Wimbledon: Kohlschreiber sucht einen Neuanfang
zuletzt aktualisiert: 27.06.2010 - 11:54London (RPO). Als Philipp Kohlschreiber vor Turnierbeginn auf die Auslosung für die 124. All England Championships in Wimbledon schaute, ahnte er bereits, dass auch in diesem Jahr in der dritten Runde wieder Endstation für ihn sein würde. Andy Roddick, Vorjahresfinalist und Nummer fünf der Weltrangliste, wartete dort auf ihn.
Nach der 5:7, 7:6 (7:5), 3:6, 3:6-Niederlage am Samstag kann der momentan beste deutsche Tennisspieler tatsächlich die Heimreise antreten. Er hat gut gespielt, toll gekämpft, keinesfalls enttäuscht - aber der dreimalige Wimbledonfinalist aus Texas ist eben auf Rasen fast unbezwingbar.
Umso erstaunlicher, dass Kohlschreiber nach der Niederlage nicht mit seinem Lospech haderte, sondern ganz neue Töne von sich gab. "Ich bin ja selber schuld. So lange ich in der Weltrangliste nur zwischen 30 und 40 stehe, treffe ich schon vor dem Achtelfinale auf die großen Jungs", sagte der 26-Jährige: "Das will ich jetzt endlich ändern. Das Ziel Top 20 habe ich noch nicht aufgegeben."
Dafür ist Kohlschreiber nun zu einem Neuanfang bereit. Raus aus dem vertrauten Trainingszentrum in Oberhaching, ein anderes Umfeld, ein neuer Trainer. "Ich habe meine Scouts schon losgeschickt", erzählt der Augsburger: "Es muss auch nicht mehr nur ein deutschsprachiger Coach sein. Ich hoffe, dass ich die Vorbereitung auf die neuen Saison mit jemand anderem machen kann. Vielleicht auch in der Hitze in Amerika."
Sein ganzes Tennisleben als Profi hat Kohlschreiber in der Akademie des bayerischen Tennisverbandes verbracht. Er hat im Grunde alle dort angestellten Trainer durchprobiert. Sein Ex-Coach Michael Geserer betreut ihn jetzt als Manager und war als Coach in London SW19 dabei. "Das ist ein enger Kreis, ich muss wohl mal jemanden von außen reinlassen, der mir die entscheidenden Tipps gibt, um mich doch noch weiterzuentwickeln", sagt der Schwabe: "Ich will aber nichts übers Knie brechen, es muss auch menschlich passen. "
Seit Mai 2007 hängt Kohlschreiber im ATP-Computer in den Top 40 fest. Platz 22 im September 2009 war seine bisher beste Platzierung. Mehr ging nicht, nicht nach oben, auch nicht nach unten. In Wimbledon war er an 29 gesetzt und traf damit im Setzungssystem zwangsläufig in der dritten Runde auf einen Top-8-Mann. Im letzten Jahr scheiterte er in Wimbledon in der gleichen Runde an Roger Federer. "Das nervt, bei den Grand-Slam-Turnieren sind die Topspieler auch alle heiß", sagt Kohlschreiber, "da kann man nicht auf schwache Leistungen hoffen."
Roddick jedenfalls schlug 28 Asse, leistete sich keinen Doppelfehler und präsentierte sich voll konzentriert. Wie groß der Respekt vor dem Deutschen war, der ihn 2008 im Achtelfinale der Australian Open eliminiert hatte, erklärte "A-Rod" nach dem Match: "Von den Spielern zwischen 25 und 32 ist Kohlschreiber der gefährlichste. Ich bin froh, dass ich gewonnen habe, es war eine harte Aufgabe."
124. All England Championships in Wimbledon (15,6 Mio. Euro), 5. Spieltag:
Herreneinzel, 2. Runde:
Thiemo De Bakker (Niederlande) - John Isner(USA/Nr. 23) 6:0, 6:3, 6:2
Paul-Henri Mathieu (Frankreich) - Michail Juschni (Russland/Nr. 13) 6:4, 2:6, 2:6, 6:3, 6:4
3. Runde:
Lu Yen-Hsun (Taiwan) - Florian Mayer (Bayreuth) 6:4, 6:4, 2:1 Aufgabe Mayer
Novak Djokovic (Serbien/Nr. 3) - Albert Montanes (Spanien/Nr. 28) 6:1, 6:4, 6:4
Lleyton Hewitt (Australien/Nr. 15) - Gael Monfils (Frankreich/Nr. 21) 6:3, 7:6 (11:9), 6:4
Jürgen Melzer (Österreich/Nr. 16) - Feliciano Lopez (Spanien/Nr. 22) 4:6, 6:3, 6:2, 6:4
Dameneinzel, 3. Runde:
Jarmila Groth (Australien) - Angelique Kerber (Kiel) 6:3, 7:5
Jelena Jankovic (Serbien/Nr. 4) - Alona Bondarenko (Ukraine/Nr. 28) 6:0, 6:3
Kim Clijsters (Belgien/Nr. 8) - Maria Kirilenko (Russland/Nr. 27) 6:3, 6:3
Marion Bartoli (Frankreich/Nr. 11) - Greta Arn (Ungarn) 6:3, 6:4
Justine Henin (Belgien/Nr. 17) - Nadja Petrowa (Russland/Nr. 12) 6:1, 6:4
Zwetana Pironkowa (Bulgarien) - Regina Kulikowa (Russland) 6:4, 2:0 Aufgabe Kulikowa
Wera Swonarewa (Russlan/Nr. 21) - Yanina Wickmayer (Belgien/Nr.15) 6:4, 6:2
Venus Williams (USA/Nr. 2) - Alisa Klejbanowa (Russland/Nr. 26) 6:4, 6:2
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