Eishockey-Legende Wayne Gretzky: "Game over" für "The Great One"
zuletzt aktualisiert: 25.09.2009 - 16:25Glendale/Arizona (RPO).Als Spieler war Wayne Gretzky der beste Eishockey-Profi, den die Welt je gesehen hat; als Trainer ist er bei seinem ersten Klub Phoenix Coyotes gescheitert – am chaotischen Umfeld, den finanziellen Zwängen, aber auch an sich selbst. Der frühere Rekordjäger auf dem Eis hat in seinen ersten vier Jahren an der Bande in der nordamerikanischen Profiliga NHL nicht ansatzweise die Erwartungen erfüllt.
"Ich habe die Zeit hier als Trainer geliebt. Es war eine Ehre für mich. Nicht einen einzigen Tag habe ich es als selbstverständlich genommen", sagte Gretzky dennoch stolz. Seinen Rücktritt als Coach und Sportdirektor rund zehn Tage vor dem Saisonstart begründete die NHL-Ikone mit den ungeklärten Besitzerverhältnissen bei dem Klub aus Arizona: "Wir haben alle gehofft, dass Anfang dieses Monats eine Entscheidung fallen würde. Aber diese nimmt offensichtlich mehr Zeit in Anspruch."
Doch letztlich haben auch sportliche Gründe zur Trennung geführt. Gretzkys Bilanz ist katastrophal: In jedem Jahr verpasste der 48-Jährige, der sagenhafte 61 NHL-Rekorde - darunter die meisten Tore (894), Assists (1963) und Scorerpunkte (2857) - aufstellte, mit Phoenix die Play-offs.
"Den Coach und den Spieler Gretzky kann man nicht vergleichen", hatte der Kanadier bei seiner Vorstellung gewarnt. Doch natürlich hofften alle, dass Gretzky den notorisch erfolglosen Klub dorthin führt, wo er selbst jahrelang gestanden hatte: an die Spitze.
Die Zweifel an seinen Qualitäten als Trainer wurden zuletzt aber immer größer - und das nicht nur bei den verbliebenen Bietern für den bankrotten Klub, der im Mai angesichts von Millionen-Defiziten Konkurs angemeldet hatte. "Das Ende eines Fehlers", titelte die Zeitung The Tribune und meinte: "Ehrlich gesagt hätte er schon Jahre vorher gefeuert werden sollen. Aber niemand hatte den Mut, ihm gegenüberzutreten."
Wie auch? Seitdem der viermalige Stanley-Cup-Sieger mit den Edmonton Oilers im Jahr 2000 nach dem Ende seiner ruhmreichen Karriere als Teilhaber bei den Coyotes einstieg, scharrte er Freunde und Verwandte um sich, die wie sein jüngerer Bruder Keith als Scout-Direktor der Amateure offizielle Funktionen im Klub übernahmen.
Viele Spieler wurden verpflichtet, zu denen Gretzky privat einen guten Draht pflegte, die sportlich aber nicht weiterhalfen. Dazu hat der Name Wayne Gretzky auch heute noch eine derart starke Strahlkraft, dass sich niemand mit Kritik an der Ikone die Finger verbrennen wollte.
So durfte der Trainer, der 8,5 Millionen US-Dollar im Jahr kassieren soll, nahezu unantastbar vier Jahre lang vor sich hinwerkeln. Doch hinter den Kulissen bröckelte das Denkmal. "In Phoenix haben wir fast jeden Tag alles verändert. Wir hatten nicht wirklich ein System", sagte jüngst Ex-Coyote Derek Morris. Das Training unter Gretzky, so klagten einige Spieler hinter vorgehaltener Hand, sei rückständig.
Nachfolger wird David Tippett, der in der vergangenen Spielzeit bei den Dallas Stars nach über sechs Jahren entlassen worden war. Doch auch Gretzky - das steht außer Frage - wird in der NHL schnell wieder einen Posten finden, auch wenn sein Image ein wenig angekratzt ist. Allerdings eignet sich die eigentlich als Danksagung gedachte Erklärung des Klubs nicht gerade als Bewerbungsschreiben: "Sein Erbe wird zweifelsohne einen bleibenden Eindruck hinterlassen."
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