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Langstreckenrennen
Zuschauer stirbt bei Unfall am Nürburgring

Nürburgring: Zuschauer stirbt bei Unfall
Der Wagen des Briten Jann Mardenborough überschlug sich und flog über die Streckenbegrenzung. FOTO: dpa, nic jai
Nürburgring. Beim Langstreckenrennen auf der Nordschleife verliert der Brite Mardenborough die Kontrolle über sein Auto, das über den Fangzaun fliegt. Ein 49-Jähriger wird tödlich verletzt. Weiter Starts einiger Klassen vorerst untersagt.

Nach dem Unfall-Tod eines Zuschauers am Samstag beim Saisonauftakt der VLN-Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring hat der Deutsche Motorsport-Bund (DMSB) reagiert. "Die Sicherheit der Teilnehmer und insbesondere der Zuschauer muss oberste Priorität haben", sagte Generalsekretär Christian Schacht. Bis die Analyse des Unfalls beendet ist, dürfen Fahrzeuge von fünf Klassen, allesamt Autos für die Langstrecke, nicht auf der Nordschleife starten.

Ungeachtet des vom Weltverband (Fia) vorgeschriebenen Fangzaunes war am Samstag ein Auto in die Zuschauer geflogen. Ein 49 Jahre alter Holländer starb trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen noch im Medical-Center an der Rennstrecke. Zwei weitere Zuschauer wurden zur medizinischen Versorgung ins Krankenhaus gebracht wie auch Nissan-Pilot Jann Mardenborough. Bei allen dreien waren die Verletzungen aber nicht gravierend.

Mardenborough hatte gut eine Stunde nach dem Start im Strecken-Abschnitt "Flugplatz" an der Quiddelbacher Höhe, einer der berüchtigten Sprungkuppen, die Kontrolle über seinen Nissan verloren. An dieser Stelle erreicht ein GT3-Wagen bei trockenen Verhältnissen rund 220 km/h. Das Auto mit der Nummer 23 hob kurz komplett ab, stellte sich in der Luft senkrecht und krachte dann gegen einen Reifenstapel. Von dort flog der Wagen über den Sicherheitszaun in die Zuschauer. Das Rennen wurde sofort abgebrochen.

Der Nissan-Rennstall sprach von einer "Tragödie". Es sei "unfassbar traurig, dass heute ein Zuschauer sein Leben bei unserer Leidenschaft verloren hat", schrieb Mercedes-Fahrer Jan Seyffarth, der bei dem Rennen von der Pole Position gestartet war. "Mir fehlen immer noch die Worte", bekannte DTM-Champion und BMW-Werksfahrer Marco Wittmann. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft Koblenz begannen schon am Samstag mithilfe eines Gutachters mit den Ermittlungen zum genauen Unfallhergang. Das Auto wurde sichergestellt.

Die auf vier Stunden angesetzte "61. ADAC-Westfalenfahrt" sollte den Werksteams verschiedener Hersteller auch zur Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring Mitte Mai dienen. In der 38-jährigen Historie der Serie hatte es nie Unfälle gegeben, bei denen Zuschauer verletzt wurden.

Mardenborough gilt als talentierter Rennfahrer. Er startete seine Karriere dank der GTAcademy von Nissan, bei der über virtuelle Autorennen auf der Spielekonsole die Fähigkeiten junger Fahrer getestet wurden. Mardenborough setzte sich dabei gegen tausende Gegner durch und durfte danach bei Langstreckenrennen mitfahren. Für diese Saison erhielt er bei Nissan einen Vertrag als Werksfahrer in der Langstrecken-WM und wurde auch für das 24 Stunden Rennen in Le Mans Mitte Juni gemeldet. Der Brite habe alle notwendigen Lizenzen und Zulassungen gehabt, hieß es.

Das Unglück gibt anhaltenden Bedenken über die Sicherheit auf der legendären, über 20 Kilometer langen Nordschleife neue Nahrung. Die "Grüne Hölle" ist ein ebenso beliebtes wie berüchtigtes Relikt aus einer längst vergangenen Rennsport-Ära. Seit dem Feuerunfall von Niki Lauda am 1. August 1976 fährt die Formel 1 nicht mehr auf der Nordschleife, auf der nun vor allem Tourenwagen- und Breitensportrennen stattfinden. Die Streckenbetreiber investieren in die Sicherheit. Dreifachleitplanken, vom Automobil-Weltverband (Fia) vorgeschriebene Schutzzäune und ein Mindestabstand für die Zuschauer wurden umgesetzt - all das geschieht an der Nordschleife allerdings im Rahmen eingeschränkter Möglichkeiten, so wie bei einem engen Stadtkurs.

(dpa)
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