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Roger Federer Rafael Nadal Wimbledon 2008 Panorama getty
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Dramatisches Wimbledon-Finale: Das war ganz großer Sport

VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 07.07.2008 - 11:51

Düsseldorf (RPO). Als Rafael Nadal um 22.16 Uhr deutscher Zeit auf dem heiligen Rasen in Wimbledon zu Boden sank, stand der Centre Court schon lange Kopf. Der Spanier hat das wohl beste Finale aller Zeiten mit seinem ersten Titel bei den All England Championships gekrönt. Nach 4:48 dramatischen Stunden bezwang der Sandplatz-Spezialist den bis dato alleinigen Rasen-Herrscher Roger Federer. Ein Spiel für die Geschichtsbücher.

Das dritte Finale der beiden Kontrahenten in Serie bot alles, was den Tennissport ausmacht. Nadal, das Laufwunder von der Ferieninsel Mallorca, gegen Federer, den kühlen Schweizer, der seine Spielzüge punktgenau im Voraus plant und nichts dem Zufall überlässt.

Auf der einen Seite ein spanischer Stier, der keinen Ball verloren gibt und auch aus aussichtslosen Situationen das beste macht. Auf der anderen der Weltranglistenerste, der seit 65 Partien auf Rasen ungeschlagen ist und stets den Angriff ans Netz sucht. Wie Boris Becker zu seinen besten Wimbledon-Zeiten.

Fünfmal in Serie gewann Federer das bedeutendste Tennis-Turnier der Welt. Zweimal davon im Finale gegen Nadal. Auch am gestrigen Sonntag war der Eidgenosse klar favorisiert. Deshalb rieben sich die Zuschauer in den ersten beiden Sätzen verwundert die Augen. Nadal spielte sein bestes Tennis und brachte Federer zur Verzweiflung. Die ersten beiden Sätze entschied der "Sandfloh" jeweils mit 6:4 für sich.

Nach dem zweiten Durchgang hatte Federer offenbar ein Stoßgebet an den Wettergott abgeschickt, denn genau zum richtigen Zeitpunkt setzte der in Wimbledon zum Inventar gehörende Regen ein. Zeit für Federer, sich neu zu konzentrieren, die ersten beiden Sätze zu vergessen.

Regen hilft Federer

Und er kam aus der Kabine wie neu geboren. Federer kämpfte sich zurück ins Spiel, gewann die beiden Folgesätze jeweils im Tie-Break und wehrte dabei sogar zwei Matchbälle ab. "Eigentlich müsste Rafael ja bereits beim Champions Dinner sein. Beim Stand von 5:2 im Tiebreak habe ich ihn zum ersten Mal in einem Match nervös gesehen", analysierte Wimbledon-Legende Boris Becker bei BBC.

Was die beiden Kontrahenten dann im fünften und entscheidenden Durchgang zeigten, war vielleicht das beste Tennis, was jemals in Wimbledon gespielt wurde. Trotz des großen Kräfteverschleißes knallten sich die beiden Führenden der Weltrangliste die Bälle mit Topspeed um die Ohren, liefen wie im Wahn über den Platz. Die Zuschauer standen auf, applaudierten den beiden großen Sportlern für die Leistung.

Und was passt besser in dieses dramatische Finale als eine weitere Regenunterbrechung? Beim Stand von 2:2 im letzten Satz öffnete sich der Himmel einmal mehr und sorgte für die nächste Zwangspause. Um 21.19 Uhr ging es schließlich weiter.

Ein Break reicht Nadal

57 Minuten später war das Match vorbei. Nadal brachte nach dem ersten Break in diesem Satz zum 8:7 seinen Aufschlag durch und sank erschöpft und glücklich zugleich zu Boden. Eigentlich hat dieses einmalige Finale keinen Verlierer verdient. Zwei große Sportler haben ein großes Match abgeliefert - diesmal mit dem besseren Ende für den Spanier.

Nadals Triumph in Wimbledon ist zugleich eine Wachablösung. Federer war bislang der unbesiegbare Rasen-König. Auf Sand ist Nadal längst die Nummer eins, nur ein Titel in London hatte ihm noch gefehlt.

Nadal ist der erste Spieler seit Björn Borg, der in einem Jahr die French Open und Wimbledon gewinnt. Bald steht womöglich auch ein Wechsel an der Spitze der Weltrangliste bevor. Nadal - der neue Imperator der Tennis-Welt.


 
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