Deutscher Tennis-Star hat Gras-Allergie: Lisicki leidet in Wimbledon
VON DIETER KODITEK - zuletzt aktualisiert: 27.06.2009 - 08:55(RP). Der 19-Jährigen macht eine Gras-Allergie beim Grand-Slam-Turnier in England zu schaffen. Bislang hat ihr das allerdings sportlich nicht geschadet – heute trifft sie auf French-Open-Siegerin Swetlana Kusnetzowa.
London. Der Rasen in Wimbledon ist derzeit ihr Arbeitsplatz. Aber ausgerechnet dieser Arbeitsplatz bereitet ihr Probleme, er bekommt ihr nicht. Sabine Lisicki leidet unter einer Gras-Allergie. In diesen Tagen hat es sie besonders schlimm erwischt, zeitweilig hat sogar ihre ohnehin ziemlich dünne Stimme versagt. Die 19-Jährige entzieht sich dieser lästigen Unannehmlichkeit, soweit in ihrem Beruf als Profi im Tennis-Zirkus möglich, indem sie ihren Wohnsitz von Berlin nach Bradenton in Florida verlegt hat. "Das liegt am Meer", erklärt sie, "und es ist heiß und schwül."
Bradenton hat für Lisicki noch einen anderen Effekt. Dort kann sie sich in der Tennis-Fabrik des bekannten Trainer-Gurus Nick Bollettieri auf ihre Turniereinsätze vorbereiten – eine Maßnahme, die sich in diesem Jahr schon sehr positiv auswirkte. In Charleston (USA) feierte die junge Frau, die in Troisdorf geboren wurde und einige Jahre in Gummersbach gelebt hat, im April ihren ersten Turniersieg auf der Profi-Tour, nachdem sie zuvor bereits in Memphis/Tennessee das Halbfinale erreicht hatte.
Entzündung statt Höhenflug
Charleston hätte die Startrampe zu einem wundervollen Höhenflug werden können. Doch die Ernüchterung folgte auf dem Fuß. Kurz vor den French Open wurde Lisicki in ein Berliner Krankenhaus gebracht. Erste Diagnose: Blinddarmentzündung. Doch sie hatte Glück im Unglück, es wurde ein anderer Entzündungsherd im Körper festgestellt, der allerdings auch stationär behandelt werden musste. "Fünf Tage lang musste ich im Hospital bleiben, habe kaum etwas gegessen. Das schwächt den Körper natürlich ungemein", stellt sie fest. Dennoch fuhr sie nach Paris, wollte auf die Zähne beißen und ihre Chance suchen, die sie nicht besaß. Sie ging in der ersten Runde gegen die Tschechin Lucie Safarowa sang- und klanglos mit 2:6, 1:6 unter.
Wimbledon soll jetzt, mit Hilfe von Allergie-Tabletten, die sie regelmäßig schluckt, der Neustart sein. Die ersten Auftritte waren verheißungsvoll – sie bezwang die als Nummer 32 gesetzte Russin Anna Tschakwetadse, dann die Österreicherin Patricia Mayr. Nun wartet heute in Gestalt der French-Open-Siegerin Swetlana Kusnetzowa die erste große Herausforderung auf Sabine Lisicki. Die Russin, Nummer fünf der Weltrangliste, gehört zum engsten Favoritenkreis.
Das schreckt die deutsche Spitzenspielerin allerdings nicht. "Ich habe schon bewiesen, dass ich Top-Ten-Spielerinnen schlagen kann", sagt sie selbstbewusst. "Und sollte das Match auf dem Centre Court stattfinden, so habe ich auch da schon meine Erfahrung, denn 2008 habe ich dort gegen Marion Bartoli gespielt." Und sie fügt hinzu, dass es ihr Spaß gemacht habe.
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