Lakers und Celtics im NBA-Finale: Alte Rivalität, neues Kapitel
zuletzt aktualisiert: 03.06.2010 - 10:20Köln (RPO). Titelverteidiger gegen Rekordmeister, Westküste gegen Ostküste, Kobe Bryant gegen Paul Pierce: In der nordamerikanischen Profiliga NBA kommt es zum ewig jungen Basketball-Klassiker, wenn sich ab Freitag (3 Uhr MESZ) die Giganten der Los Angeles Lakers und Boston Celtics im Traumfinale gegenüberstehen.
Während die Fans dem mit Spannung erwarteten Duell der Seriensieger entgegenfiebern, spielt Bryant die Bedeutung schon einmal herunter: "Es ist mir egal, gegen wen wir spielen. Wir wollen den Titel und Boston steht uns im Weg", gab der Superstar der Lakers im Vorfeld der Best-of-seven-Serie kurz und knapp zu Protokoll.
Zum zwölften Mal in der über 60-jährigen NBA-Geschichte und zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren kommt es in der Finalserie zum Kräftemessen der mit Abstand erfolgreichsten Teams. Es ist das ewige Duell um die NBA-Vorherrschaft, und dennoch kommt die Neuauflage etwas unerwartet. Im Osten wurden die Cleveland Cavaliers mit Superstar LeBron James und auch der Vorjahresfinalist Orlando Magic vor der Saison deutlich stärker eingeschätzt als Boston, doch der Altmeister ließ beide Konkurrenten in den Play-offs abblitzen.
Dass die Lakers zum dritten Mal nacheinander um die NBA-Krone spielen, ist dagegen keine Überraschung. Das Team von Erfolgstrainer Phil Jackson war als Topanwärter auf den Titel in die Spielzeit gestartet, auch gegen Boston ist L.A. der Favorit.
Vor knapp 60 Jahren sahen die Kräfteverhältnisse noch anders aus. 1959 kam es zum ersten Finalduell, das Boston mit 4:0 gegen die Minneapolis Lakers gewann. In den folgenden zehn Jahren schlugen die Celtics ihren Rivalen, der inzwischen nach L.A. umgezogen war, sechs weitere Male. Erst in den 80ern gelang den Lakers die Wende, 1985 und 1987 behielten die Kalifornier die Oberhand und holten ihre beiden einzigen Titel gegen Boston.
Damals beherrschten Stars wie Larry Bird (Boston), Magic Johnson und Kareem Abdul-Jabbar (Los Angeles) die Szenerie, heute richten sich die Blicke auf Bryant und Pierce, für den der Kampf um den zweiten Ring in seiner Heimatstadt beginnt. "Ein Finale ist immer etwas Besonderes. Aber dort zu spielen, wo man aufgewachsen ist, ist etwas ganz Besonderes", sagte der Celtics-Kapitän kurz vor dem Abflug nach Kalifornien: "Das einzige Problem sind die ganzen Tickets, die ich besorgen muss. Das wird echt teuer für mich."
Bereits vor zwei Jahren kam Pierce in den Genuss, vor heimischer Kulisse gegen die Lakers um den Titel zu spielen. Mit 4: 2 ging die Serie an Boston, der 32-Jährige mit dem Spitznamen "The Truth" (Die Wahrheit) wurde zusätzlich zum wertvollsten Spieler (MVP) der Finals gewählt. Und die Celtics feierten nicht nur den 17. Titelgewinn der Vereinsgeschichte, der Rekordchampion verhinderte auch, dass die Lakers (15) in der Bestenliste gleichzogen.
Celtics-Coach Doc Rivers beschäftigt sich vor dem Wiedersehen mit den Stars aus L.A. nicht mit der Vergangenheit: "2008 war 2008. Das hat keine Bedeutung. Die Lakers haben sich seitdem stark verbessert, das gilt hoffentlich auch für uns."
Auch in Los Angeles ist die Serie heute kein Thema mehr, die Erlebnisse werden - so gut es geht - verdrängt. Vor allem die an das bittere Spiel sechs, als die Lakers in Boston mit 92:131 untergingen. Phil Jackson hat die Erinnerung an den schwarzen Tag sogar komplett gelöscht: "Ich leide unter Amnesie. Wann soll das gewesen sein?"
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