Tennis in Wimbledon: Lisicki spielt um den Finaleinzug
VON JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 29.06.2011 - 07:58London/Düsseldorf (RP). Sabine Lisicki hat das Halbfinale von Wimbledon erreicht und trifft am Donnerstag auf die Russin Maria Scharapowa. Lange litt die Berlinerin unter Verletzungen. Mit einem Turniersieg beendete sie vor zwei Wochen ihre Leidenszeit.
Noch vor Wochen wäre alleine der Einzug in die zweite Runde ein wichtiger Erfolg gewesen. Nun steht die 21-jährige Sabine Lisicki im Halbfinale der All England Championships und kann ihr Glück kaum fassen. Mit einem 6:4, 6:7 (4:7), 6:1 setzte sich die Berlinerin gegen die Französin Marion Bartoli durch. Sie ist somit die erste deutsche Tennisspielerin, die nach Steffi Graf 1999 das Halbfinale des Turniers erreicht hat.
"Ich kann gar nicht beschreiben, wie glücklich ich bin", sagte Lisicki. Morgen spielt die in Troisdorf geborene Tennisspielerin gegen die an Nummer fünf gesetzte Russin Maria Scharapowa um den Einzug in das Finale des wichtigsten Tennisturniers der Welt. Bei ihren Auftritten profitiert Lisicki von ihrer Unbekümmertheit und der Gewissheit, auf Rasen zurzeit jeden schlagen zu können. Seit elf Spielen hat sie auf dem Untergrund nicht mehr verloren. Aus der Partie gegen Bartoli kann die 21-Jährige neues Selbstbewusstsein ziehen. Im zweiten Satz vergab sie zunächst drei Matchbälle, das Spiel schien zu kippen. "Da war ich nicht entschlossen genug, aber ich wusste, ich bin heute die bessere Spielerin", sagte sie. Den dritten Satz gewann sie daraufhin mit 6:1.
Dass die Weltranglisten-62. ein beeindruckendes Talent besitzt, hat ihr Umfeld früh erkannt. Gefördert von ihrem Vater und Trainer Richard Lisicki, der vor über dreißig Jahren mit seiner Frau aus Polen nach Deutschland kam, begann sie mit sieben Jahren mit dem Tennis. In ihrer Jugend trat die Wimbledon-Halbfinalistin für den TC Rot-Weiß Troisdorf an. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" bezeichnete 2002 die zwölfjährige Lisicki als "Riesentalent", die endlich wieder für Erfolge für den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis sorge. Ein Jahr später trainierte sie in der Tennisschule von Nick Bollettieri in Florida, der schon Spielern wie Monica Seles, Jim Courier und Andre Agassi auf dem Weg zur Nummer eins der Welt half.
Nichts Geringeres gab sie 2008 als Ziel aus. "Ich will die Nummer eins werden", sagte sie. Im selben Jahr wurden in Deutschland ihre Leistungen mit der Berufung ins deutsche Fed-Cup Team honoriert. Lisicki gewann gleich ihr erstes Spiel gegen die frühere Weltranglistenerste Lindsay Davenport. Spätestens nachdem sie ein Jahr darauf in Charleston ihr erstes Turnier gewann und in Wimbledon das Viertelfinale erreichte, galt die damals 19-Jährige als Hoffnungsträgerin des deutschen Damentennis.
Doch warfen Verletzungen die Berlinerin immer wieder zurück. Im vergangenen Jahr war sie aufgrund einer Fußverletzung fast komplett außer Gefecht gesetzt. Ohne Spielpraxis auf Rasen ging sie schließlich Mitte Juni in das Turnier von Birmingham, gewann und hat seitdem nicht mehr verloren. "Es ist mir eigentlich völlig egal, gegen wen ich spiele", sagte Lisicki, "für mich ist jedes weitere Spiel ein Geschenk."
Das größte Geschenk kann sich die 21-Jährige morgen mit einem Sieg gegen Scharapowa bereiten. Im Gegensatz zu Lisicki hat die 24-jährige Russin bereits drei Grand-Slam-Titel gewonnen, unter anderem 2004 als 17-Jährige Wimbledon. Doch große Namen sind Lisicki seit jeher gleichgültig: "Ich habe nichts zu verlieren, ich werde rausgehen und kämpfen."
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