Nach Comeback voller Tatendrang: Kiefer setzt zum Höhenflug an
zuletzt aktualisiert: 27.06.2007 - 14:03London (RPO). Über ein Jahr musste sich Nicolas Kiefer gedulden, bis er sein Comeback auf der ATP-Tour feiern konnte. Und nach seinem tollen Erstrundensieg in Wimbledon zeigte "Kiwi" der Konkurrenz: Mit ihm ist wieder zu rechnen.
Selten sah man den Hannoveraner so glücklich und entspannt wie nach seinem 6:3, 7:6 (8:6), 6:1-Erfolg über Filippo Volandri (Italien) im Auftaktmatch bei den 121. All England Championships in Wimbledon. "Das ist ein Riesenerfolg für mich", sagte der 29-Jährige und die braunen Augen strahlten glücklich: "Und der Hand geht es super."
Nun ist ein Sieg gegen den Sandspezialisten Volandri auf dem Rasenplatz an der Church Road für Kiefer eigentlich nichts Besonderes. Eigentlich. Aber nach 373 Tagen Verletzungspause ist eben nichts mehr normal. "Natürlich war ich nach über einem Jahr Pause angespannt und nervös", sagte der Niedersachse. "Ich merke in meinem Körper, dass da eine kleine Unruhe ist."
Nach dem Unfall bei den French Open 2006 in Paris, als er mit dem Handgelenk gegen einen Netzpfosten geprallt war, konnte er über ein Jahr lang kein Match bestreiten. Erst am 11. Juni in Halle/Westfalen betrat er erstmals wieder einen Tennisplatz und verlor. Dazwischen lagen zwei Operationen am linken Handgelenk: "Es war ein weiter Weg, aber ich habe immer daran geglaubt, dass ich zurückkomme."
Den ersten Schritt hat er erfolgreich getan. Doch die nächsten Herausforderungen stehen an. Aktuell am Donnerstag in der zweiten Runde gegen den Franzosen Fabrice Santoro, gegen den er eine negative Bilanz von 1:6-Siegen aufweist, der trotzdem sein Lieblingsgegner auf der Tour ist: "Gegen ihn sind es immer intelligente Matches."
Noch größer aber ist der Erfolgsdruck für die weitere Karriere. Maximal neun Monate und bei nur acht Turnieren garantiert die ATP dem Niedersachsen auf Grund seines alten Weltranglistenplatzes (13) die Teilnahme an den großen Veranstaltungen. Danach muss er durch sportliche Erfolge wieder den Anschluss zumindest an die erweiterte Weltspitze geschafft haben. Er hat keine Zeit mehr zu vergeuden und hat dies während der Zwangsabstinenz auch begriffen: "Ich bin ja bald 30."
Intensiver will er trainieren, mehr auf Qualität achten: "Lieber 20 Minuten gut, als 90 Minuten rumdaddeln." Seine Einstellung habe sich geändert, verkündet Kiefer jedenfalls: "Was ich jetzt spiele, muss ich optimal spielen", weiß der Australian-Open-Halbfinalist von 2006, "erst Ende des Jahres kann ich sagen, wo ich stehe." Und ob ein Kiwi wirklich fliegen kann.
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