Deutsche Hoffnungsträger in Wimbledon: Haas und Becker auf Rasen erfolgreich
VON DIETER KODITEK - zuletzt aktualisiert: 24.06.2009 - 10:54London (RP). Erfolg schafft Selbstvertrauen. Diesen Zusammenhang erleben in diesen Tagen die beiden deutschen Tennisprofis Tommy Haas und Benjamin Becker. Sie waren mit frischen Turniersiegen im Gepäck nach Wimbledon gereist, mit Erfolgen auf Rasen.
Haas gewann bei den Gerry Weber Open im ostwestfälischen Halle seinen zwölften Titel und den ersten auf Gras. Becker setzte sich eine Woche später im niederländischen 's-Hertogenbosch durch.
Generalprobe gelungen, Erstaufführung ebenfalls: Gestern schwammen sie auf der Welle des Erfolgs weiter in die zweite Runde der All England Championships. Haas musste nur noch für elf Minuten aufs Geläuf, nachdem sein Match gegen den Österreicher Alexander Peya wegen der hereinbrechenden Dunkelheit hatte unterbrochen werden müssen. 14 Punkte musste er noch spielen – dann hatte er den 6:7, 7:6, 6:3, 6:4-Sieg vollendet. Becker dagegen stürmte mit einem 6:4, 6:4, 6:1-Sieg gegen den Kroaten Roko Karanusic in die nächste Runde.
Zwei deutsche Sieger mit sehr unterschiedlichen Wahrnehmungen. Becker hatte vor seinem Erfolg in 's-Hertogenbosch lediglich einmal eine Duftmarke gesetzt, als er vor drei Jahren in der dritten Runde der US Open den großen Andre Agassi in Rente schickte. Damals war die Namensgleichheit mit dem berühmten Landsmann den Medien eine Erwähnung wert. Eine große Zukunft im Tennis-Zirkus traut dem 28-Jährigen niemand zu – nicht einmal bei diesem Turnier. Tommy Haas (31) dagegen blickt auf eine gute Vergangenheit zurück. Er hat zwar keinen der höchsten Gipfel erklommen, aber doch einige sehr hohe.
Dreimal stand er im Halbfinale der Australian Open, wurde im Mai 2002 als Nummer zwei der Weltrangliste geführt und hat im Laufe seiner Karriere neun Millionen US-Dollar kassiert. Finanziell ist er aus dem Schneider, aber beim Rückblick auf sein Leben als Tennisprofi kann nicht ungetrübte Zufriedenheit aufkommen. Zu viele Rückschläge warfen ihn immer wieder aus der Bahn.
Da war zum einen der schwere Motorrad-Unfall seiner Eltern, die wochenlang zwischen Leben und Tod schwebten, was alles andere in den Hintergrund treten ließ. Und da waren, neben zahlreichen anderen Verletzungen, drei Operationen an der rechten Schulter, die ihn jeweils über Monate zur Untätigkeit zwangen. Immer wieder musste er sich zurück kämpfen.
Tommy Haas denkt nur noch von Spiel zu Spiel, das hat er auch nach seinem Auftaktsieg in Wimbledon erkennen lassen. "Ich denke nicht mehr an Halle", sagte er, "jeder Tag ist anders. Es geht immer wieder darum, das nächste Match zu gewinnen." Darauf konzentriert er sich nun.
Eine relativ günstige Auslosung könnte es ihm ermöglichen, in Wimbledon ziemlich weit zu kommen. Der erste Top-Ten-Spieler, mit dem er es zu tun bekäme, wäre im Viertelfinale der als Nummer vier gesetzte Serbe Novak Djokovic. Bis dahin müsste Tommy Haas' Verlobte Sarah Foster, eine Schauspielerin aus den USA, noch viel leiden. Sie hat ihn gefragt, wie stark sie auf der Tribüne ihre Emotionen ausleben darf. Er hat ihr keine Zurückhaltung auferlegt.
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