Wimbledon: Federer auf Borgs Spuren
VON DIETER KODITEK - zuletzt aktualisiert: 25.06.2007 - 13:25London (RPO). Der Weltranglisten-Erste aus der Schweiz schickt sich an, zum fünften Mal hintereinander das Tennisturnier in Wimbledon zu gewinnen. Zum Auftakt trifft er heute auf einen Russen namens Gabaschwili.
Heute um 14 Uhr Ortszeit (15 Uhr MESZ) wird der Schweizer Roger Federer im Center Court von Wimbledon stehen und sein persönliches Unternehmen Titelverteidigung beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt eröffnen.
Zwei Stunden zuvor wird allerdings bereits auf den Außenplätzen aufgeschlagen. Es ist Tradition seit 1878, dass der Vorjahressieger jeweils das erste Match auf dem Hauptplatz bestreitet. Alles in Wimbledon ist Tradition.
Es hat fast den Anschein, als wäre diese Veranstaltung vor 130 Jahren nur ins Leben gerufen worden, um den britischen Sinn für die Pflege von Tradition so richtig ausleben zu können.
Davon wird sich erstmals in seinem Leben auch ein junger Russe namens Teimuraz Gabaschwili überzeugen können. Der 22-Jährige aus Moskau, Nummer 85 der aktuellen Weltrangliste, gibt sein Debüt in der Kathedrale des Tennissports, der hier noch überwiegend weiß ist.
Gabaschwili sollte das Privileg genießen, dass er seinen ersten Auftritt in Wimbledon gleich auf dem berühmten Center Court vollführen darf, denn am Ende des Matchs wird er wohl zum Netz gehen und seinem Bezwinger die Hand zum Glückwunsch reichen. Der heißt nämlich Roger Federer und wird sich kaum von einem Neuling gleich beim Auftakt den Weg zu seinem fünften Titelgewinn im All England Lawn Tennis & Croquet Club verbauen lassen.
Gabaschwili wird es einerseits als große Ehre, andererseits aber auch als großes Pech betrachten, dass das Los ihm gleich den übermächtigen Branchenführer vorgesetzt hat. Was Federer betrifft, so wird der Eidgenosse, falls er am Ende zum fünften Mal die begehrteste Trophäe seines Sports in Händen halten kann, den Rekord des Schweden Björn Borg egalisieren, der von 1976 bis 1980 fünfmal hintereinander auf den Rasenplätzen im Londoner Südwesten triumphierte.
Der absolute Wimbledon-Rekord wäre das allerdings noch nicht. Den teilen sich die Herren William Renshaw, der zwischen 1881 und 1889 siebenmal siegte, und Pete Sampras, dem Gleiches von 1993 bis 2000 gelang. Die Serie des überragenden Amerikaners wurde lediglich 1996 durch den Niederländer Richard Krajicek unterbrochen.
Der deutsche Tennissport wird in diesem Jahr, bei der 121. Auflage des Turniers, durch sieben Männer und sieben Frauen vertreten. Gleich um 13 Uhr (MESZ) heißt es Farbe bekennen für die beiden einzigen gesetzten Herren aus Boris-Becker-Land - Tommy Haas (Nr. 13) und Philipp Kohlschreiber (Nr. 27).
Letzterer trifft auf den 26-jährigen Franzosen Florent Serra und wird somit eine lösbare Aufgabe vorfinden. Ersterer bekommt es nach rund sechswöchiger Wettkampfpause wegen erneuter Probleme in der schon zweimal operierten Schulter mit dem Amerikaner Zack Fleishman zu tun - einem unter normalen Umständen ebenfalls bezwingbaren Kontrahenten.
Aber ob Haas sein normales Leistungspotenzial abrufen kann, erscheint fraglich. Vorsorglich hat der weitgehend in Florida lebende Münchner schon mal eingeschränkt: "Ich kann zwar ohne Schmerzen trainieren, aber ganz frei fühlt sich die Schulter noch nicht an. Vor allem bin ich nicht sicher, ob sie fünf Sätze lang durchhalten würde." Heute Nachmittag wird er mehr wissen.
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