Super Bowl: "Big Ben" – der meist gehasste Spieler
zuletzt aktualisiert: 06.02.2011 - 19:48Hamburg/Dallas (RPO). Der 45. Super Bowl zwischen Rekordmeister Pittsburgh Steelers und den Green Bay Packers ist auch ein Duell der Quarterbacks. Während Steelers-Spielmacher Ben Roethlisberger als "Enfant terrible" gilt und um seinen Ruf kämpft, will Aaron Rodgers bei den Packers aus dem Schatten seines Vorgängers treten.
"Big Ben" weiß, was die Stunde geschlagen hat. Lächelnd bewegt sich Ben Roethlisberger dieser Tage durch Dallas. Nett, freundlich, fast zuvorkommend. Für den Quarterback der Pittsburgh Steelers geht es in der Nacht zum Montag (0.30 Uhr/ARD, Sport1+ und ESPN America) nicht nur um den Sieg gegen die Green Bay Packers und den Triumph im 45. Super Bowl. Der 28-Jährige kämpft auch um sein Image. Schluss mit Frauengeschichten, Schluss mit dem Alkohol, Schluss mit Eskapaden abseits des Platzes.
"Freue mich auf jede Sekunde"
"Ich werde dieses Spiel genießen und freue mich auf jede Sekunde. Man weiß nie, ob es das letzte Mal sein wird", sagt Roethlisberger vor dem Finale der National Football League (NFL). Noch vor wenigen Monaten war der Spielmacher abgeschrieben, ganz unten angekommen. Wieder einmal. Die NFL suspendierte ihn für die ersten vier Spiele der Saison. Stark benebelt soll sich Roethlisberger auf einer Kneipentoilette an einer College-Studentin vergangen haben. Schon ein Jahr zuvor hatte es angeblich einen ähnlichen Vorfall gegeben.
Zumindest die Fans außerhalb Pittsburghs haben ihm bis heute nicht verziehen. Bei einer Umfrage des Hollywood Reporter wurde Roethlisberger unlängst zum meist gehassten Spieler des Super Bowls gewählt. Doch "Big Ben" setzt zur großen Charme-Offensive an. "Ich will ein besserer Mensch und ein Vorbild für die Kinder sein. Jeder Zweifel ist für mich eine große Herausforderung", sagt er und versucht einen Blick in seine Seele zu gewähren. Über dem buschigen Bart blinzeln treue Augen. Roethlisberger weiß: Er lebt und spielt auf Bewährung.
Traum vom dritten Ring
Dabei gibt es an seinen sportlichen Fähigkeiten keinen Zweifel. Schon 2006 und 2009 führte er Rekordmeister Pittsburgh zum Sieg im Super Bowl. Nun soll Meisterschaftsring Nummer drei folgen. "An meinen Fingern ist noch reichlich Platz", sagt Roethlisberger und erhält sogar Zuspruch von seinem Chefkritiker. Terry Bradshaw, Quarterback-Legende der Steelers und viermaliger Super-Bowl-Sieger, hat mit seinem legitimen Nachfolger Frieden geschlossen. "Wir sind beide Mitglieder der Steelers-Familie. Er hat meine Unterstützung", versicherte der 62-Jährige, der in Pittsburgh noch immer alles überstrahlt.
Mit den Schatten der Vergangenheit hat auch Aaron Rodgers zu kämpfen. Der Spielmacher der Packers ist im Gegensatz zu seinem Gegenüber Roethlisberger zwar der Traum aller Schwiegermütter, doch sein Vorgänger war immerhin Brett Favre. 2008 löste er die Klub-Ikone ab. Favre schied im Unfrieden und machte Rodgers das Leben damit nicht leichter. Mit seinem ersten Super-Bowl-Einzug hat sich der 27-Jährige aber wohl freigeschwommen.
"Ich habe immer versucht, meinem Charakter treu zu bleiben, und konnte mich auf die Unterstützung der Packers verlassen", sagt Rodgers: "Wenn wir den Super Bowl gewinnen, geht ein Traum in Erfüllung. Ich will diese Mannschaft führen und ihr helfen. Das Rampenlicht ist mir egal." Auch Roethlisberger könnte zukünftig wohl auf das eine oder andere Blitzlichtgewitter verzichten. Nur gegen die Packers will er wieder im Mittelpunkt stehen. Als strahlender Held mit der Vince-Lombardi-Trophy im Arm.
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