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Fazit der Saison 2015
DTM kommt trotz Funkskandal und Regel-Revolution kaum voran

Bilder: Die Beteiligten am DTM-Skandal von Spielberg
Bilder: Die Beteiligten am DTM-Skandal von Spielberg FOTO: dpa, jt jhe
Hockenheim. Vor der Saison hatte die DTM umfangreiche Reglement-Änderungen vorgenommen. Die Fahrer sind begeistert, die Trendwende bei der TV-Quote blieb aber aus.

Der medienwirksame Funkskandal von Spielberg, umfangreiche Regeländerungen für mehr Renn-Action und die Rekordjagd von Youngster Pascal Wehrlein - trotz einer ereignisreichen Saison biegt die DTM am Wochenende mit einer durchaus ernüchternden Erkenntnis auf die Zielgerade in Hockenheim ein. Vor den Titelentscheidungen am Samstag und Sonntag ist klar: die Tourenwagenserie hat den Turnaround in der Publikumsgunst trotz zahlreicher Maßnahmen nicht geschafft.

Im Schnitt verfolgten lediglich 1,02 Millionen Fernsehzuschauer die Übertragungen der bisherigen 16 Rennen in der ARD. Trotz der Aufstockung auf zwei Läufe je Rennwochenende sind das 70.000 weniger als bei den zehn Rennen der Vorsaison. Allein wenn man die Quoten der Qualifyings von 2014 berücksichtigt, deren Sendeplatz nun das Samstagsrennen einnimmt, stieg die Zahl der TV-Zuschauer von 0,89 Millionen um etwa 130.000 an.

Dies ist freilich eine geschönte Rechnung - der sich DTM-Boss Hans-Werner Aufrecht allerdings bedient. Es spreche für "ein gutes Produkt", wenn die DTM "ihre Zuschauerzahlen halten beziehungsweise sogar leicht steigern kann", teilte er auf SID-Anfrage mit. Mit Ausnahme des Fußballs hätten "nahezu alle Sportevents" mit sinkendem Interesse zu kämpfen, führte Aufrecht aus.

"Wir werden mit Sicherheit auch in den nächsten Jahren einen kompetenten und starken TV-Partner haben. Die Quoten der letzten Jahre lassen uns zuversichtlich in die Zukunft blicken", gab sich Aufrecht optimistisch.

Die Quoten sind dennoch keine ideale Grundlage für die Gespräche mit dem TV-Partner ARD über die Verlängerung des auslaufenden Vertrages. Das Ausscheiden der DTM aus der ersten Reihe des Fernsehens droht. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sagte dem SID knapp, man werde die weitere Zusammenarbeit "in aller Ruhe zeitnah nach der Saison mit dem Vermarkter ITR" diskutieren. Gleichwohl räumte er ein, dass eine weitere Steigerung der Quoten "wünschenswert" sei.

Zumindest die Fahrer sind durch die Bank "glücklich" (Marco Wittmann) oder "happy" (Timo Glock), zweimal am Wochenende zu fahren. Das unterschiedliche Layout mit 40 Minuten Rennlänge am Samstag und 60 Minuten mit Pflichtboxenstopp am Sonntag hat zudem unterschiedliche Anforderungen geschaffen.

Besonders Meisterschaftsleader Pascal Wehrlein (Mercedes) ist ein Fan des "Mixed"-Wochenendes. "Am Sonntag kann man über die Strategie viel mehr zum Positiven und Negativen verändern. Da spielen andere Faktoren eine größere Rolle. Am Samstag heißt es Fahrzeug gegen Fahrzeug", sagte der 20-Jährige, dem bereits ein dritter Platz am Samstag zum Titelgewinn als jüngster Fahrer der DTM-Historie genügt, dem SID.

Optimierungsbedarf sehen einige Piloten trotzdem. Um Meister zu werden, müsse man "ein schneller Langweiler sein", befand etwa Altmeister Mattias Ekström (37). Der Schwede mit dem eindeutigen Leitsatz "Go hard or go home" wünscht sich mehr Action. Man dürfe "nicht nur den Fokus darauf legen, auf einer Asphaltstrecke schön hintereinander zu fahren".

Die "Prozessionen" gerade bei den kürzeren Samstagsrennen waren sicher kein quotenförderlicher Faktor in dieser Saison. Verantwortlich dafür waren nicht zuletzt die Performance-Gewichte, welche den erfolgreichsten Fahrern und Marken ins Auto geladen wurden.

So ergaben sich besonders in der ersten Saisonhälfte einseitige Rennen, die im Wechsel von den drei Marken Audi, BMW und Mercedes dominiert wurden. Dies gipfelte im Siebenfach-Sieg der zu Saisonbeginn noch chancenlosen BMW in Zandvoort. Historisch, aber nicht unbedingt im Sinne der Serie.

Bei den Performance-Gewichten will daher auch Aufrecht in der neuen Saison ansetzen, "damit die Auswirkungen etwas geringer sind als in diesem Jahr". In der Gesamtheit ist er von der Zukunftsfähigkeit der DTM überzeugt: "Ich sehe keinen Grund, dass wir drastische Änderungen vornehmen müssen."

(sid)
 
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