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Bauch oder Kopf?
Bradl grübelt über Zukunft

Das ist Stefan Bradl
Das ist Stefan Bradl FOTO: AFP
Hohenstein-Ernstthal. Stefan Bradl muss sich entscheiden. Soll er seine Karriere in der MotoGP fortsetzen oder lieber den Schritt in die Superbike-WM wagen? Vor dem Heimrennen auf dem Sachsenring ist die Zukunft des Zahlingers offen.

Eigentlich wollte Stefan Bradl seine Zukunft bis zum Heimrennen auf dem Sachsenring geklärt haben, die Entscheidung lässt aber auf sich warten. Geht es vielleicht doch in der MotoGP weiter? Kommt es zum Wechsel in die Superbike-WM? Schon bald soll Klarheit darüber herrschen, auf welchem Motorrad der unentschlossene Zahlinger im neuen Jahr sitzt.

"Mein Bauchgefühl sagt mir einerseits, ich soll in der MotoGP bleiben. Anderseits wäre ein Zweijahresvertrag in einem Top-Superbike-Team mit dem weltgrößten Hersteller auch reizvoll", sagte Bradl unlängst bei speedweek.com.

Die Rede ist von Honda, der 26-Jährige könnte im Werksteam an der Seite des früheren MotoGP-Weltmeisters Nicky Hayden aus den USA fahren. Die Variante hat ihre Vor- und Nachteile, genau wie die Alternative.

Seit der Dutch TT vor drei Wochen im niederländischen Assen weiß Bradl, dass es für ihn bei Aprilia nicht weitergeht. Die besten Plätze für die neue Saison in der Königsklasse sind aber längst vergeben, bei Avintia Racing wäre eine Ducati frei. Allerdings stünde dem WM-Zwölften dort für das kommende Jahr nur ein 2016er-Modell zur Verfügung, also eine Maschine, mit der Spitzenplätze nicht machbar sind.

Bradl, einziger deutscher MotoGP-Pilot, fährt seit seinem Abschied von LCR-Honda nach der Saison 2014 nicht mehr vorne mit. Im Vergleich zu 2015, als er mit 17 Punkten als WM-18. enttäuschte, läuft es in diesem Jahr viel besser. In vier von acht Rennen kam der frühere Moto2-Champion unter die Top 10, doch Bradl will mehr.

Es geht um Perspektiven. Bei den Superbikes, in der Weltmeisterschaft für seriennahe Maschinen, würde ihm Honda Top-Material zur Verfügung stellen. Hayden (34), der nach der abgelaufenen Saison die MotoGP-Prototypen hinter sich gelassen hatte, stand bereits dreimal auf dem Podium und gewann sogar in Malaysia. Von einem Sieg kann Bradl seit langer Zeit nur träumen, es ist im Kampf mit den überlegenen Werksmaschinen schlicht unmöglich - selbst wenn es viele Ausfälle gibt.

Die Sehnsucht nach Erfolg macht die Superbike-WM reizvoll. Aber die MotoGP ist eben klar die Nummer eins der Motorrad-Welt, auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Bradl ist hin- und hergerissen, doch es muss eine Entscheidung her. "Es gibt Gespräche, aber nichts Konkretes. Mal sehen, was in den nächsten Tagen passiert", sagte der Bayer bei der traditionellen Auftaktpressekonferenz am Donnerstag.

Nach dem Test in Spielberg/Österreich (19./20. Juli) will Bradl wissen, wie es weitergeht und "die Ferien genießen". Erst Mitte August geht es dort nach der Sommerpause weiter. Zeitdruck verspürt der Jobsuchende nicht. Erst einmal gilt ohnehin die ganze Konzentration dem Heimrennen.

Im Vorjahr war Bradl wegen eines Kahnbeinbruchs nur als Zuschauer an der Strecke, allein deshalb ist er heiß. "Für mich wird das ein ganz besonderes Wochenende. Auch wenn die Strecke nicht zu meinen Lieblingspisten gehört, ist die Spannung darauf, zu Hause zu fahren, immer ganz groß", so Bradl.

Sollte es zum Abschied aus der MotoGP kommen, wird es vorerst die letzte Ausfahrt auf dem Sachsenring sein. Der Kurs gehört nicht zum Superbike-Kalender.

(sid)
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