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Rio De Janeiro
Mourad Laachraoui - der Bruder des IS-Terroristen

Rio de Janeiro. Mourad Laachraoui ist Europameister im Taekwondo - und derzeit weit weg von Zuhause. Von Brüssel nach Rio de Janeiro sind es 9429 Kilometer. Dazu Olympische Spiele. Ein völkerverbindendes Sportfest, ohne religiöse und kulturelle Barrieren. So zumindest die Vorstellung.

Doch selbst in dieser Umgebung ist Mourad Laachraoui keiner wie jeder andere. Und das liegt nicht daran, dass der 21-Jährige nur als Ersatzkämpfer vorgesehen ist und seinen drei nominierten belgischen Mannschaftskollegen derzeit lediglich als Sparringspartner dient. Der schmächtige Mourad Laachraoui ist der jüngere Bruder von Najim Laachraoui. Der IS-Terrorist und Selbstmordattentäter hatte am 22. März mit Komplizen am Flughafen in Brüssel eine Bombe gezündet. 35 Menschen starben, mehr als 300 wurden verletzt.

Mourad lebt. Aber auch er hat Wunden davongetragen. "Er fehlt mir als Bruder", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" über Najim, er betonte auch: "Er fehlt mir nicht für das, was er getan hat. Es ist schrecklich, was er gemacht hat." Aber vor allem ist er "wütend auf die, die ihn dazu gebracht haben". Zu seinem drei Jahre älteren Bruder, behauptet Mourad, habe er, habe die Familie seit 2013 keinen Kontakt mehr gehabt.

Mourad muss gegen Vorurteile kämpfen. Die Bühne Olympia ist nach Ansicht der belgischen Funktionäre nicht der richtige Ort dafür. Der 21 Jahre darf keine Interviews geben, selbst Fragen an die Teamkollegen zu Laachraoui sind strengstens untersagt. Deshalb trainiert Mourad nicht in der offiziellen Übungshalle. Er bleibt eigentlich immer im Olympischen Dorf.

Fünf Tage nach dem Drama von Brüssel stand der Elektromechanik-Student schon wieder in der Trainingshalle. "Er prügelte seine bösen Gefühle aus sich heraus wie ein Wilder", erzählte sein Trainer Leonardo Gambluch. Der Argentinier Gambluch versuchte, seinem Schützling vor allen Dingen eine Erkenntnis einzubläuen: "Du bist nicht der mit der Bombe." Aber Mourad fühlte sich fast so. Sein Leben ist seit dem 22. März in ein Vorher und Nachher geteilt. Immerhin: In seinem Sport gelang es ihm, sich nicht von der Schwere der Last, die auf seinen schmalen Schultern und seiner Seele lastet, aus der Balance werfen zu lassen. Im Mai gewann er EM-Gold in der Klasse bis 54 kg.

(sid)
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