Triumph in Wimbledon und neuer Rekord: Ist Federer der Größte aller Zeiten?
VON DIETER KODITEK - zuletzt aktualisiert: 06.07.2009 - 08:01(RP). Der Schweizer gewinnt nach fünf atemberaubenden Sätzen gegen Roddick den sechsten Titel in Wimbledon. Das ist gleichzeitig sein 15. Sieg in einem Grand-Slam-Turnier. Er ist der erfolgreichste Spieler aller Zeiten.
Roger Federer hat sich in der Tenniswelt endgültig unsterblich gemacht. Der 27-jährige Eidgenosse holte sich gestern mit einem hart erkämpften, bis zum Ende auf des Messers Schneide stehenden Fünfsatzsieg (5:7, 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 3:6, 16:14) gegen den ein Jahr jüngeren Amerikaner Andy Roddick seinen sechsten Titel in Wimbledon und brach zugleich den Rekord von Pete Sampras (USA), der es in seiner großen Karriere auf 14 Grand-Slam-Erfolge gebracht hatte. Nun hat Federer ihn um einen Major-Sieg übertroffen.
Sampras, der zwischen 1993 und 2000 sieben Mal im berühmtesten aller Centre Courts triumphierte, erlebte seine Ablösung in der königlichen Loge. Er war vom ausrichtenden All England England Club kurzfristig aus seiner kalifornischen Heimat eingeflogen worden und verfolgte das 4:16 Stunden lange Match im Kreise weiterer ehemaliger Champions wie Björn Borg (1976-80), Rod Laver (1961, 62, 68, 69), Manuel Santana (1966), Neale Fraser 1960), Ashley Cooper (1958) und dem zweimaligen Finalisten Ilie Nastase (1972, 76).
Nun ist Federer also der erfolgreichste Tennisspieler aller Zeiten. Aber ist er auch der Beste? Diese Diskussion wird immer geführt, und der Australier Rod Laver gab eine treffende Antwort darauf. "Man kann das doch gar nicht miteinander vergleichen", sagte er, "deswegen sollte man sich mit solchen Urteilen sehr zurückhalten.
Richtig ist auf jeden Fall, dass Roger der beste Spieler seiner Epoche ist, und ich war es in meiner Zeit. Seither haben sich viele Dinge geändert, zum Beispiel das Material. Wir haben Holzschläger mit viel kleineren Schlagflächen benutzt, heute gibt es die Kunststoffschläger mit den großen Köpfen, die eine viel höhere Ballgeschwindigkeit ermöglichen."
Laver brachte es in seiner Laufbahn auf elf Grand-Slam-Titel und gewann dabei zweimal den lupenreinen Grand Slam, also alle vier Major-Titel innerhalb eines Kalenderjahres. Wäre er nicht 1963 Profi und deswegen bis 1968 vom Weltverband geächtet worden – der Australier hätte angesichts seiner Überlegenheit noch leicht einige Grand-Slam-Turniere mehr gewinnen können.
Es hätte durchaus auch der große Tag des Andy Roddick werden können. Der Weltranglisten-Sechste verpasste seine Riesenchance im Tie Break des zweiten Satzes, als er beim Stand von 6:2 vier Satzbälle hatte und keinen einzigen verwerten konnte.
Vor allem über jenen relativ leichten Rückhand-Volley über Schulterhöhe, den er bei 6:5-Führung weit ins Aus setzte, wird er sich noch dereinst als Großvater grämen. So stand am Ende der fünf Sätze erneut das Resultat, das Roddick schon zweimal zuvor in einem Wimbledon-Finale gegen Federer akzeptieren musste: gut gespielt, aber leider verloren.
Nein, dieses Mal spielte er nicht nur gut, sondern hinreißend gut und brachte den überragenden Spieler dieser Zeit hart an den Rand der Niederlage. Dieses Endspiel, in dem Federer zwei Breakbälle abwehren musste, hatte das Format, als einer der Klassiker in die Geschichte Wimbledons einzugehen.
77 Spiele in einem Endspiel hat es in Wimbledon noch nie gegeben. Die bisherige Bestmarke hatten Federer und sein spanischer Bezwinger Rafael Nadal im vorigen Jahr aufgestellt. Sie absolvierten 62 Spiele.
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