spiel setzen.

Wie lebt er heute, der ehemalige Strippenzieher im Tenniszirkus, der rastlos um die Welt jettete, stets die Interessen seiner schlag-fertigen Tochter wahrend? Er ist dem Tennissport noch immer treu, trainiert regelmäßig mit zwei Jugendlichen daheim in Brühl. Sich selbst hält er fit durch tägliche Übungen im Olympia-Stützpunkt Heidelberg. Und er berät einige ausländische Top-Spielerinnen. Welche, darüber schweigt er sich aus. Einer wie er, der in dieser hitzigen Branche so viele Erfahrungen gesammelt hat, kann der jungen Generation noch einiges vermitteln.

Peter Graf ist umtriebig wie eh und je, aber er wirkt ausgeruhter als in der turbulenten Zeit, die er hinter sich gelassen hat - nicht mehr so hektisch und gehetzt wie in jenen Jahren, da er noch für das gesamte Umfeld seiner berühmten Tochter zuständig war. „Ich habe drei Jobs gleichzeitig gemacht“, sagt er. „Ich besaß eine Generalagentur für Versicherungen, betrieb eine Tennishalle und gab dort Unterricht, und ich arbeitete mit und für Steffi.“

Nichts, aber auch gar nichts von dem unsteten Leben dieser Zeit vermisse er. „Ich bin froh, dass das hinter mir liegt. Ich habe alles nur für Steffi getan. Ich habe 25 Jahre lang einen wesentlichen Teil meiner Lebensqualität aufgegeben, um ganz für meine Tochter dazusein. Ich konnte keine Freundschaften pflegen, nicht reisen, keinen Hobbys nachgehen - was jetzt alles wieder möglich ist. Aber ich würde es jederzeit wieder tun.“ Dieses Leben in der Öffentlichkeit - das sei nicht immer leicht gewesen. „Da waren nicht selten auch Fallstricke ausgelegt. Ich habe Fehler gemacht. Einer bestand darin, dass ich keinen Medienberater engagiert habe, dass ich glaubte, ich könnte das alles selbst beherrschen.“

Das schwärzeste Kapitel war zweifellos jene Steuer-Affäre in den 90er Jahren, die ihm eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und neun Monaten eintrug. Knapp zwei Jahre musste er absitzen, zuletzt im offenen Vollzug. Vor dem Fall hätten viele Politiker die Nähe zur berühmten Steffi gesucht, und von einigen habe er auch Zusagen gehabt, was die Behandlung seiner fiskalischen Angelegenheiten betraf. Aber als es dann ernst wurde, hätten sich alle zurückgezogen, ließen ihn im Regen stehen. „Es war mit den Jahren eben ein kompliziertes finanzielles Geflecht entstanden, und nicht einmal die Steuerberater blickten noch richtig durch.“ Peter Graf redet sehr freimütig und ohne Bitterkeit über jene Zeit. Mitunter hat es sogar den Anschein, als suchte er diese Gelegenheit, sich mitzuteilen. „Ich habe mit der Sache abgeschlossen“, sagt er, „ich bin längst mit mir im Reinen.“

Immer wieder klingelt sein Mobil-Telefon. Er trifft Verabredungen und Vereinbarungen mit Geschäftspartnern, darunter einem international agierenden Immobilienmakler, dem er zur Hand geht. Peter Graf engagiert sich überdies sozial. Er arbeitet mit an einem Projekt zur Förderung einer Mädchenschule in Sri Lanka. Die Lehrstätte, die bis zum Abitur führt, trägt den Namen Katharina Shirami. „Die Mädchen sind ja dort noch hoffnungslos benachteiligt“, stellt er bekümmert fest.

Und wie steht es um den Kontakt zu seinen Kindern, speziell zur Tochter? „Wir haben ein ganz normales Verhältnis“, versichert Graf, „wir sehen uns häufig. Die Steffi kommt oft herüber, hat noch immer viele geschäftliche Termine hier - für Adidas, den Nudel-Hersteller Barilla und die Duftmarke Aramis. Und ein-, zweimal im Jahr sehen wir uns auch in den USA.“ Auf einem Sims im Wohnzimmer stehen wie zur Bestätigung eine Reihe von Fotos, auf denen die Familie glücklich vereint abgelichtet ist: Peter Graf und seine Frau zusammen mit Steffi und deren Mann in Las Vegas. Mit seinem Schwiegersohn, Andre Agassi, verstehe er sich ausgezeichnet. „Er ist ein lieber, äußerst höflicher und wohlerzogener Kerl - wir haben viel Spaß miteinander.“ Leider werden die Begegnungen in der Heimat nun seltener, da Agassi seine Laufbahn beendet hat. Früher habe Steffi die Auftritte ihres Mannes bei Turnieren in Europa immer zusätzlich zu einer Stippvisite nutzen können. Das ist jetzt nicht mehr gegeben.

Trotz aller unerfreulichen Erfahrungen sei es für ihn nie ein Thema gewesen, ebenfalls außer Landes zu gehen. „Ich liebe Deutschland. Ich brauche die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Und ich habe hier alle meine Freunde. Deswegen bin ich hier.“ Auch Steffi sei ihrer Heimat nach wie vor sehr zugetan. „Aber sie hat nun mal ihre Familie in Amerika, deswegen ist dort ihr Platz.“


 
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