Wimbledon: Kiefer weiter, Scharapowa schon raus
zuletzt aktualisiert: 26.06.2008 - 21:50London (RPO). Auf dem "Heiligen Rasen" von Wimbledon haben die deutschen Männer ein kleines Stück Tennis-Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal in der Open Era seit 1968 schafften gleich fünf Spieler den Einzug in die dritte Runde der All England Championships.
Ein souveräner Nicolas Kiefer, ein schimpfender Tommy Haas und ein überraschend wiedererstarkter Rainer Schüttler folgten am Donnerstag den bereits am Vortag erfolgreichen Newcomern Mischa Zverev und Simon Stadler in die Runde der letzten 32.
Nach dem kollektiven Erstrundenaus bei den French Open ist zwar auch damit noch nichts gewonnen, Kiefer und Haas dürfen am Samstag aber zumindest auf die großen Courts an der Church Road zurückkehren. Kiefer fordert nach seinem 6:0, 6:3, 6:1 über Martin Vassallo Arguello aus Argentinien den Weltranglistenzweiten und Mitfavoriten Rafael Nadal aus Spanien. Haas setzte sich mit 6:4, 6: 4, 6:3 über Tommy Robredo (Spanien) durch und misst sich nun mit Englands großer Hoffnung Andy Murray.
Rainer Schüttler setzte sich gegen den an Nummer neun gesetzten James Blake nach starkem Spiel und großem Kampf 6:3, 6:7 (8:10), 4:6, 6:4, 6:4 durch und sicherte sein bestes Grand-Slam-Ergebnis seit Wimbledon 2004. Er spielt nun gegen Nicolas Almagro (Spanien) oder Guillermo Garcia-Lopez (Argentinien). Ausgeschieden sind Benjamin Becker (Orscholz) und Julia Görges (Bad Oldesloe).
Eine böse Überraschung erlebte eine ehemalige Wimbledonsiegerin: Maria Scharapowa, Nummer drei der Setzliste, verlor gegen Alla Kudryawzewa (beide Russland) sang- und klanglos 2: 6, 4:6.
Görges war zwei Tage nach ihrem Marathon-Match über 3:40 Stunden in Runde eins ebenfalls zu keiner weiteren Energieleistung fähig. Die 19-Jährige unterlag Marina Erakovic aus Neuseeland 2:6, 6:7 (5:7). "Natürlich habe ich das erste Match noch gemerkt, aber im Spiel überwiegt dann der Kampfgeist", sagte Görges, "und ich wollte natürlich noch mehr. So bin ich jetzt schon enttäuscht."
Eine große Chance verpasste Benjamin Becker. Nachdem er zum Auftakt den Weltranglistenvierten Nikolaj Dawydenko (Russland) aus dem Weg geräumt hatte, gewann er beim 6:7 (3:7), 6:7 (3:7), 3:6 gegen den Franzosen Arnaud Clement nicht mal einen Satz.
Nicolas Kiefer erreichte zum siebten Mal in seiner Karriere den Sprung in Runde drei und darf weiter darauf hoffen, das EM-Finale noch in London vor dem Fernseher verfolgen zu dürfen. "Spielerisch war die erste Runde besser. Ich bin heute nicht so richtig reingekommen", sagte er trotz eines fokussierten und entschlossenen Auftritts.
Hoch konzentriert und souverän der eine, schimpfend und mit Wut im Bauch der andere. Nachdem sich Tommy Haas beim Stand von 4:4 im zweiten Satz vom Zwischenruf eines Zuschauers gestört fühlte, eine Wiederholung des Ballwechsels forderte und der Schiedsrichter diese verweigerte, redete er lange auf den Unparteiischen ein.
Mit Schimpfworten bedachte er den Mann auf dem Stuhl und stritt sich anschließend auch noch mit dem Oberschiedsrichter. Um eine Verwarnung kam er aber herum. Dafür setzte die Wut im Bauch neue Kräfte frei und Haas gewann schließlich verdient. "Das wird hart", sagte Murray über das anstehende Duell mit seinem deutschen Kontrahenten.
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