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Rigider Sparkurs
VW setzt den Rotstift an und zieht sich aus Rallye-WM zurück

Volkswagen setzt den Rotstift an und zieht sich aus Rallye-WM zurück
Sébastien Ogier hatte mit Volkswagen zahlreiche Titel eingefahren. FOTO: dpa, sam
Wolfsburg/Köln. Volkswagen zieht sich aus der Rallye-WM zurück. Die Neuausrichtung der Abteilung Motorsport trägt Züge eines rigiden Sparkurses.

Volkswagen setzt auch im Motorsport massiv den Rotstift an: Der vom Dieselskandal gebeutelte Weltkonzern hat am Mittwoch seinen Rückzug aus der Rallye-WM angekündigt. Selbst die Seriensiege von Weltmeister Sébastien Ogier und Co. waren für die Wolfsburger kein Argument mehr zum Bleiben: Die Rennserie WRC muss am Ende der laufenden Saison den Ausstieg ihres Zugpferdes verkraften.

"Die Marke Volkswagen steht vor gewaltigen Herausforderungen. Mit dem anstehenden Ausbau der Elektrifizierung unserer Fahrzeugpalette müssen wir all unsere Anstrengungen auf wichtige Zukunftstechnologien konzentrieren", sagte Entwicklungsvorstand Frank Welsch: "In der WRC haben wir unsere sportlichen Ziele weit übertroffen, nun werden wir Volkswagen Motorsport neu ausrichten und auch dort die Fahrzeugtechnik der Zukunft stärker in den Mittelpunkt rücken." Am vergangenen Wochenende hatte VW in Großbritannien vorzeitig den vierten Hersteller-Titel in Folge gewonnen.

Konkret will VW eine Ausweitung der Aktivitäten im Rallycross mit dem Beetle GRC prüfen. Im Gegensatz zur klassischen Rallye fahren in dieser Serie kleine Gruppen von Rennwagen Sprintrennen gegeneinander. "Gleichzeitig wird Volkswagen verstärkt im Kundensport Flagge zeigen", sagte Welsch und nannte in diesem Zusammenhang auch den Golf GTI TCR für die Rundstrecke. Zudem wolle man einen neuen Rallye-Polo nach R5-Reglement entwickeln.

Beschäftigungsgarantie für Mitarbeiter

Auf SID-Nachfrage bestätigte ein VW-Sprecher, dass weitere Engagements im Motorsportbereich derzeit nicht geplant seien. Damit leistet die Abteilung Motorsport ihren Beitrag zum Sparprogramm, dem sich der Konzern wegen des Dieselskandals und dessen Folgen zwangsweise unterziehen muss. Entlassungen in der Motorsportabteilung soll es aber nicht geben, VW gab sämtlichen Mitarbeitern am Mittwoch eine Beschäftigungsgarantie.

In der vergangenen Woche hatte sich VW-Tochter Audi aus der Langstrecken-WM zurückgezogen und damit auch den legendären 24 Stunden von Le Mans den Rücken gekehrt. Die Ingolstädter steigen dafür in die Elektro-Serie Formel E ein. "Das Rennen um die Zukunft tragen wir elektrisch aus", sagte der Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler. Ein Duell von Konzern-Mutter und -Tochter in der zukunftsträchtigen Rennserie wird es vorerst nicht geben.

Für das überaus erfolgreiche Rallye-Team von VW ist das Rennen in Australien Mitte November das letzte. Die WRC muss nach heutigem Stand in der kommenden Saison mit Citroen, Hyundai, Ford und Rückkehrer Toyota auskommen, vor allem Ex-Arbeitgeber Citroen und Toyota werden bereits als neue Ogier-Arbeitgeber gehandelt.

VW hatte mit dem Polo-R die Serie in den vergangenen Jahren fast nach Belieben dominiert. Neben den vier Fahrertiteln für Ogier hatten die Wolfsburger seit 2013 jeweils auch die Konstrukteurs-WM gewonnen.

"Natürlich bedauern wir den Abschied aus der WRC sehr - für die Marke Volkswagen war es das bislang erfolgreichste Kapitel ihrer Motorsport-Geschichte", sagte VW-Motorsport-Direktor Sven Smeets: "Gleichzeitig ist unser Blick nach vorne gerichtet, denn wir sind uns der großen Herausforderungen des gesamten Unternehmens bewusst."

Ogier verabschiedete sich nach Bekanntgabe des Ausstiegs von seinen Fans. "Mir tut es so leid für mein fantastisches Team, wir hatten vier herausragende Jahre", schrieb der Franzose und rief seinen Fans vieldeutig zu: "Keine Sorge, wir sehen uns wieder."

(sid)
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