Sprintstar Greene düpiert US-Verband: Nach Vorlauf nach Hause
zuletzt aktualisiert: 21.06.2001 - 11:46Eugene (rpo). Der schnellste Mann der Welt pfeift auf die Verteidigung seines US-Titels über 100 m. Maurice Greene wird bei den nationalen Meisterschaften in Eugene (US-Bundesstaat Oregon), die gleichzeitig als Qualifikation für die Weltmeisterschaften im kanadischen Edmonton dienen, nur den Vorlauf bestreiten und sich dann aus dem viertägigen Wettkampfgeschehen verabschieden.
Ursprünglich wollte der Olympiasieger und Weltmeister, der mit 9,91 Sekunden auch die Jahresweltbestzeit hält, erst gar nicht an den Start gehen, wie er am Mittwoch erklärte. Doch dann hätte er auch nicht an der WM teilnehmen dürfen. Als WM-Champion erhält er zwar vom Weltverband IAAF eine Wildcard, doch die strikten Nominierungs- Kriterien des US-Verbandes fordern zudem einen Leistungsnachweis bei den Meisterschaften. Dafür genügt bereits ein simpler Start.
"Warum haben wir eine Wildcard, wenn wir sie doch nicht als solche in Anspruch nehmen können? Das alles macht keinen Sinn", wetterte Greene gegen die starrsinnige Haltung des Verbandes, die schon Michael Johnson den krönenden Abschluss seiner Laufbahn verdarb. Der fünfmalige Olympiasieger über 200 und 400 m wollte bei der WM lediglich noch einmal in der 4 x 400 m Staffel zum Einsatz kommen. Als Weltmeister über 400 m würde er auch in den Genuss einer Wildcard kommen, doch da er nicht in Eugene die Spikes schnürt, verfällt sie.
Jones stellt sich auch nur über die 200 Meter
Mit seiner Festlegung wollte der US-Verband den TV-Anstalten und Werbekunden garantieren, dass die Superstars beim nationalen Höhepunkt vertreten sind. Bis auf Johnson sind sie auch komplett vor Ort, doch ein Bein werden sie sich auf der Anlage der Universität von Oregon nicht ausreißen. Marion Jones stellt sich auch nur über 200 m der Konkurrenz. Das reicht ebenso wie bei Greene aus, um bei der WM sowohl über 200 als auch über 100 m und in der Sprintstaffel um die Medaillen rennen zu können. "Für mich zählt nur der August, dann muss ich in Topform sein", begründete die von Scheidungssorgen geplagte dreimalige Olympiasiegerin ihr Minimal-Programm.
Greene machte sich derweil einen Jux aus seiner Entscheidung. "Ich habe genügend T-Shirts und Poster mit. Ich werde mich unter die Fans mischen und sie so wissen lassen, dass ich da bin", frotzelte der 26 Jahre alte Sunnyboy, der die Rückendeckung seines Trainers John Smith hat: "Maurice macht das, was von ihm verlangt wird. Was will man mehr?". Im US-Verband knirscht man indes verärgert mit den Zähnen, ohne jedoch ein schlechtes Wort über Greene zu verlieren. Im Gegenteil. Sprecherin Jill Geer meinte: "Wir sind froh, dass er dabei ist. Maurice wirbt und unterstützt großartig den Sport in Amerika".
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