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Motorrad-WM
Umsteiger Bradl will "Klassenbester" sein

Das ist Stefan Bradl
Das ist Stefan Bradl FOTO: AFP
Stefan Bradl steht vor dem Neustart. Nach drei Jahren bei LCR-Honda fährt der Zahlinger nun für das schwächere Team Forward-Yamaha. Vom Podium kann der MotoGP-Pilot nur träumen, das Ziel ist ein anderes: Der Sieg in der sogenannten Open Class soll her.

Stefan Bradl hetzt durch den Wald. Stefan Bradl springt unter Bäumen Treppen hinauf, hangelt sich an Kletterstangen entlang und quält sich mit Liegestützen. Die Botschaft lautet: Stefan Bradl ist bereit wie nie. Genau mit diesen Worten beginnt und endet ein aufwendig produzierter Kurzfilm, der die Vorbereitung des MotoGP-Piloten auf eine in vielerlei Hinsicht besondere Saison dokumentiert.

Bradl weiß, dass er etwas zu beweisen hat. Und er weiß auch, dass er kleinere Brötchen backen muss. Stets hatte der 25-Jährige nur das Podium im Visier, die Zeiten sind aber erst einmal vorbei. Nach dem nicht ganz freiwilligen Abschied von LCR-Honda zum drittklassigen Team Forward-Yamaha stellt sich der Zahlinger hinten an, ehrgeizige Ziele hat der Umsteiger vor dem Saisonstart am Sonntag (20.00 Uhr/Eurosport) in Katar dennoch.

"Ich will an der Spitze der Open Class stehen und den Titel in dieser Kategorie holen", sagt Bradl. Platz eins hinter den mit besserem Material ausgerüsteten Fahrern der Werks- und werksunterstützen Teams soll also her. Das ist ambitioniert, vor allem mit Blick auf den Winter. Beim ersten Test schaffte es Bradl noch in die Top 10, danach lief nicht mehr viel zusammen.

Besonders die letzten drei Tage auf der Strecke waren ernüchternd. Erst legte ein Virus Bradl flach, dann warf der frühere Moto2-Weltmeister seine neue Maschine weg. Zum guten Schluss spielte auch noch das Wetter verrückt. "Eine Katastrophe", fasste Bradl die Ereignisse zusammen.

Dieser komplett verlorene Test, der 14 Tage vor dem WM-Auftakt genau dort stattfand, wo es am Wochenende um Punkte geht, könnte Bradl wehtun. Bei der Gewöhnung an ein neues Bike zählt jeder Kilometer, diese wertvollen Erfahrungen blieben auf der Strecke.
Dazu lässt sich kaum einschätzen, wo Bradl eigentlich steht.

Der Neustart wird ein Kaltstart. Bradl will beim Nachtrennen in der Wüste dennoch zeigen, dass er seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden kann. Es geht vor allem darum, über die gesamte Renndistanz schnell zu sein. Genau das schaffte Bradl zuletzt zu selten - und letztlich kostete es ihn den Job.

Sein Abstieg aus der zweiten in die dritte Klasse bringt auch ein paar Vorteile. Im Gegensatz zu den Werksfahrern darf er 24 statt 20 Liter Benzin pro Rennen verwenden, dazu einen weicheren Hinterreifen. Außerdem stehen Bradl über das Jahr zwölf statt fünf Motoren zur Verfügung, die während der Saison weiterentwickelt werden dürfen. Die Aggregate der Werke werden "eingefroren".

"Vorsichtig gesagt komisch" fand Bradl die neue Regel im Vorjahr. Da war die Perspektive aber auch noch eine andere. Mit Open-Fahrern wie seinem spanischen Forward-Vorgänger Aleix Espargaro, am Ende immerhin WM-Siebter, schlug er sich auf den Rennpisten regelmäßig herum. Es reichte im Gesamtklassement nur zu Rang neun, der schlechtesten Platzierung seit dem Wechsel in die Königsklasse (2012).

Bradl, der in dem Franzosen Loris Baz erstmals einen Teamkollegen in der MotoGP hat, soll sich an Espargaros Leistungen orientieren. Das macht er und schielt auf Platz acht. Die Umstellung von der Honda auf die Yamaha M1 sei schwierig gewesen, aber geglückt, sagt Bradl: "Insgesamt habe ich ein gutes Gefühl. Ich freue mich, dass ich wieder Rennen fahren kann."

(sid)
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