Von McEnroe bis Becker: 30 Jahre WTC mit Top-Stars
VON THOMAS SCHULZE - zuletzt aktualisiert: 17.05.2007 - 14:42Düsseldorf (RP). 30 Jahre Mannschafts-Weltmeisterschaft im Rochusclub, 30 Jahre Spitzentennis in Düsseldorf. Hier haben die Großen ihres Sports aufgeschlagen - und für unvergessliche Momente gesorgt.
30 Jahre Arag World Team Cup - drei Jahrzehnte, in denen die besten Spieler der Welt Jahr für Jahr in Düsseldorf aufschlugen, durch Weltklassetennis überzeugten, aber auch für unvergessene Anekdoten sorgten und Horst Klosterkemper, dem Vater des Turniers, viele schöne Stunden bescherten, ihn aber hin und wieder auch der Verzweiflung nahe brachten.
Horst Klosterkemper, damals Vorsitzender des Turnierausschusses des Rochusclub, heute Europa-Präsident der Tennis-Profi-Organisation ATP, war Ideengeber, Initiator, Organisator, Turnierdirektor, Wegbegleiter, Mentor, vor allem aber die Seele des Turniers, das 1978 als Ambre Solaire Nations Cup erstmals ausgetragen wurde und 1981 in Ambre Solaire World Team Cup umbenannt wurde.
Klosterkemper, der das Turnier viele Jahre gemeinsam mit Werner Musenberg leitete, ehe er Dietloff von Arnim die Verantwortung übertrug, hat etwas Einmaliges geschaffen: Eine Weltmeisterschaft, die seit 30 Jahren an ein und demselben Ort ausgetragen wird, deren Modus gleichermaßen einzigartig wie genial ist, weil eine Niederlage nicht das sofortige Aus bedeutet.
All das wissen auch die Spieler zu schätzen, die gerne in die Landeshauptstadt kommen, die meisten sogar mehrmals. Das hinderte sie aber nicht daran, mit Episoden aufzuwarten, die heute gerne schmunzelnd zum Besten gegeben werden, damals jedoch höchste Brisanz besaßen.
Es waren die jungen Wilden, die für Schlagzeilen sorgten. Etwa der Italiener Adriano Panatta, mit dem 1979 das Temperament durchging, als er einen Linienrichter beschimpfte und in seine Richtung spuckte. Oder sich die Spanier Manuel Orantes und José Higueras schlichtweg weigerten, im Eisstadion an der Brehmstraße aufzuschlagen, weil sie gegen Argentinien um ihren Vorteil auf der von ihnen geliebten Asche fürchteten.
Aber auch die ganz großen Figuren des Welttennis - Ivan Lendl, Yannick Noah, Miloslav Mecir, John McEnroe und viele andere - schrieben Kapitel der Word Team Cup-Geschichte. So interessierte es Ivan Lendl, Titelverteidiger mit dem tschechischen Team, überhaupt nicht, dass er im November 1981 schriftlich zugesagt hatte. Weder Geld noch gute Worte oder Sanktionen konnten ihn im Mai 1982 dazu bewegen, in Düsseldorf anzutreten, wo er doch in Forest Hills mehr verdienen konnte.
Yannick Noah kam ein Jahr später als Turniersieger von Madrid nach Düsseldorf, wo er den Clown spielte und mit dem Publikum flirtete, nicht aber sein bestes Tennis spielte. Mehr noch, zwischendurch flog er mal eben nach Paris. Mal kam er zurück, mal aber auch nicht, so dass sein Gegner Damir Keretic vergeblich auf dem Center Court auf Noah wartete. Unvergessen Miloslav Mecirs Aufschläge von unten im Finale 1985 gegen Jimmy Connors. Mecir war entnervt. Unter Tränen gestand das Nervenbündel, es war „das Schlimmste, das mir je auf dem Tennisplatz passiert ist”.
Und wer erinnert sich nicht an den Abgang von John McEnroe, der 1987 im Finale gegen Mecir nach einem Disput mit Gegner und Schiedsrichter einfach den Platz verließ. Zu den Höhepunkten der drei Jahrzehnte zählen aber natürlich auch die Auftritte von Boris Becker und Michael Stich sowie die vier grandiosen Siege der deutschen Mannschaft 1989, 1994, 1998 und 2005.
In den 30 Jahren hat sich vieles ereignet und verändert - sportlich, politisch, gesellschaftlich. Aber das Turnier um den Arag World Team Cup im Rochusclub ist geblieben, was es immer war: Eine Oase im Tenniszirkus, in der Weltstars einmal im Jahr eine Woche lang in familiärer Atmosphäre um die Mannschafts-Weltmeisterschaft kämpfen und dabei (fast) immer Top-Leistungen bringen.
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