Diskussionen über Wimbledon-Outfit: Federer erklärt der Mode den Krieg
zuletzt aktualisiert: 24.06.2009 - 15:51London (RPO). Seit vier Jahren betritt Roger Federer den Centre Court in Wimbledon mit einem eigens für das Turnier gefertigten Outfit. Sein Ausrüster verpasste dem Schweizer 2006 und 2007 einen eleganten Retro-Blazer in Eierschalen-Weiß, der mittlerweile im Museum an der Church Road hängt. Im Vorjahr kam er in eleganter Strickjacke mit goldener Knopfleiste und Initialen. Auch das sah sehr stylisch aus und passte zu Federers Eleganz.
Umso größer war die Verwirrung, als der Schweizer zu seinem Auftaktmatch am Montag den "heiligen Rasen" betrat - in einer Jacke, die aussah, als hätte Michael Jackson sie von der Kommandobrücke des Raumschiffs Orion geklaut (siehe Foto, klicken Sie auch auf den Vergrößerungsknopf).
Enger Schnitt an der Taille, Stehkragen, Taschen auf der Brust und am Ärmel, Militärlook. "Jeder im Umkleideraum hat darüber geredet", sagte der Schweizer, "und alle sagten, wow, sieht toll aus." Dazu trug er eine gold-weiße Handtasche über dem Arm, deren Sinn sich niemandem erschloss und die normalerweise nur Paris Hilton steht.
Der unspektakuläre Sieg über den Taiwanesen Lu Yen-Hsun brachte weniger Schlagzeilen als die modische Extravaganz des Weltranglisten-Zweiten. "Federer erklärt der Mode in Wimbledon den Krieg", stellte die Times nüchtern fest. Und für den Guardian hat er einen "neuen Anschlag auf die Mode" begangen. Die Daily Mail fühlte sich an einen "Steward auf einem Kreuzfahrtschiff" erinnert.
Selbst Tennis-Legende John McEnroe, der zu seiner aktiven Zeit bunte Stirnbänder und enge Hosen getragen hatte, war verwundert. Federers Auftritt habe ihn an Michael Jackson erinnert, nicht an einen Tennisspieler.
Der 27-jährige Schweizer aber erträgt und trägt seine Kleidung mit der Selbstsicherheit eines Models auf dem Catwalk. "Mir gefällt es, ich würde auch gerne eine dunkle Jacke tragen, aber ich respektiere natürlich die Tradition in Wimbledon", sagt er. Tatsächlich ist dieser Auftritt natürlich ein großes Werbespektakel für den Ausrüster.
Das amerikanische Unternehmen kleidet auch Maria Scharapowa ein, die normalerweise für die modischen Extravaganzen zuständig ist. Noch in Paris trat die Russin mit einem Kleid mit Tüll und Überwurf in den verschiedensten Blautönen sowie dem dazu passenden Käppchen auftrat.
In London kommt sie dafür ganz sachlich in reinem Weiß ohne Schnickschnack daher. Größter anzunehmender Unfall im Frauenfeld war bislang das Outfit von Jelena Jankovic, das mit seinen weiten Falten ein wenig an Umstandsmode erinnert.
Also gehört alle Aufmerksamkeit Roger Federer. Auf dessen Internetseite wurde die neue Bekleidung schon Tage vor dem Turnier geheimnisvoll angekündigt und dann am Samstag enthüllt. "Sie denken sich immer wieder Neues aus", sagte der Maestro, "wir reden darüber, entwickeln dies und verwerfen jenes, und am Ende kommt etwas Gutes dabei raus." Da stimmt ausnahmsweise nicht jeder mit ihm überein.
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