Ganz New Orleans feiert die Saints: Ein Sieg der Auferstandenen
zuletzt aktualisiert: 08.02.2010 - 13:21Miami (RPO). Als Tracy Porter in Miami 192 Sekunden vor dem Abpfiff einen Pass von Peyton Manning abfing und zu einem unaufhaltsamen Lauf in die Endzone der Indianapolis Colts ansetzte, unterbrachen sogar die Tänzerinnen in der berühmten Bourbon Street von New Orleans für kurze Zeit ihre Darbietungen.
Gebannt verfolgte die ganze Südstaatenmetropole den entscheidenden Touchdown im 44. Super Bowl, dem Endspiel der amerikanischen Football-Liga NFL, ehe sich die Anspannung in einem hochemotionalen Freudentaumel entlud.
"So sollte es geschehen. Das war unser Schicksal", sagte ein sichtlich bewegter Drew Brees im Konfettiregen von Miami. Keine fünf Jahre nachdem der verheerende Wirbelsturm "Katrina" die Stadt nahezu vollständig verwüstet und Hunderttausende Menschen obdachlos gemacht hatte, führte der Star-Quarterback der New Orleans Saints vor 74.500 Zuschauern seine Mannschaft zum ersten Super-Bowl-Sieg in der 43-jährigen Vereinsgeschichte.
Sieg der Auferstandenen
Nach dem 31:17 über die leicht favorisierten Colts ließen die Bewohner der gebeutelten Stadt ihrer Freude auf den Straßen freien Lauf. Hupkonzerte, spontane Gesangseinlagen, Feuerwerke und von Einheimischen geherzte Touristen prägten am späten Abend die Szenerie. Und vor den Fernehschirmen freuten sich Zuschauer in 230 Ländern mit den Auferstandenen.
Für Spielmacher Brees, der mit seinen präzisen Anspielen 288 Yards Raumgewinn und zwei Touchdowns ermöglichte, und dafür zum wertvollsten Spieler des Finales (MVP) gewählt wurde, konnte dem Triumph gar nicht genug Bedeutung beimessen: "Wir haben für soviel mehr als nur für uns selbst gespielt. Wir haben für unsere Stadt, für die gesamte Golfküsten-Region und alle, die uns bei diesem schwierigen Weg begleitet haben, gespielt".
Der 31-Jährige unterschrieb wenige Monate nach der Naturkatastrophe - und fand in New Orleans seine Bestimmung. Brees, der nach elf Schulteroperationen eigentlich schon abgeschrieben war, identifizierte sich mit der Stadt. Er richtete einen Hilfsfonds ein und war sich nicht zu schade, mit eigenen Händen den Wiederaufbau voranzutreiben.
Zeitgleich entwickelten sich die Saints, die bis dahin allenfalls Mittelmaß verkörperten, zu einem Team mit Perspektive. In dieser Saison verloren sie nur drei Saisonspiele und zogen so erstmals in das Finale der besten Liga der Welt ein.
Eine bessere Bilanz wiesen in der abgelaufenen Saison nur die Colts auf. Erst im Dezember riss eine Serie von 23 Spielen ohne Niederlage, die längste in der NFL-Geschichte. Dass es dennoch nicht zur dritten Meisterschaft in der Vereinsgeschichte reichte, lag ausgerechnet auch an Star-Quarterback Peyton Manning.
In der Schlussphase des größten Einzelsportereignisses der Welt erlaubte sich der 33-Jährige den entscheidenen Fehlpass und ermöglichte Saints-Verteidiger Porter einen Lauf über 74 Yards und den entscheidenden Touchdown. "Ich kann nachvollziehen, was das für die Saints und New Orleans bedeutet, aber wir sind einfach nur sehr enttäuscht, dass wir es nicht geschafft haben", so Manning, der 2007 mit den Colts an gleicher Stelle noch der strahlende Sieger war.
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