Leichtathletik:: Michael Johnson dementiert 200-m-Rücktritt
zuletzt aktualisiert: 25.07.2000 - 12:42Sacramento (sid). Leichtathletik-Superstar Michael Johnson (Foto links) sorgt nach seiner Verletzung im 200-m-Finale der US-Trials zu Wochenbeginn weiter für Wirbel. Der Doppel-Olympiasieger dementierte in der Dienstag-Ausgabe der Tageszeitung USA Today seinen erst kurz zuvor via Internet verkündeten Rücktritt von den 200 Metern. "Ich habe niemals gesagt, dass ich mich für immer von dieser Strecke zurückziehen will", wird der Weltrekordler zitiert, der sich im Finale am Sonntagabend in Sacramento wie sein Rivale Maurice Greene eine schmerzhafte Muskelverletzung im linken Oberschenkel zugezogen hatte.
Auf der Internetseite des US-Fernsehsenders NBC, der auch die Übertragungsrechte an den Olympischen Spielen in Sydney hat, hatte Johnson noch verlauten lassen: "Ich weiß nicht, was ich dort noch erreichen soll. Das Finale war mein letztes Rennen über 200 m. Ob der Weltrekordler nach seiner am Wochenende erlittenen Blessur in Sydney an den Start gehen kann, wird sich erst Mitte der Woche nach einigen ärztlichen Untersuchungen entscheiden.
Michael Johnson nannte auf der NBC-Internetseite auch den vieldiskutierten verbalen Schlagabtausch mit Weltmeister Maurice Greene als Grund für seinen "halben" Rücktritt: "Ich habe keine Lust mehr auf solche Spielchen. Deshalb werde ich mich jetzt voll auf die 400 m konzentrieren, wo sich die Gegner noch respektieren." Unterdessen erklärte Greene-Coach John Smith, dass sein Schützling in den nächsten zwei bis drei Wochen keine Rennen bestreiten werde. "Es geht ihm soweit ganz gut, er hat eine Zerrung im Oberschenkel. Aber zum Glück hat er den Lauf abgebrochen, bevor etwas gerissen ist", so Smith.
Greene und Johnson hatten sich in Sacramento zuvor bereits über 100 bzw. 400 m für Sydney qualifiziert und wurden vom US-Männer-Coach John Chaplin vorsorglich für die jeweiligen Staffeln nominiert: "Sie sind die Weltmeister. Wenn sie gesund sind, werden sie laufen."
Einen Tag nach dem Schock im 200-m-Showdown rechnete Michael Johnson gnadenlos mit der Szene ab. "Ich hatte die Nase voll, bin nur noch gelaufen, weil ich mich der Konkurrenz stellen wollte. Ich war soweit, dass ich wahrscheinlich selbst bei einer Qualifikation für die Olympischen Spiele dort über 200 m nicht mehr angetreten wäre." Auch der Druck von außen - sprich Sponsoren und das mächtige US-Fernsehen - scheint bei Johnsons überraschendem Rückzug eine Rolle zu spielen. "Am Ende zogen alle Vorteile aus meinem Dabeisein, nur ich nicht."
Seinem Intimfeind Maurice Greene verpasste der 32-Jährige zum Abschied noch eine verbale Breitseite: "Es drehte sich nicht mehr um Leistung, sondern nur noch darum, wer den anderen am besten niedermachen konnte. Mit so etwas möchte ich nichts mehr zu tun haben." Dies gilt offensichtlich auch für seine Zusagen für die Meetings von Brüssel (25. August) und Rieti (3. September), deren Organisatoren am Montag von Johnsons Coach Clyde Hart die Pistole auf die Brust gesetzt bekamen. "Michael wird dort entweder über 400 Meter oder überhaupt nicht an den Start gehen."
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