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Düsseldorf
Neue Doping-Enthüllungen in Kenia

Düsseldorf. Zwei Ärzte berichten in einer TV-Reportage von massiven Dopingpraktiken.

Kenia gerät weiter ins Zwielicht, Lamine Diack, der unter Korruptionsverdacht stehende Ex-Präsident des Weltverbandes (IAAF) wird erneut schwer belastet - die Leichtathletik kommt nicht zur Ruhe. In einer ARD-Reportage berichten zwei kenianische Ärzte vor versteckter Kamera von massiven Dopingpraktiken. Einer der Medizinier erklärte, "mindestens 50 Athleten" gedopt zu haben, darunter drei Briten. Nach Angaben der ARD sind die Ärzte festgenommen worden und werden von der Polizei befragt. Offiziell streiten sie ein Fehlverhalten ab.

Offenbar wird auch im bekannten Höhentrainingslager in Iten gedopt. In einer Mülltonne wurden verbrauchte EPO-Verpackungen und benutzte Spritzen gefunden. Gezeigt wurde auch, wie leicht Dopingmittel zu kaufen sind. "Die neuen kenianischen Läufer, die aus dem Nichts kommen, sind Doper", sagte ein nicht genannter Trainer eines Olympiasieger.

Unterdessen hat die derzeit gesperrte türkische Leichtathletin Asli Cakir Alptekin (30), der ihr Olympiasieg 2012 in London über 1500 Meter wegen Dopings aberkannt worden war, erstmals zugegeben, betrogen zu haben. Zudem hat sie Lamine Diack sowie dessen Söhne Massata (wird von Interpol gesucht) und Halil der Bestechlichkeit bezichtigt. 2012 seien Diacks Söhne an sie herangetreten, um gegen eine Geldzahlung den Fall zu vertuschen.

"Er hat uns gesagt, dass er das Problem gegen Bezahlung lösen könnte. Er hat von uns 650.000 Euro verlangt", erklärte Asli Cakir Alptekin. Man habe die Zahlung abgelehnt, fuhr ihr Mann Ishan fort. Dann sei Massata Diack erst auf 500.000 Euro und dann auf 350.000 Euro runter, "Wir haben nichts akzeptiert", so Ishan Alptekin. Halil Diack, dessen Aussagen die Alptekins mitschnitten, habe ihr erklärt, dass die Sache "nur so zu lösen sei", sagte Asli Alptekin, "auf diese Weise würden Spitzensportler auf der ganzen Welt davonkommen".

Die Läuferin war 2004 positiv getestet und für zwei Jahre gesperrt worden. 2013 wurden wie bei einer ganzen Reihe türkischer Athleten überhöhte Werte im Blutpass festgestellt. Im August 2015 wurde sie rückwirkend für acht Jahre bis 2021 gesperrt. Wegen ihrer Mithilfe als Doping-Kronzeugin wird ihre Sperre voraussichtlich auf vier Jahre bis 9. Januar 2017 reduziert.

Bis 21. Juli will der Internationale Sportgerichtshof über die Klage von 68 russischen Leichtathleten entscheiden, die wegen des massiven Dopingproblems in ihrer Heimat vom Weltverband von Wettkämpfen ausgeschlossen wurden. In Rio starten darf aber Weitspringerin Darja Klischina. Die WM-Zweite von 2015 und aktuelle russische Meisterin lebt in Bradenton (USA), unterwirft sich damit einem funktionierenden Anti-Doping-System und darf als "neutrale" Athletin bei Olympia dabeisein.

(sid/dpa)
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