World Team Cup: Deutschland steht im Finale
zuletzt aktualisiert: 20.05.2011 - 15:36Düsseldorf (RPO). Am Ende der Achterbahnfahrt zeigte Philipp Kohlschreiber wieder sein strahlendes Gesicht: Mit 2:6, 6:3, 6:2 triumphierte der Augsburger über Michail Juschni, brachte Gastgeber Deutschland in der Begegnung mit Russland 2:0 in Führung und damit ins Finale der Mannschafts-WM in Düsseldorf gegen Titelverteidiger Argentinien. Das Bayreuther Doppel Philipp Petzschner/Florian Mayer unterlag zum Abschluss Igor Andrejew/Dimitri Tursonow 6:7 (6:8), 4:6.
Während Serbien im Duell mit Spanien durch zwei klare Einzelsiege die erhoffte Schützenhilfe leistete und 2:1 gewann, durchlebte Kohlschreiber einmal mehr alle Höhen und Tiefen seines derzeit wechselhaften Daseins als Tennisprofi.
Kohlschreibers Erleichterung war bis auf die Tribüne zu spüren. Nach dem verwandelten Matchball blies der 27-Jährige die Backen auf, pustete kräftig durch und ließ sich von seinen Mannschaftskollegen in den Arm nehmen.
"Es stand ja ein bisschen was auf dem Spiel, gerade weil ich gegen Spanien das vorentscheidende 2:0 verpasst hatte", sagte Kohlschreiber, der auf der Anzeigetafel gesehen hatte, dass sein Sieg den Finaleinzug bedeuten würde.
Im ersten Durchgang lief es nicht rund
Doch im ersten Durchgang funktionierte nicht viel im Spiel des hoch veranlagten Kohlschreibers. Nur zwei Gewinnschläge produzierte er, musste zwei Breaks hinnehmen und verzog das Gesicht, als hätte er das Tennisspielen nun vollends verlernt. Von Selbstzweifeln geplagt, blickte der Weltranglisten-44. entmutigt über den Center Court des Rochusclubs - seine Körpersprache ließ Schlimmes vermuten. "Der erste Satz war wahrlich nicht gut", gab Kohlschreiber später zu.
Zur Überraschung der Zuschauer drehte sich jedoch das Match im zweiten Satz. Nun spielte die deutsche Nummer zwei seinen Kontrahenten druckvoll aus - wie vor einer Woche beim Masters in Rom, als er Juschni im Schnelldurchgang (6:4, 6:2) geschlagen hatte. Nach nur wenigen Minuten führte er 5:1, verfiel jedoch wieder in alte Muster.
Ein Doppelfehler und ein vergebener "Elfmeter" mit der Vorhand ließen den Russen ein Break aufholen, den Satzausgleich schaukelte Kohlschreiber gerade eben nach Hause. "Dadurch hat er mehr und mehr Selbstvertrauen gewonnen", erklärte Teamchef Patrik Kühnen.
Aber auch im Entscheidungssatz kämpfte der Weltranglisten-44. anfangs mehr mit sich und seinen Schwankungen als mit Juschni, der längst das Niveau aus dem ersten Durchgang verloren hatte. Ein frühes Break gab die deutsche Nummer zwei sofort wieder ab und runzelte die Stirn. "Da waren noch ein paar harte Games dabei und ich bin froh, über den Kampf gewonnen zu haben", meinte Kohlschreiber und fügte schmunzelnd hinzu: "So mag ich meine Achterbahnfahrten: Am Anfang schlecht, am Ende gut."
Nun soll am Samstag gegen Titelverteidiger Argentinien, der zum Abschluss der Gruppenphase die USA 3:0 bezwang, der fünfte Titel her. Deutschland könnte sich zum Rekordsieger des Power Horse World Team Cups krönen. Wie die Südamerikaner hat das DTB-Team vier WM-Titel auf dem Konto. Beim ersten (1989) und letzten Erfolg (2005) des deutschen Teams hieß der Gegner Argentinien.
"Ich denke, wir sind leichter Favorit, haben den Heimvorteil und Florian in super Form", sagte Kohlschreiber mit Blick auf die Fans im Rochusclub und den ausgeruhten Mayer, der die Begegnung gegen Juan Monaco eröffnet. Anstelle der Nummer eins hatte Philipp Petzschner sein Team gegen Russland in Führung gebracht. Um die "Kumpels mit Teamspirit" (Kohlschreiber) zu schlagen, muss auch "Kohli", der gegen Juan Ignacio Chela antritt, wieder sein glückliches Gesicht zeigen.
Statistik:
Blaue Gruppe, 6. Spieltag:
Deutschland - Russland 2:1
Philipp Petzschner (Bayreuth) - Igor Andrejew 6:2, 6:4
Philipp Kohlschreiber (Augsburg) - Michail Juschni 2:6, 6:3, 6:2
Petzschner/Mayer (Bayreuth) - Andrejew/Tursonow 6:7 (6:8), 4:6
Rote Gruppe, 6. Spieltag:
Kasachstan - Schweden 1:2
Michail Kukuschkin - Christian Lindell 6:0, 6:1
Andrej Golubew - Robin Söderling 7:6 (7:4), 6:7 (7:9), 3:6
Andrej Golubew/Michail Kukuschkin - Simon Aspelin/Robert Lindstedt 6:7 (6:8), 1:6
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