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Britain Wimbledon Tennis
  Foto: dapd, Kirsty Wigglesworth
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Siebter Wimbledon-Titel: Federer zurück aus dem Schatten

VON ANTJE REHSE - zuletzt aktualisiert: 09.07.2012 - 08:52

London (RPO). Im Schatten der Giganten hat sich Roger Federer klammheimlich zurück auf den Tennis-Thron gehievt. Nachdem er ein Jahr lang zuschauen musste, wie sich Novak Djokovic und Rafael Nadal in den Grand-Slam-Finals die Bälle um die Ohren schlugen, war nun wieder der Schweizer an der Reihe, der Welt zu beweisen, dass er wohl doch der Größte aller Zeiten ist.

Als Andy Murray nach dem verlorenen Wimbledon-Finale ob seines zerschmetterten Traums hemmungslos weinte, lächelte Federer. Nicht mitleidig, selbstverständlich nicht hämisch. Die Tränen seines Gegners, der die Fans in diesen zwei Wochen vom ersten britischen Wimbledon-Sieg seit Fred Perry 1936 hatte träumen lassen, eroberten das Herz des nunmehr siebenmaligen Champions im Sturm. "Das zeigt mir, wie ungemein wichtig ihm dieser Sport und dieses Turnier ist", sagte Federer nach seinem 4:6, 7:5, 6:3, 6:4-Sieg über den Schotten.

Vielleicht erkannte Federer auch etwas von sich selbst in seinem fünf Jahre jüngeren Finalgegner wieder. Denn der emotionale Ausbruch von Murray, der seine Rede auf dem Centre Court mehrmals wegen Weinkrämpfen unterbrechen musste, erinnerte an den wohl emotionalsten Moment in der Karriere des Schweizers. 2009, nachdem Federer im Finale der Australian Open wieder einmal an seinem Angstgegner Nadal gescheitert war, hatte der sonst immer so gefasste Tennis-Ästhet bei der Siegerehrung hemmungslos geweint.

Manch einer läutete schon damals voreilig das Ende der Ära Federer ein, denn zu häufig war Federer in den großen Matches am Spanier gescheitert. Ein Jahr später gewann er  nochmal in Melbourne. Es sollte sein letzter Major-Triumph bleiben – bis zu diesem Sonntag.

Zwillings-Töchter jubeln auf der Tribüne

Nach seinem Triumph wirkte Federer, der 2011 in Paris zuletzt in einem Grand-Slam-Finale gestanden hatte,  wieder wie einer, der in sich ruht. Auf der Tribüne jubelten die knapp drei Jahre alten Zwillinge Charlene und Myla ihrem erfolgreichen Papa zu. Auf dem heiligen Rasen hielt der 30-Jährige die Trophäe im Arm, wie ein weiteres Kind. "Fühlt sich gut an. Es ist, als ob der Pokal mich nie verlassen hätte", erklärte Federer.

Mit seinem siebten Wimledon-Titel zog Federer mit "meinem Helden" Pete Sampras gleich und wird nun wieder an Position eins der Weltrangliste geführt. Vor Dauerrivale Nadal, der sensationell in der zweiten Runde gescheitert war, und auch vor Djokovic, den Federer im Halbfinale souverän bezwungen hatte und der noch in der vergangenen Saison Woche um Woche Tennis vom anderen Stern gespielt hatte.

"Die Nummer eins wird einem nicht geschenkt, aber ich habe nie aufgehört, daran zu glauben", sagte Federer, der den Sprung an die Spitze vor allem seiner Konstanz zu verdanken hat. "Obwohl ich eine Familie gegründet habe, habe ich mehr gespielt und dann ist einfach alles zusammengekommen. Für mich wird ein Traum wahr."

"Für einen 30-Jährigen nicht schlecht"

Im Dreikampf um die Vormachtstellung im Tennis hat der Sohn eines Schweizers und einer Südafrikanerin mit seinem ersten Grand-Slam-Titel seit den Australien Open 2010 ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz gesetzt. "Seht her, ich gehöre noch nicht zum alten Eisen", so könnte die Botschaft lauten, die das befreite Lächeln im Gesicht des Champions bis nach Serbien und Spanien sendete. "Für einen 30-Jährigen spielt Roger nicht schlecht", musste auch Murray scherzhaft anerkennen.

Ob der Schotte selbst zukünfitg im Konzert der ganz Großen mitmischen kann, bleibt abzuwarten. "Ich bin immer näher dran", sagte Murray schluchzend und versuchte sich unter Tränen und dem tosenden Applaus der Zuschauer auf dem Centre Court Mut zu machen. "Eines Tages wird er doch noch wenigstens ein Grand-Slam-Turnier gewinnen. Das wünsch ich mir für Andy", sagte Federer, dem dieses Kunststück mit dem Sieg am Sonntag nun schon 17 Mal gelungen ist. Ein Rekord für die Ewigkeit?

Seine Rückkehr auf den Thron könnte der Mann aus Basel in knapp einem Monat endgültig vergolden. Am 5. August steigt das Finale des olympischen Tennis-Turniers. Und das auf dem grünen Rasen von Wimbledon, auf dem sich Federer nun wieder ganz wie zuhause fühlt.

Quelle: areh/rm/areh
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