Eiskunstlauf-WM in Moskau: Mysteriöser Unfall beim Paarlauf-Training
zuletzt aktualisiert: 17.03.2005 - 10:57Moskau (rpo). Großes Aufsehen erregte ein zweifelhafter Umstand beim Abschlusstraining für das Paarlauf-Finale der Eiskunstlauf-WM in Moskau. Es kam zur Kollision der Russin Tatjana Totmianina mit dem Chinesen Hao Zhang, woraufhin der Läufer aus dem Reich der Mitte die anschließende Kür nur unter starken Rückenbeschwerden bestreiten konnte.
Die Russin gewann später gemeinsam mit ihrem Partner Maxim Marinin den WM-Titel, alles dreht sich daher nur um eine Frage: War die Kollision beabsichtigt oder handelte es sich um einen unglücklichen Lapsus des Chinesen?
Vergiftete Atmosphäre hinter den Kulissen
"Die Chinesen sollen doch beim Training die Augen aufmachen", keifte die 23-jährige Totmianina, ihren schweren Sturz im Oktober 2004 und die anschließende Gehirnerschütterung noch im Hinterkopf. In ihrer ersten Wut sprach Totmianina sogar von einem "Krieg", ehe sie dieses Wort relativierte und es ihren mangelhaften Englischkenntnissen zuschrieb. Eine Entschuldigung Zhangs, der mit seiner Schwester Dao die Bronzemedaille gewann, nahm die Russin nur halbherzig an.
Auch ihr Trainer Oleg Wasiljew, Paarlauf-Olympiasieger 1984 in Sarajevo, nahm dem 20-jährigen Chinesen die wortreiche Erklärung, er habe Totmianina nicht gesehen, nicht ab: "Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass Absicht vorlag, aber das chinesische Paar war während des gesamten Trainings sehr aggressiv uns gegenüber. Ich glaube, sie haben Tatjana nicht zufällig attackiert. Auf jeden Fall war es eine sehr unsportliche Aktion."
Totmianina und ihr Partner Maxim Marinin gaben eine sportliche Antwort und ließen mit dem Europarekord von 198,49 Punkten keine Zweifel an ihrem zweiten WM-Titel in Folge aufkommen. Ihre Landsleute Maria Petrowa und Alexej Tichonow (188,21) waren ebenso ohne Goldchance wie die drittplatzierten Chinesen (180,22). Zusätzlich hilfreich für die Sieger: Kurz vor ihrer Kür meldeten sich die Ex-Weltmeister Xue Shen und Hongbo Zhao aus China wegen einer Achillessehnenverletzung von Zhao ab.
Sawtschenko/Szolkowy setzten ein "Zeichen"
Auf dem Niveau der Medaillengewinner möchten im olympischen Winter auch Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy mitlaufen. Mit einem sechsten Platz (169,02) beim gemeinsamen WM-Debüt setzten die beiden Chemnitzer "ein Zeichen, das auch schon Einfluss auf den kommenden Winter haben wird", so jedenfalls spekulierte Trainer Ingo Steuer.
Zwar haben die deutschen Meister Olympia 2006 in Turin wegen des fehlenden deutschen Passes für die Ukrainerin Sawtschenko so gut wie abgeschrieben, doch das soll nicht das Ende aller gemeinsamen olympischen Träume sein. "Wir haben noch eine gute Zeit vor uns, und Vancouver 2010 ist ein realistisches Ziel", sagte Szolkowy, der seit knapp zwei Jahren mit der Blondine aus Kiew ein Paar bildet und schon am ersten Tag das Gefühl hatte: "Es passt einfach."
Das blieb auch dem Moskauer Publikum nicht verborgen, doch die Fachleute wissen schon, dass Sawtschenko/Szolkowy in punkto Höchstschwierigkeiten noch einiges draufsatteln müssen. "Aljona und Robin haben hier einen Aha-Effekt ausgelöst, aber es braucht noch viel Arbeit, wenn der Weg weiter nach oben führen soll", mahnte Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union (DEU). An den vorhandenen Fähigkeiten zweifelt er nicht: "Da sind die beiden noch längst nicht an ihrem Limit angekommen."
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