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Zahlen sinken
Auch Funkskandal rettet TV-Quoten der DTM nicht

Fotos: Wehrlein bekommt Meisterpokal überreicht
Fotos: Wehrlein bekommt Meisterpokal überreicht FOTO: dpa, ua nic
Hockenheim/Köln. Vor der Saison hatte die DTM umfangreiche Reglement-Änderungen vorgenommen. Die Fahrer waren begeistert, die Trendwende bei der TV-Quote blieb aber aus. Und das trotz eines handfesten Skandals.

Der Funkskandal von Spielberg, umfangreiche Regeländerungen für mehr Renn-Action und ein spannender Titelkampf mit Pascal Wehrlein als bislang jüngstem Meister - die DTM blickt auf eine ereignisreiche Saison zurück. Unter dem Strich steht aber auch die Erkenntnis, dass die Tourenwagenserie trotz zahlreicher Maßnahmen den Turnaround in der Publikumsgunst nicht geschafft hat.

Im Schnitt verfolgten lediglich 1,017 Millionen Fernsehzuschauer die Übertragungen der 18 Rennen in der ARD. Trotz der Aufstockung auf zwei Läufe pro Rennwochenende und der Verlegung einiger Rennen in die publikumsfreundlicheren Nachmittagsstunden waren das 73.000 weniger als bei den zehn Rennen der Vorsaison.

Fotos: Pascal Wehrlein feiert seinen vorzeitigen Titelgewinn FOTO: dpa, jt nic

Dabei hatte sich DTM-Boss Hans-Werner Aufrecht beim Saisonstart in Hockenheim gegenüber speedweek.com noch "zuversichtlich" gezeigt, "eine deutliche Quotensteigerung" zu erzielen. Auf SID-Anfrage verwies Aufrecht nun darauf, dass mit Ausnahme des Fußballs "nahezu alle Sportevents" mit sinkendem Interesse zu kämpfen hätten.

Unrecht hat der 76-Jährige nicht: Die Quoten der Formel 1 etwa setzten 2015 ihren Sinkflug fort, auch die Spiele der deutschen Basketball-Nationalmannschaft bei der Heim-EM in Berlin überschritten trotz Zugpferd Dirk Nowitzki nur knapp die Millionen-Marke.

Die Quoten sind dennoch keine ideale Grundlage für die Gespräche mit dem TV-Partner ARD über die Verlängerung des auslaufenden Vertrages - vor zehn Jahren schalteten noch rund doppelt so viele Zuschauer ein.

Porträt: Pascal Wehrlein: DTM-Champion und Formel-1-Hoffnung FOTO: dpa, hak

ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sagte dem SID knapp, man werde die weitere Zusammenarbeit "in aller Ruhe zeitnah nach der Saison mit dem Vermarkter ITR diskutieren". Allerdings räumte er ein, dass eine weitere Steigerung der Quoten "wünschenswert" sei.

"Wir werden mit Sicherheit auch in den nächsten Jahren einen kompetenten und starken TV-Partner haben. Die Quoten der letzten Jahre lassen uns zuversichtlich in die Zukunft blicken", gab sich Aufrecht optimistisch.

Zumindest die Fahrer sind durch die Bank "glücklich" (Marco Wittmann) oder "happy" (Timo Glock) mit der Entwicklung der Serie. Das unterschiedliche Layout mit 40 Minuten Rennlänge am Samstag und 60 Minuten mit Pflichtboxenstopp am Sonntag hat zudem unterschiedliche Anforderungen geschaffen.

Der neue Meister Pascal Wehrlein (Mercedes) ist ein Fan des "Mixed"-Wochenendes. "Am Sonntag kann man über die Strategie viel mehr zum Positiven und Negativen verändern. Am Samstag heißt es Fahrzeug gegen Fahrzeug", sagte der Worndorfer, der am Samstag mit 20 Jahren und 364 Tagen zum jüngsten DTM-Champion avancierte, dem SID.

Optimierungsbedarf sehen einige Piloten trotzdem. Die "Prozessionen" gerade bei den kürzeren Samstagsrennen waren sicher kein quotenförderlicher Faktor in dieser Saison. Verantwortlich dafür waren nicht zuletzt die Performance-Gewichte, welche den erfolgreichsten Fahrern und Marken ins Auto geladen wurden.

So ergaben sich besonders in der ersten Saisonhälfte einseitige Rennen, die im Wechsel von den drei Marken Audi, BMW und Mercedes dominiert wurden. Dies gipfelte im Siebenfach-Sieg der zu Saisonbeginn noch chancenlosen BMW in Zandvoort. Historisch, aber nicht unbedingt im Sinne der Serie.

Bei den Performance-Gewichten will daher auch Aufrecht für die Saison 2016 ansetzen, "damit die Auswirkungen etwas geringer sind als in diesem Jahr". In der Gesamtheit ist er von der Zukunftsfähigkeit der DTM überzeugt: "Ich sehe keinen Grund, dass wir drastische Änderungen vornehmen müssen."

(sid)
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