Tennis-Sensation in Wimbledon: Schüttler nach Krimi im Halbfinale
zuletzt aktualisiert: 03.07.2008 - 19:37London (RPO). Der deutsche Tennis-Profi Rainer Schüttler hat in Wimbledon für eine Sensation gesorgt und nach einem wahren Krimi gegen Arnaud Clement das Halbfinale erreicht. Im entscheidenden fünften Satz des Viertelfinales setzte sich der Korbacher mit 8:6 durch und trifft jetzt auf Rafael Nadal.
In einem Fünfsatzkrimi zwischen Regen, Sonne und Dunkelheit hat sich Rainer Schüttler erstmals ins Halbfinale von Wimbledon gekämpft. Beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt setzte sich der Korbacher mit 6:3, 5:7, 7:6 (8:6) 6:7 (7:9), 8:6 gegen den Franzosen Arnaud Clement durch und schaffte durch den Sieg im mit 5:12 Stunden zweitlängsten Match der Wimbledon-Geschichte als erster Deutscher seit Michael Stich 1997 den Sprung in die Runde der letzten Vier.
Vom Halbfinale zwischen Schüttler und Nadal berichten wir am Freitag im LIVE!-Ticker. Die genaue Uhrzeit steht noch nicht fest.
In der Open Era seit 1968 war es zuvor aus deutscher Sicht ohnehin nur Stich und dem dreimaligen Champion Boris Becker gelungen, an der Church Road das Halbfinale zu erreichen.
Dort steht Schüttler, der nur 2003 mit seinem Finaleinzug bei den Australian Open 2003 jemals bei einem Grand Slam besser war, nun allerdings vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe, denn sein nächster Gegner ist der Weltranglistenzweite Rafael Nadal. Der spanische French-Open-Sieger hatte bereits am Mittwoch mit einem Dreisatzsieg über den Briten Andy Murray das Halbfinale perfekt gemacht. Sicher hat Schüttler aber schon den Auftritt auf dem altehrwürdigen Centre Court und umgerechnet rund 235.000 Euro Preisgeld.
"Ich kann das noch gar nicht richtig fassen"
"Das ist wie ein Traum. Ich kann das noch gar nicht richtig fassen. Es war ein einziges Auf und Ab", sagte Schüttler: "Vor dem Turnier hab ich gedacht, wenn ich die erste Runde überstehe, wäre das schon toll. Vor dem Spiel gegen Blake hatte ich schon Urlaubspläne." Nun ist er gegen Nadal hoch motiviert: "Aber das wird natürlich schwer, er spielt unfassbar. 2004 habe ich in Basel mal geschlagen, morgen will ich einfach nur Spaß haben."
In seinem fünften Match in Wimbledon 2008 schaffte Schüttler, mit 32 Jahren ältester im Turnier verbliebener Spieler, die Entscheidung erst in der Verlängerung. Nach Regenfällen war die Partie gegen den ebenfalls ungesetzten Clement am Mittwochabend wegen Dunkelheit beim Stand von 6:3, 5:7 aus Sicht des Hessen unterbrochen worden. Bei Satzgleichstand ging es dann am Donnerstag praktisch wieder von vorne los.
Und wie erwartet ging es eng zu. In langen Grundlinienduellen belauerten sich die beiden. Doch Schüttler ergriff mit klug platzierten Bällen immer wieder die Initiative und rückte dann auch erfolgreich ans Netz vor. Im Tiebreak des dritten Satzes führte er schon 6:0, ehe der Arm immer schwerer zu werden schien. Clement glich aus, und erst nach einem Doppelfehler des Franzosen und einem eigenen Ass hatte der Deutsche mit 8:6 doch noch das glücklichere Ende für sich.
Im vierten Durchgang schaffte Schüttler gleich das Break zum 3:1 und hatte bei 4:1-Führung drei Breakbälle zum 5:1, doch dann kämpfte sich Clement zurück ins Spiel. Erneut erzwang der Franzose den Tiebreak, und dieses Mal hatte er das bessere Ende für sich. Nach 4:10 Minuten Spielzeit schaffte Clement den Satzgleichstand.
Der fünfte Durchgang musste beim Stand von 1:2 für etwa eine Viertelstunde wegen Regens unterbrochen worden, beim Stand von 6:6 und Einstand nochmal für 80 Minuten. Aus dieser Pause kam Schüttler, der beim Stand von 4:5 einen Matchball abgewehrt hatte, stärker heraus und machte sofort die beiden nächsten Punkte zum entscheidenden Break.
Als das Spiel am Mittwoch unterbrochen worden war, waren die anderen Viertelfinals längst beendet. Neben Nadal schafften auch der fünfmalige Champion Roger Federer (Schweiz) und Marat Safin (Russland) den Sprung ins Halbfinale. Gegen den 22-jährigen Nadal hat Schüttler von bislang vier Spielen eines gewonnen. Der Sieg datiert allerdings schon aus dem Jahr 2004. In den vergangenen drei Jahren gewann dann Nadal jeweils glatt in zwei Sätzen.
In der Weltrangliste klettert der deutsche Überraschungsmann zurück in die Top 40 der Weltrangliste. Nach Verletzungen und Pfeifferschem Drüsenfieber war er zwischenzeitlich sogar aus den besten 100 gefallen. Als Nummer 94 ging er in London an den Start. Zuletzt war nur der Kroate Goran Ivanisevic 2001 als Nummer 125 im Halbfinale tiefer platziert. Er gewann später den Titel.
Ergebnisse:
Tennis, 122. All England Championships in Wimbledon (14,918 Millionen Euro), 10. Tag:
Männereinzel, Viertelfinale: Rainer Schüttler (Korbach) - Arnaud Clement (Frankreich) 6:3, 5:7, 7:6 (8:6), 6:7 (7:9), 8:6
Damit im Halbfinale: Roger Federer - Marat Safin, Rafael Nadal - Rainer Schüttler
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