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Buenos Aires
Messis Rücktritt vom Rücktritt

Buenos Aires. Der Argentinier möchte nun doch wieder für die Nationalmannschaft spielen.

Als Lionel Messi seine argentinischen Landsleute nach Wochen des Hoffens und Bangens mit seinem Rücktritt vom Rücktritt erlöste, griff der sonst so stille Weltfußballer zu großen Worten. "Meine Liebe für mein Land und dieses Trikot ist einfach zu groß", so erklärte Messi seinen Sinneswandel nach nur 47 Tagen und fuhr nicht minder pathetisch fort: "Es gibt schon genug Probleme im argentinischen Fußball: Ich will nicht für noch mehr sorgen."

Die Tragweite dieser Ansage war kaum zu fassen. Selbst Staatspräsident Mauricio Macri hatte Messi zuletzt förmlich auf Knien angefleht, in die Nationalelf zurückzukehren. Und nun war Macri einer der eifrigsten Gratulanten. "Eine große Nachricht für den Fußball in der ganzen Welt und für ganz Argentinien. Glückwunsch Lio und danke", schrieb er bei Twitter.

In den Ausgaben der großen Tageszeitungen verdrängte die Meldung seines Comebacks für einige Stunden die Weltpolitik und auch das Olympia-Geschehen in Rio de Janeiro von den Titelseiten. In den sozialen Netzwerken feierten die zahlreichen Anhänger der Initiative #NoTeVayasLio ("Geh nicht, Lio") ihren Erfolg.

Dennoch ist der Tenor in Argentinien nicht ausschließlich positiv. Die konservative Zeitung La Nación charakterisierte Messi als "Kapitän, der nie einer war". Auch bei Facebook, Twitter und Co. sprachen nicht wenige Fans von einer "vorhersehbaren", ja sogar "feigen" Entscheidung. Andere mutmaßten, das Comeback des 29-Jährigen stehe in direktem Zusammenhang mit dem EM-Gewinn der portugiesischen Nationalmannschaft um seinen Intimfeind Cristiano Ronaldo von Real Madrid.

Messis Botschaft ist in jedem Fall unmissverständlich: Ungeachtet aller Enttäuschungen im Nationaltrikot - mit den negativen Höhepunkten des verlorenen WM-Finals 2014 und zuletzt seines Fehlschusses im Copa-America-Finale gegen Chile (2:4 i.E.) - gibt sich das Idol mit seiner Landesauswahl doch noch eine Chance auf den ersten großen Titel nach Olympia-Gold 2008. Nachdem Messi den WM-Pokal vor zwei Jahren gegen Deutschland (0:1 n.V.) bereits dicht vor Augen hatte, ist der WM-Triumph 2018 in Russland das neue und wohl ultimative Ziel von "La Pulga (der Floh)".

In einem langen Gespräch überzeugte der erst zu Monatsbeginn angetretene neue Nationaltrainer Edgardo Bauza den Superstar von der Rolle rückwärts. Keine drei Stunden später war Messis Rückkehr auf dem Nominierungsbogen für die nächsten beiden WM-Qualifikationsspiele dann offiziell: Bereits am 1. September in Mendoza gegen den Nachbarn aus Uruguay wird Messi sein 114. Länderspiel für Argentinien absolvieren, fünf Tage später wartet auf den Dritten der Südamerika-Tabelle die nächste Aufgabe in Venezuela.

Mit seiner Erfahrung, seinen Toren und nicht zuletzt auch seiner Aura soll Messi der jungen argentinischen Mannschaft noch mindestens zwei Jahre vorangehen. Dass das Team dies nötig hat, belegen die Eindrücke der Olympischen Spiele. Nach dem enttäuschenden 1:1 im letzten Gruppenspiel gegen Fußballzwerg Honduras, das schon das enttäuschende Aus bedeutete, kam es zu Beschimpfungen von Fans und Medien gegen die eigene Mannschaft.

Quelle: RP
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