Wimbledon: Kampfstier Nadal
VON DIETER KODITEK - zuletzt aktualisiert: 06.07.2007 - 12:23London (RPO). Rafael Nadal verlor gegen den Russen Juschni die beiden ersten Sätze, zog dann aber doch noch ins Wimbledon-Viertelfinale ein. Und er ist sicher, dass er auf Gras besser spielt als vor einem Jahr.
Der Spanier ist gegenwärtig der Marathonmann der Tennisszene. Gegen den Russen Michail Juschni gewann der Vorjahresfinalist im Wimbledon-Achtelfinale sein zweites Fünf-Satz-Match hintereinander.
Nach dem mühevollen Arbeitssieg eine Runde zuvor gegen den Schweden Robin Söderling setzte sich der Spanier gestern im Stil eines Kampfstiers, der nur den Weg nach vorn kennt, mit 4:6, 3:6, 6:1, 6:2, 6:2 durch. Es war zugleich sein siebter Erfolg ohne Unterbrechung in einem Spiel über die Distanz von fünf Sätzen.
Nachdem der Mallorquiner zunächst bedenklich auf die Verliererstraße geraten war, hatte es den Anschein, als würde er im dritten Satz einfach einen Hebel umlegen - und schon übernahm der dreimalige French-Open-Sieger souverän das Kommando.
Juschni klagt über Rückenprobleme
Möglicherweise hat er auch davon profitiert, dass Juschni sich mit Rückenbeschwerden plagte. Dreimal ließ sich der Russe vom Physiotherapeuten behandeln. Am Ende resignierte er. "Zwischendurch", bekannte Nadal, "habe ich schon mal einen Gedanken daran verschwendet, dass ich heute bereits zurück auf meine Insel fliegen könnte. Juschni spielte wirklich großartig, ich kam nicht richtig auf Touren. Aber dann, im dritten Satz, war die Inspiration da."
Mit zunehmender Matchdauer sei er richtig happy über sein Spiel gewesen. Definitiv sei er in diesem Jahr auf Gras besser drauf als vor zwölf Monaten. Da hatte er immerhin das Finale gegen Rasenkönig Federer erreicht, obwohl Gras gewiss nicht sein Lieblingsbelag sei. "Aber ich arbeite daran, mich auch hier zu verbessern, und mache das Beste daraus."
Respekt vor Tomas Berdych
Eine Kampfansage an Roger Federer? "Ach, jetzt wartet erst einmal eine weitere schwierige Aufgabe auf mich - gegen den Tschechen Tomas Berdych. Und wenn ich den schlage, steht ja noch das Halbfinale bevor." Dort würde dann der Gewinner der Partie Marcos Baghdatis (Zypern) gegen Novak Djokovic (Serbien) auf ihn warten. Djokovic, zuvor Bezwinger von Nicolas Kiefer, setzte sich gestern gegen den Australier Lleyton Hewitt, Wimbledonsieger 2002, durch.
Dass der Regen der vergangenen Tage den Spielplan ziemlich durcheinandergewirbelt hatte und er zu den Benachteiligten dieser Umstände gehört, quittiert Nadal mit einem Schulterzucken.
"Man muss es nehmen, wie es kommt - ich kann es nicht ändern. Es ist ja noch die Frage, ob es ein Vorteil für Federer war, dass er jetzt sechs Tage Urlaub hatte. Ich für meinen Teil bin motiviert wie bei jedem Turnier - daran ändert auch die Situation nichts."
Gestern musste auch der Titelverteidiger vor dem Regen kapitulieren. Roger Federer, dank des Rückzugs von Tommy Haas kampflos ins Achtelfinale gelangt, muss seinen Weg unter die letzten Vier heute gegen den Spanier Juan Carlos Ferrero beim Stand von 5:5 fortsetzen. Die Konkurrenz hat ihn wieder eingeholt.
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