Wimbledon-Sieg vor 20 Jahren: Wir wollen unsere Steffi zurück
VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 02.07.2008 - 12:32Düsseldorf (RPO). Ganz Deutschland saß heute vor 20 Jahren an den Bildschirmen und blickte nach London. Dort kämpfte Steffi Graf bei den All England Championships, dem bedeudensten Tennis-Turnier der Welt, gegen ihre Erzrivalin Martina Navratilova um den Titel. Und Graf enttäuschte ihre Fans nicht. Die beste deutsche Tennisspielerin aller Zeiten setzte sich im Finale 5:7, 6:2, 6:1 durch. Die Ära Graf nahm ihren Anfang.
In ihrem besten Jahr 1988 gelang der gebürtigen Mannheimerin der Rundumschlag. Graf siegte bei allen vier Grand-Slam-Turnieren und schrieb Geschichte. Nicht nur ihre sportlichen Erfolge, sondern auch das Auftreten in der Öffentlichkeit machten aus der Spitzensportlerin eine charmante Tennis-Dame. 377 Wochen lang stand Graf auf Rang eins der Weltrangliste, gewann 22 Grand-Slam-Turniere und holte als einziger Profi den "Golden Slam" bestehend aus allen vier großen Titeln (Australian Open, French Open, Wimbledon, US Open, Olympia).
Und wie sehr wünschen sich die deutschen Fans ihre Steffi zurück. Den Rückhand-Slice, der so manchem Zuschauer vor dem Fernseher die Angst in die Augen trieb. Die Donner-Vorhand, die Freudenschreie auslöste. Ihre grazilen Bewegungen auf Sand und Rasen, die tollen Aufschläge.
All das lässt die neue Zunft der heutigen deutschen Spielerinnen vermissen. "Wenn wir doch die Zeit zurückdrehen könnten...", denken sich viele beim Blick auf die deutschen Ergebnisse bei den großen Turnieren.
Denn keine der deutschen Damen hat es beim laufenden Turnier in London in die dritte Runde geschafft. Lediglich Julia Goerges überstand den Auftakt und stand immerhin in Runde zwei. Für Martina Müller, Sabine Lisicki und Angelique Kerber kam das frühe Aus.
Den letzten großen Titel für das deutsche Tennis holte - natürlich - Steffi Graf. Nach ihrem Comeback 1999 triumphierte die heute 39-Jährige noch einmal bei den French Open. Legendär ihr Finale damals gegen Martina Hingis, die im zweiten Satz nur drei Punkte vom Titel entfernt war. Dann aber startete Graf eine furiose Aufholjagd und gewann den dentscheidenden Satz deutlich mit 6:2.
Kerber, Müller und Co. dümpeln 20 Jahre nach Grafs erstem Triumph auf dem "heiligen Rasen" irgendwo in den Niederungen der Weltrangliste her. Schade für das deutsche Tennis. Und schade für Steffi Graf, die so viel dafür getan hat.