World Team Cup in Düsseldorf: Doppel siegt erst nach "Beratung"
zuletzt aktualisiert: 21.05.2007 - 12:49Düsseldorf (RPO). Plötzlich stand es 0:4, da wurde es Alexander Waske und Michael Kohlmann dann doch zu bunt. "Wir haben kurz beraten und beschlossen, dass wir den Satz noch gewinnen", erzählte Waske anschließend, und es klang keinesfalls überheblich.
Elf Minuten waren gespielt, als das deutsche Doppel beim World Team Cup in Düsseldorf gegen die Belgier Olivier Rochus und Steve Darcis bereits zwei Breaks kassiert hatte. Weitere 16 Minuten später hatten Waske und Kohlmann den Tiebreak und am Ende auch das Match gewonnen.
Im deutschen Tennis 2007 klappt eben (fast) alles, da greift dann auch mal Plan B. Den musste Teamkapitän Patrik Kühnen aus der Schublade ziehen, nachdem bereits Mitte der vergangenen Woche klar war, dass Tommy Haas wegen seiner erneuten Probleme an der zweimal operierten rechten Schulter nicht im Rochusclub antreten würde.
Philipp Kohlschreiber, ohnehin seit ein paar Wochen der Mann der Stunde, ist somit in Düsseldorf die Nummer eins im Team, das zweite Einzel spielt Nachrücker Florian Mayer. Beide bestanden den ersten Härtetest gegen Belgien mit Bravour: Kohlschreiber legte gegen Rochus vor, Mayer zog gegen Kristof Vliegen nach.
Die Chemie stimmt
Unterschiedlicher als der "Kohli" und der "Flo" können zwei Charaktere innerhalb einer Mannschaft kaum sein, dennoch stimmt die Chemie. "Ob ich an 1 oder an 2 spiele, macht vielleicht von den Gegnern her einen kleinen Unterschied, aber für mich persönlich nicht", ließ Kohlschreiber mit breiter Brust wissen.
Die neue Verantwortung als Führungsspieler der deutschen Mannschaft nimmt der vor Selbstbewusstsein strotzende Augsburger gerne an: "Ich habe genügend Selbstvertrauen, um zu zeigen, dass ich auch die Nummer eins der anderen Länder bezwingen kann." Sicher sind der Tscheche Tomas Berdych und der Spanier David Ferrer ein anderes Kaliber als der brave Olivier Rochus, doch Kohlschreiber ist bereit: "Von mir aus kann kommen, wer will, ich bin da."
Bei Mayer klingt das alles ein wenig anders, der stille Franke findet sich selbst und sein Spiel durchaus verbesserungswürdig. "Ich habe schon ganz ordentlich gespielt, aber das kann natürlich noch viel besser werden", stellte er nach dem Sieg gegen Vliegen bescheiden fest. Auch seine Körpersprache auf dem Platz macht ihm immer noch zu schaffen: "Damit habe ich echt Probleme, wenn es mal nicht so läuft. Das ist nicht leicht bei mir."
Als Kühnen am Donnerstagabend rief, war der eigentlich gar nicht für Düsseldorf nominierte Mayer aber sofort da: "Man muss auch mal kurzfristig einspringen und sich auf solche Situationen einstellen können. Schließlich ist das mein Beruf."
Kühnen als der große Macher
Der Macher der neuen deutschen Tenniswelle ist Teamchef Patrik Kühnen. Wie keinem seiner Vorgänger gelang und gelingt es dem dreimaligen Daviscupsieger, die unterschiedlichen Typen mit Blick auf den gemeinsamen Erfolg unter einen Hut zu bringen. Tatkräftig assistieren ihm dabei die "Oldies" Waske und Kohlmann, die Atmosphäre in der Mannschaft ist geprägt von gegenseitigem Respekt und intensivem Miteinander.
"Die hierarchischen Strukturen sind immer ganz klar", sagte Kühnen in Düsseldorf: "Dennoch gibt es kein 'ich' und 'die anderen', sondern nur das große Wir." Mit einem ganz klar formulierten Ziel: "Wir wollen Mannschafts-Weltmeister werden." Gut möglich, dass der Plan B im Rochusclub aufgeht."
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