Arag World Team Cup: Tschechien über Deutschland ins Finale
zuletzt aktualisiert: 25.05.2007 - 18:08Düsseldorf (RPO). Gastgeber Deutschland hat Tschechien beim Arag World Team Cup im Düsseldorfer Rochusclub mit einer glatten 0:3-Niederlage den Vortritt ins Finale gelassen. Am letzten Spieltag der Blauen Gruppe verlor Philipp Kohlschreiber (Augsburg) das Auftaktmatch gegen Tomas Berdych mit 3:6, 2:6. Anschließend machte Florian Mayer (Bayreuth) die deutsche Niederlage durch ein 6:7 (4:7), 2:6 gegen Jan Hajek perfekt.
Auch das Doppel Michael Kohlmann/Benjamin Becker (Oberhausen/Orscholz) war beim 4:6, 4:6 gegen Berdych und Martin Damm ohne Chance. Tschechien trifft im Finale am Samstag (11.45 Uhr) auf den zweimaligen Turnisieger Argentinien, Deutschland belegte hinter Spanien den dritten Platz in der Tabelle.
Weit mehr als die deutsche Mannschaft stand am Freitag Boris Becker im Mittelpunkt des Geschehens. Der dreimalige Wimbledonsieger, nach einer Sprunggelenk-OP an Krücken, verkaufte zunächst Erdbeerkuchen für einen guten Zweck und analysierte dann den Auftritt seiner Nachfolger: "Tommy Haas hat gefehlt, das muss man ganz klar sagen. Eine Mannschaft braucht so einen erfahrenen Spieler, um Erfolg zu haben."
Mit einem gesunden Tommy Haas traut Becker seinen Erben auch im Daviscup-Halbfinale im September in Russland einiges zu: "Wir sind zwar nicht die Favoriten, aber die Chance ist da."
Erneut wiederholte Becker, der am 22. November 40 Jahre alt wird ("Da schaut man auf die Vergangenheit und hofft auf die Zukunft") seine Kritik an den Zuständen im deutschen Tennis. "Alex Waskes Idee von Tennis Germany ist gut, ich begrüße grundsätzlich alle Aktivitäten, die der Vermarktung unseres Sports dienen", erklärte Becker: "Auch der Rothenbaum braucht sowas, die ehemaligen und aktiven Spieler müssen viel mehr einbezogen werden."
Die aktuellen Spieler des Jahres 2007 hatten am Freitag nicht besonders viel zu bieten. Kohlschreiber war nach seiner glatten Niederlage gegen Berdych ziemlich frustriert. "Er hat mich einfach weggemacht", sagte der normalerweise recht selbstbewusste Augsburger: "Er hat da seelenruhig im Feld gestanden und den Ball reingezimmert wie er es brauchte."
Er selber habe sein Potenzial nicht mal ansatzweise abrufen können: "Ich hatte keine Länge, keinen Druck in den Schlägen. Ich wollte zu schnell zuviel und habe dabei viele Fehler gemacht."
Das traf auch auf Florian Mayer zu, der sowohl im ersten als auch im zweiten Satz gegen Jan Hajek jeweils mit einem Break vorne lag, den Vorteil aber nicht über die Zeit retten konnte. Der bullige Tscheche, als Ersatz für den angeschlagenen Radek Stepanek erst kurz vor Turnierbeginn ins Team geholt, musste nur auf die Fehler seines nervösen Gegners warten.
Am Ende gab es sogar Pfiffe für Mayer, der völlig ratlos und frustriert war: "Ich suche nach Lösungen, aber ich finde einfach nicht aus dieser Misere raus. Ich habe so viele Chancen, aber wenn es darauf ankommt, geht nichts mehr."
Auch für das deutsche "Ersatzdoppel" Benjamin Becker und Michael Kohlmann ging nicht viel. Den Doppelpokal hatten die US-Zwillinge Bob und Mike Bryan gewonnen, die in ihren drei Matches im Verlauf des Turniers nicht einen Satz abgegeben hatten. Das US-Team war in der Vorrunde nach einer insgesamt enttäuschenden Vorstellung als Gruppenletzter ausgeschieden.
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